Lufthansa am Boden: Verdi zieht Streik in Ferienzeit durch

Gleich der erste Streik nach dem Corona-Schock hat Lufthansa und ihre Passagiere hart getroffen. Nach mehr als 1000 Flugabsagen könnte die Einigung mit den gefrusteten Beschäftigten aber ganz schnell kommen.
Beschäftigte nehmen an einem Warnstreik teil. © Stefan Sauer/dpa/ZB/Symbolbild

Mitten in der Ferienzeit hat die Gewerkschaft Verdi mit einem Warnstreik des Bodenpersonals die Lufthansa lahmgelegt. Nach der Absage von mehr als 1000 Flügen ging am Mittwoch an den Drehkreuzen Frankfurt und München fast gar nichts mehr, rund 134.000 Passagiere mussten ihre Reisepläne ändern. Während laut Verdi rund 5000 Beschäftigte sich an den Aktionen beteiligten und für höhere Gehälter demonstrierten, bangten in den Terminals zahlreiche Passagiere um ihre Möglichkeiten zum Weiterflug.

In Frankfurt bildeten sich am Vormittag lange Schlangen meist ausländischer Passagiere vor den spärlich besetzten Umbuchungsschaltern. Den Kunden seien je nach Flugziel unterschiedliche Lösungen angeboten worden, sagte eine Lufthansa-Sprecherin. Man habe extra Personal für diese Aufgabe eingeplant, die damit händelbar geblieben sei. Grundsätzlich können Passagiere auf spätere Lufthansa-Flüge oder andere Gesellschaften umgebucht werden, wobei jedoch die freien Plätze meist knapp waren.

In Einzelfällen könne es auch sein, dass die Menschen mehrere Tage auf ihre Weiterreise warten müssten, hatte ein Lufthansa-Sprecher im Terminal gesagt. Ein britischer Tourist auf dem Weg nach Singapur erzählt, dass er sich bereits auf eine zweite Hotel-Nacht in Frankfurt einrichte. Ein Pärchen hatte noch keine Antwort auf seine Fragen erhalten: «Wir sind hier förmlich gestrandet. Wie und wann wir nach Mexiko kommen? Keine Ahnung!».

Verdi und Lufthansa hielten sich gegenseitig vor, für die Lage verantwortlich zu sein. Das Unternehmen habe bewusst darauf verzichtet, nach der Warnstreikankündigung noch einmal zu verhandeln, sagte Verdi-Streikleiter Marvin Reschinsky. Er hoffe nun auf ein schnelles, gutes Ergebnis. «Wir erwarten ganz klar, dass Lufthansa in der nächsten Woche nachlegt, damit der Luftverkehr wieder läuft.» Ein hoher Abschluss sei auch ein Entlastungssignal an das Bestandspersonal, wenn Lufthansa attraktivere Jobs für Neueinsteiger anbiete. «Die werden dringend gebraucht.»

Personalvorstand Michael Niggemann erntete vor der Lufthansa-Verwaltung ein gellendes Pfeifkonzert, als er vor den protestierenden Verdi-Gewerkschaftern sagte: «Diesen Warnstreik halte ich für vollkommen unzumutbar.» Seine Respekt-Bekundungen für die Arbeit der Beschäftigten wurden teilweise mit höhnischem Gelächter beantwortet, die Stimmung war aufgeheizt.

Schon im ZDF-Morgenmagazin hatte die Verdi-Verhandlungsführerin Christine Behle erklärt, dass es bis zum nächsten Verhandlungstermin am kommenden Mittwoch (3. August) keinen weiteren Streik des Bodenpersonals geben werde. Ein erstes Angebot hat Verdi als zu niedrig abgelehnt. Die Gewerkschaft verlangt 9,5 Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 350 Euro. Die Parteien haben sich für die Gespräche zwei Tage Zeit eingeräumt, was allein schon auf einen gewissen Abschlusswillen deutet. Davon unabhängig läuft unter den Lufthansa-Piloten der Vereinigung Cockpit (VC) eine Urabstimmung, die ab August unbefristete Streiks möglich machen würde.

Der Verdi-Ausstand hatte am Mittwochmorgen begonnen und sollte bis Donnerstag, 6 Uhr, dauern. Lufthansa hatte fürchtet Auswirkungen bis zum Freitag, dem letzten Schultag vor den Sommerferien in Bayern. Es gebe allerdings bereits am Donnerstag keine planmäßigen Flugstreichungen mehr, betonte Lufthansa. Trotz der Streikdauer bis Donnerstag, 6 Uhr, werde man versuchen, auch am ersten Knoten am Morgen wie gewohnt zu fliegen.

Am größten deutschen Airport in Frankfurt waren am Mittwoch 725 von 1160 geplanten Flügen abgesagt worden, wie ein Sprecher des Betreibers Fraport berichtete. Damit waren auch Flüge anderer Gesellschaften betroffen, die üblicherweise vom Lufthansa-Bodenpersonal mitbetreut werden. Zu den 646 Lufthansa-Annullierungen kamen somit auch Flüge anderer Konzerngesellschaften wie Swiss, Austria, Brussels oder Air Dolomiti. Darüber hinaus konnten auch unter anderem Maschinen der Gesellschaften Croatian, United, Air Canada oder der polnischen LOT nicht abheben.

Ähnlich sah es in München aus, wo Lufthansa selbst 330 Flüge abgesagt hatte, aber zusätzlich weitere Airlines betroffen waren. An den kleineren Flughafen-Standorten fielen meist nur die Verbindungen nach München und Frankfurt aus. In Düsseldorf war es dem Flughafen gelungen, den Streik bei der Lufthansa-Tochter Leos zu umgehen, deren Fahrer üblicherweise die Flugzeuge von ihren Parkpositionen schieben. Diese Aufgabe wurde von anderen Dienstleistern erledigt.

© dpa
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