Games Music Hörbücher Gymondo MyTone Alle Services
vodafone.de

Rushdie auf der Buchmesse: besorgt und dennoch gut gelaunt

Am Sonntag nimmt der Autor den Friedenspreis des deutschen Buchhandels entgegen. Auf der Buchmesse verrät er, warum er sich zum ersten Mal in seinem Leben auf eine Kirche freut.
75. Frankfurter Buchmesse - Salman Rushdie
Der britische Autor Salman Rushdie. © Arne Dedert/dpa

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen hat der von Islamisten bedrohte britisch-indische Schriftsteller Salman Rushdie die Frankfurter Buchmesse besucht. Es war einer der ersten öffentlichen Auftritte nach dem Attentat im vergangenen Jahr, das er nur knapp überlebte. «Ich bin froh, hier zu sein, in einigermaßen vernünftiger Verfassung», sagte der 76-Jährige, der am Sonntag in der Paulskirche den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhält.

«Ich freue mich auf die Kirche am Sonntag - was etwas ist, das Sie nie zuvor von mir gehört haben», scherzte der erklärte Atheist, der sehr entspannt wirkte und auf die Fragen der Journalisten aus aller Welt oft humorvoll antwortete. Dennoch ist er besorgt über die aktuelle politische Lage. «Die Welt ist in keinem guten Zustand», sagte er. «Aber unvernünftigerweise bleibe ich optimistisch.»

Die Ereignisse in Israel «erfüllen mich mit Horror», sagte Rushdie. «Ich bin entsetzt über die Anschläge der Hamas und ahne, was (Israels Regierungschef Benjamin) Netanjahu im Gegenzug machen wird.» Er hoffe, dass die Kämpfe möglichst bald eingestellt werden können. Es sei darüber hinaus weltweit «eine riskante Zeit für die Demokratie». Nicht nur in den USA verließen manche Parteien die demokratischen Pfade und entwickelten einen Personenkult. «Es sind düstere Zeiten.»

Was dem Autor Hoffnung gibt, ist die Literatur. «Schreiben ist ein optimistischer Akt. Man geht davon aus, dass es später jemand liest», sagte Rushdie. «Literatur zeigt die Welt als einen reichen und komplexen Ort, was das Gegenteil einer engen, rigiden Weltsicht ist.» Sein neues Buch «Messer» soll im April 2024 erscheinen. Er habe es vor zehn Tagen beendet. Thema ist der Messerangriff in den USA, bei dem Rushdie ein Auge verlor. «Es war unmöglich, über etwas anderes zu schreiben, bevor ich mit diesem Thema durch bin.»

Der Angriff sei «eine ziemlich harte und scharfe Erinnerung» an die Fatwa gewesen. «Es war eine knappe Sache, ich bin froh, immer noch hier zu sein.» Er verdanke sein Überleben den Ärzten, die ihn achteinhalb Stunden lang operierten. Der frühere Revolutionsführer Ayatollah Chomeini hatte 1989 wegen des Roman «Die satanischen Verse» zur Ermordung Rushdies aufgerufen und eine Kopfprämie auf ihn ausgesetzt. Seither lebe er in dem Bewusstsein, «dass diese Möglichkeit besteht», sagte Rushdie.

Bei jungen Autoren vermisst Rushdie zum Teil diesen Mut. «Ich habe den Eindruck, es gibt eine gewisse Unsicherheit unter jungen Autoren, worüber sie sich trauen zu schreiben. Nicht nur aus politischen Erwägungen, sondern auch aus sozialen und kulturellen Gründen.» Das beunruhige ihn. «Meiner Meinung nach kann jeder über alles schreiben. Wenn das nicht stimmt, hört die Literatur auf zu existieren. Wenn Frauen nur über Frauen, Inder nur über Inder und Heterosexuelle nur über Heterosexuelle schreiben dürfen - das ist der Tod der Kunst.»

Vor Künstlicher Intelligenz (KI) hat er keine Angst. Jemand habe ChatGPT gebeten, 300 Worte «im Stil von Salman Rushdie» zu schreiben, berichtete der Autor von Weltbestsellern wie «Die Mitternachtskinder» am Freitag auf der Frankfurter Buchmesse. «Was dabei herauskam, war totaler Müll.» Allerdings lernten solche Systeme schnell. Es beunruhige ihn, dass KI Stimmen nachahmen oder Videos fälschen könne. «Aber was das geschriebene Wort betrifft, bin ich im Moment nicht allzu sehr in Sorge. Denn ChatGPT hat keinen Humor, keine Originalität und ist wirklich ein schlechter Schreiber. So weit so gut - aber fragen Sie mich nochmal in zehn Minuten.»

© dpa ⁄ Sandra Trauner, dpa
Das könnte Dich auch interessieren
Empfehlungen der Redaktion
Volker Schlöndorff
Tv & kino
Ehrenpreis für Schlöndorff - «Goldener Ochse»
Martin Brambach
People news
Schauspiel-Kollege drückt Hüller für Oscars die Daumen
Adele
Musik news
Adele sagt Auftritte in Las Vegas wegen Krankheit ab
Selbstfahrendes Testauto von Apple
Internet news & surftipps
Medien: Apple gibt Elektroauto-Pläne auf
Wlan-Router mit Glaskugel
Internet news & surftipps
Blick in die Glaskugel: Fortschritte bei Hologramm-Telefonie
Junge mit Smartphone
Internet news & surftipps
Problematische Social-Media-Nutzung bei Kindern weiter hoch
Max Eberl
Fußball news
Eberls Mahnung an Bayern-Stars: «Wer gibt Herz und Seele?»
Rechtzeitig Heizungsprüfung in größeren Gebäuden planen
Job & geld
Rechtzeitig Heizungsprüfung in größeren Gebäuden planen