Rhein-Pegelstände sinken: Fährbetrieb aufrechterhalten

Die niedrigen Pegel am Rhein wirken sich vielfach aus. Auch weil Frachtschiffe weniger laden können, sollen Energietransporte auf der Schiene Vorrang erhalten. Fähren sollen wenn irgend möglich weiter fahren. «Rhein in Flammen» geht mit neuem Konzept über die Bühne.
Im Trockenen liegt die normalerweise überflutete Steinmole am Ufer der Elbe. © Jens Büttner/dpa

Die auf niedrigem Niveau verharrenden oder gar weiter sinkenden Pegelstände am Rhein lassen Frachtkosten in der Binnenschifffahrt steigen und machen den im Mittelrheintal so wichtigen Fährverbindungen zu schaffen. Die Betreiber der Fähren wollen den Betrieb wenn möglich trotz allem aufrechterhalten. Auswirkungen hatten Trockenheit und Niedrigwasser auch auf «Rhein in Flammen», das Spektakel fand nach der Corona-Pause mit verändertem Konzept statt - zur Zufriedenheit von Veranstalter und Behörden.

Der für die Rhein-Schifffahrt so wichtige Pegel an der Engstelle bei Kaub (Rhein-Lahn-Kreis) lag am Sonntagmittag (Stand: 13.00 Uhr) laut der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) des Bundes bei 34 Zentimetern, weitere drei Zentimeter weniger als am frühen Sonntagmorgen sowie Samstagmittag. Der Prognose der Behörde zufolge könnte der Wert am Montag auf 30 Zentimeter absacken.

Der Pegelstand zeigt nicht die tatsächliche Wassertiefe an, sondern die Differenz zwischen Wasseroberfläche und sogenanntem Pegelnullpunkt. Der liegt nicht am tiefsten Punkt der Flusssohle. Aktuelle Werte der WSV zur Fahrrinnentiefe bei Kaub für Sonntag lagen nicht vor. Am Freitag hatte sie bei 1,54 Metern gelegen bei einem Pegelstand von seinerzeit 42 Zentimetern. Geringer war die Rinnentiefe an keinem anderen Abschnitt des Mittel- und Niederrheins.

Wegen der niedrigen Wasserstände im Rhein und anderswo sollen nach einer vom Bundeswirtschafts- und Bundesverkehrsministerium erarbeiteten Rechtsverordnung nun in Deutschland im Schienenverkehr Transporte von Mineralöl, Gas, Kohle und Transformatoren vorübergehend Vorrang bekommen. «Ziel ist es, den Betrieb von Kraftwerken, Raffinerien, Stromnetzen sowie von weiteren lebenswichtigen Betrieben sicherzustellen», heißt es in einem Papier der Ministerien, das der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegt.

Energieträger wie Kraftwerkskohle und Mineralöl müssten wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine vorübergehend stärker zum Einsatz kommen. «Das setzt eine extrem anspruchsvolle Logistik voraus.» Die Branche stehe vor einer gewaltigen Herausforderung. In dem Papier wird unter anderem auch explizit auf die niedrigen Wasserstände in den Flüssen und dadurch verminderte Transportkapazitäten der Binnenschifffahrt verwiesen.

Die treiben den Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ebenfalls um. Schiffsraum sei inzwischen knapp geworden, sagte Ilja Nothnagel, Mitglied der DIHK-Hauptgeschäftsführung, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). «Als Folge sind die Preise für Frachtgut bereits deutlich gestiegen.»

«Die niedrigen Pegelstände zeigen die dringende Notwendigkeit, bauliche Maßnahmen zur Ertüchtigung der Fahrrinnen und die Erneuerung der Flotte zügig umzusetzen», sage Nothnagel. Maßnahmen wie etwa aus dem Aktionsplan «Niedrigwasser Rhein» von 2019 sollten «jetzt zeitnah auf den Weg gebracht werden». Diesen Plan hatte der damalige Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) nach dem regenarmen Sommer 2018 mit extremem Rhein-Niedrigwasser im Juli 2019 vorgestellt. Er sah etwa präzisere und langfristigere Prognosen für niedrige Rhein-Wasserstände und die Förderung flacherer Schiffstypen vor, auch die Vertiefung der Rhein-Fahrrinne war darin Thema.

