Frankfurts Wunderreise beendet: Mit Tristesse nach Hause

Sevilla, Barcelona, London, Helsinki: Hinter Eintracht Frankfurt liegt ein verrücktes Europapokal-Jahr. Eine zusätzliche Krönung gegen Toni Kroos und Co. gelingt nicht. Sportvorstand Krösche relativiert schnell.
Frankfurts Co-Trainer Ronald Brunmayr (l-r), und die Spieler Mario Götze und Sebastian Rode stehen auf dem Spielfeld. © Arne Dedert/dpa

Um 1.35 Uhr Ortszeit düste der Mannschaftsbus von Eintracht Frankfurt in die laue Sommernacht von Helsinki. Kevin Trapp und Co. hatten ihre Silbermedaillen und unvergessliche Erinnerungen aus den vergangenen zwölf Monaten an Bord, aber nicht den erhofften nächsten Silberpokal. «Real war eine Nummer zu groß und ist nicht unser Maßstab», gestand Sportvorstand Markus Krösche nach dem 0:2 gegen Real Madrid im europäischen Supercup ein. Eine stattliche Sause wie im April in Barcelona oder im Mai in Sevilla musste für die Hessen diesmal entfallen. Stattdessen jubelten Toni Kroos und seine Kollegen.

Die Wunderreise der Eintracht, die innerhalb eines Jahres vom Außenseiter zum Europapokalsieger wurde, dürfte aber nach Ende des quasi letzten Pflichtspiels nicht so schnell vergessen werden. Dass 30.000 in weiß gekleidete Fans das 3:2 beim großen FC Barcelona live im Camp Nou erlebten oder rund 50.000 Anhänger mit nach Andalusien reisten, um das große Europa-League-Endspiel gegen die Glasgow Rangers zu verfolgen, wird bleiben.

Bei Trainer Oliver Glasner herrschte nach dem Supercup, bei dem die Torschützen David Alaba und Karim Benzema einen verdienten Sieg der Spanier herbeiführten, trotzdem Frust. «Wir haben gesehen, dass es für dieses Level und diesen Gegner noch nicht reicht. Das nagt innerlich ziemlich an mir. Ich tu mich schwer, so etwas zu akzeptieren. Wir müssen den Ehrgeiz entwickeln, um ein Stück näher zu kommen», sagte der Österreicher, der weniger als drei Monate nach dem Coup von Sevilla schon wieder als Moderator und Mentor gefordert ist, um einen Fehlstart abzuwenden. Erst am Freitag hatte die SGE mit 1:6 gegen den FC Bayern verloren.

Für mächtig Unterstützung sorgten noch einmal mehr als 10.000 Fans, die mit nach Finnland gereist waren. «Unser Block ist immer noch voll, obwohl wir verloren haben. Man sieht, wie stolz die Fans auf uns sind. Das ist ein tolles Gefühl», erklärte Torhüter Kevin Trapp nach der Niederlage. Und dass die Reise der Saison 2021/22 nun mit dem UEFA-Supercup endet, ist für die Anhänger nicht schlimm, weil die nächste Spielzeit mit einem ganz neuen Abenteuer beginnen wird: erstmals Champions League. Frankfurt ist wegen des Titels in der Europa League sogar in Topf eins gesetzt.

Bei Real war mal wieder alles beim Alten: Das famose Trio Casemiro, Kroos und Luka Modric startete ein Finale gemeinsam im Mittelfeld und beendete es mit einem gemeinsamen Pokalfoto. Kroos hat nun fünf Supercup-Trophäen und damit genauso viele wie die drei Rekordsieger Real, AC Mailand und der FC Liverpool. «Nach der Führung hatten wir das Spiel unter Kontrolle», befand Kroos voller Zufriedenheit. Nach Abpfiff wirkte der Jubel der gierigen Titelhamster dann beinahe geschäftsmäßig. Supercup? Offenbar nur eine weitere Trophäe im schier endlosen Pokalregal der Königlichen.

© dpa
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