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«Sterbende Dörfer»: Mehr Tempo bei Verkehrswende gefordert

Beim Ausbau von Bussen und Bahnen ist noch viel zu tun, das gilt auch für den Bau von Radwegen. Während der hessische Verkehrsminister kurz vor der Wahl Erfolge betont, sind Verkehrsverbände nicht zufrieden. Hin und wieder gibt es aber auch Grund zur Freude.
Lumdatalbahn
Die noch stillgelegte Lumdatalbahn-Strecke zwischen Lollar und Rabenau-Londorf soll eingleisig reaktiviert werden. © Christian Lademann/dpa

Die gute Nachricht kam im August. Nach jahrelangem Engagement erfuhren die Aktiven des Vereins Lumdatalbahn, dass sich ihr Einsatz gelohnt hat. Die Bahnstrecke in Mittelhessen wird wiederbelebt, schon bald sollen erste Güterzüge rollen, später auch Personenzüge. Bis 1981 war auf dem Abschnitt zwischen Lollar und Rabenau-Londorf (Landkreis Gießen) regelmäßig Personenverkehr unterwegs. Die Reaktionen in dem Verein reichten von verhaltenem Optimismus bis Euphorie, sagt der Vorsitzende Manfred Lotz.

Die rund 14 Kilometer lange Strecke ist eine von Dutzenden, für die Initiativen in Hessen eine Reaktivierung fordern. Insgesamt harren nach Ansicht des Fahrgastverbands Pro Bahn 30 Strecken der Wiederbelebung, etwa die Hälfte davon sei dringend nötig. Nach Angaben des Verkehrsministeriums in Wiesbaden gibt es derzeit für drei Strecken konkrete Planungen - darunter diejenige im Lumdatal -, und für zwei positive Machbarkeitsstudien. Sechs weitere Abschnitte würden untersucht.

VIELE BAUSTELLEN, UNPÜNKTLICHE ZÜGE

Nach Ansicht von Pro Bahn braucht die Verkehrswende in Hessen auch andernorts deutlich mehr Tempo. Häufige Unpünktlichkeit wegen vieler Baustellen und Personalmangels bei der Bahn hat zuletzt viele unzufriedene Fahrgäste hinterlassen. Gleiches gilt für den verpatzten Start der großangekündigten Wasserstoff-Zugflotte im Taunus. Im ländlichen Raum herrschten unwürdigste Zustände beim öffentlichen Nahverkehr, kritisierte Pro Bahn im Sommer und verlieh dem hessischen Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir die Negativauszeichnung «Hessischer Hemmschuh».

Der Grünen-Politiker sieht sich zu Unrecht im Zentrum der Kritik: Für den Schienenverkehr sei der Bund zuständig. Die Aufgabe des regionalen Schienenverkehrs liege nach hessischem Landesgesetz bei den Verkehrsverbünden in Zusammenarbeit mit den Landkreisen und kreisfreien Städten. Das Land fungiere dabei in erster Linie als Förderer und Unterstützer.

Ähnliches gelte für den Bau von Radwegen, hier seien vor allem die Kommunen in der Pflicht. Doch nach einer Auswertung des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) bewegt sich auch entlang der Landesstraßen viel zu wenig: Im Schneckentempo gehe es hier voran, Hessen liege damit bundesweit hinten. Pro Quadratkilometer Landesfläche ist hier demnach seit 2014 nur 1,3 Meter Radweg hinzugekommen. Auch bei den geplanten Radschnellwegen gehe es kaum voran, kritisiert der ADFC-Landesvorsitzende Ansgar Hegerfeld.

NACHHOLBEDARF BEI RADWEGEN

Das Verkehrsministerium in Wiesbaden sieht Nachholbedarf, der unter Vorgängerregierungen entstanden sei. An der Auflösung werde gearbeitet. Das brauche Zeit, da die Planung von Radwegen umfangreiche Prüfungen erfordere. Zur Beschleunigung seien 20 zusätzliche Stellen geschaffen und mehr Geld bereitgestellt worden. Unter dem Strich fehle weiter ein flächendeckendes Radwege-Netz, sagt der ADFC-Vorsitzende Hegerfeld. Dabei sei dies auch mit Blick auf die Verkehrssicherheit dringend nötig.

Das meistgenutzte Verkehrsmittel ist nach wie vor das Auto. Auch hier gebe es in Sachen Verkehrswende noch viel zu tun, erklärt der ADAC. So fehlten Ladepunkte für E-Autos. Hessen versuche zwar aufzuholen, aktuell gebe es aber noch Defizite. «Die Antriebswende muss vorankommen und dazu ist es absolut notwendig, dass die Rahmenbedingungen stimmen», sagt ADAC-Verkehrsexperte Wolfgang Herda. In den Erhalt von Straßen und Brücken müsse mehr investiert werden. Insbesondere die Kommunen müssten dabei vom Bund und vom Land mehr unterstützt werden: «Sonst ist mit starken Verkehrsbehinderungen zu rechnen.»

GELD FÜR STRASSENERHALT

Das Land verweist auf verschiedene Töpfe, aus denen die Kommunen Geld erhielten. Eine strukturelle Unterfinanzierung sei nicht zu erkennen, erklärt das Verkehrsministerium in Wiesbaden. Bei den öffentlichen E-Ladepunkten liege Hessen im vorderen Mittelfeld der Bundesländer und hole auf.

Dass die Zeit drängt, das sieht auch die Lumdatalbahn-Initiative in Mittelhessen so. «Bei uns sterben die Dörfer, unsere jungen Leute ziehen weg», sagt der Vereinsvorsitzende Lotz. Mit dem Bus sei der Pendelaufwand nach Gießen mit einer Stunde zu lang. Der Zug würde dies halbieren. «Von der Bahn erhoffen wir uns eine Belebung.» Der erste Personenzug müsse deshalb so schnell wie möglich rollen. «Es wäre gut gewesen, wenn das zehn Jahre früher geschehen wäre», sagt er.

© dpa ⁄ Isabell Scheuplein, dpa
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