2018 hatten Tankstellen vergeblich auf Benzin oder Diesel gewartet, große Unternehmen hatten ihre Rohstoffe nicht mehr transportieren können. Vor allem im Oktober waren die Wasserstände im Rhein damals sehr niedrig gewesen, in diesem Jahr ist dies schon deutlich früher im Jahr der Fall.

Entsprechend lässt sich so mancher Fährbetrieb im Mittelrheintal, wo es auf rund 80 Kilometern zwischen Mainz und Koblenz keine Brücke gibt, nur mit teils sehr teuren Maßnahmen weiter realisieren. Zwischen dem rheinhessischen Ingelheim und Oestrich-Winkel im Rheingau etwa kann die reguläre Fähre nicht mehr fahren, deswegen wurde eine Flachwasser-Fähre für 2000 Euro pro Tag angemietet. «Wir verdienen nichts mehr», sagt Michael Maul, Betreiber der Rheinfähre.

Die Fährgemeinschaft Kaub im Rhein-Lahn-Kreis, die mit ihrer Fähre die Strecke zwischen Kaub und Engelsburg bedient, hat 2018 in hochgesetzte Antriebe investiert, das hilft nun auch wieder. «Dadurch können wir bis zu einem Pegelstand von 15 Zentimeter fahren», sagt Betreiber Andre Kimpel. Rund 10.000 Euro kostete die Aufrüstung. Eine Einschränkung bleibt: Derzeit werden Fahrzeuge mit mehr als 20 Tonnen Gesamtgewicht nicht transportiert.

Zufrieden zeigte sich am Sonntagmorgen die Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH nach «Rhein in Flammen» am Vorabend. Insgesamt lockte die Veranstaltung mit Feuerwerken und einer Reihe an Festen entlang des Flusses zwischen Koblenz im Norden und Spay beziehungsweise Braubach im Süden laut der Gesellschaft an Land rund 100.000 Besucher an.

Er sei sehr zufrieden, dass es im Laufe der vergangenen Woche gelungen sei, mit allen Sicherheitsbehörden ein geändertes Veranstaltungsformat auf die Beine zu stellen, sagte Geschäftsführer Stefan Zindler der dpa. Die Rahmenbedingungen seien in diesem Jahr herausfordernd gewesen. Die Zahl der Feuerwerke war von sieben auf fünf verringert worden, auch der sonst übliche Schiffskonvoi auf dem Rhein-Abschnitt nach Koblenz war abgesagt worden. Letztlich stellten sich nach Veranstalterangaben 27 Schiffe zum Feuerwerk auf der Koblenzer Festung Ehrenbreitstein auf.

Abschussorte für Feuerwerke waren näher ans Ufer gerückt worden, um das Brandrisiko zu verringern. In Koblenz hatte die Feuerwehr kurz vor und nach dem Feuerwerk umliegende Flächen vorsichtshalber gewässert. «Wir sind sehr zufrieden, dass nun trotz des Niedrigwassers alles so gut gelaufen ist und wir auf dem Wasser einen sicheren Veranstaltungsraum zur Verfügung stellen konnten», sagte Ralf Schäfer vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein in Bingen.

Mit Blick auf den Vorrang der Energietransporte auf der Schiene sagte der aus Rheinland-Pfalz stammende Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP), dies stelle die Bahn vor Herausforderungen. Wichtige Trassen seien schon jetzt teilweise stark ausgelastet oder überlastet. Die DB Netz AG hat dem Papier der Ministerien zufolge bereits die Nutzungsbedingungen des Netzes angepasst, um Energietransporte bei der betrieblichen Abwicklung der Züge zu priorisieren. Die Ministerien weisen darauf hin, dass es aufgrund von Kapazitätsengpässen nötig sein könne, auch Güterwagen einzusetzen, die nicht mehr den geltenden Lärmschutzstandards entsprechen.

Das dürfte auch wieder Auswirkungen auf das lärmgeplagte Rheintal haben. Dort verläuft auf der rechten Uferseite eine der meistbefahrenen Güterzugstrecken Europas als Teil der Achse zwischen Genua und Rotterdam. Seit kurzem liegt eine Machbarkeitsstudie für eine Alternativtrasse für Güterzüge vor. Es dreht sich um den Bau eines gut 100 Kilometer langen Tunnelsystems durch Westerwald und Taunus, der vermutlich Jahrzehnte dauern dürfte. Die Studie geht von Kosten von etwa 6,8 Milliarden Euro aus, wie Wissing kürzlich sagte.

© dpa
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