Pilotprojekt für Nachwuchsführungskräfte bei der Polizei

Neben einer besseren Fehlerkultur bei der Polizei soll auch die Ausbildung der Führungskräfte bei den Ordnungshütern optimiert werden. Das sind Kernforderungen der unabhängigen Expertenkommission zur Reform der hessischen Polizei.
Eine Polizistin steht vor einem Streifenwagen. © David Inderlied/dpa/Illustration

Hessen startet im Herbst ein Pilotprojekt, um die Auswahl von Nachwuchsführungskräften bei der Polizei zu optimieren. In den Polizeipräsidien Westhessen und Nordhessen soll das mehrstufige Auswahl- und Qualifikationsverfahren getestet werden, wie Innenminister Peter Beuth (CDU) der Deutschen Presse-Agentur in Wiesbaden sagte. Das Pilotprojekt ist Teil des Maßnahmenpakets, das auf Empfehlung der Expertenkommission zur Reform der hessischen Polizei vom Land umgesetzt wird. Im Innenministerium ist die Stabsstelle Fehler- und Führungskultur für die Umsetzung verantwortlich.

«Die hessische Polizei befasst sich weiter intensiv mit allen Maßnahmen, die eine neue Fehler- und Führungskultur etablieren», betonte der Innenminister. Die Polizei zeige, dass sie eine lernende Organisation ist, die die Chance für Veränderungen erkannt habe und nutzen möchte. «Die überlegte Auswahl und gezielte Qualifizierung künftiger Führungskräfte sollen das stabile Fundament für eine gesunde, selbstreflektierende und lernende hessische Polizei bilden.»

Bei dem Pilotprojekt soll es gerade um das sogenannte erste Führungsamt gehen. Dieses umfasst alle Polizeibeamtinnen und -beamte, die zum ersten Mal Personalverantwortung tragen. Konkret handelt es sich bei den neuen Schritten für die Auswahl und Qualifizierung laut Ministerium zunächst um die Ebene der Führungskräfte, die täglich im Kontakt mit der polizeilichen Basis stehen.

In dem Verfahren sollen die Nachwuchsführungskräfte mit einer computerbasierten Einschätzung ihres Potenzials sowie einer Kompetenzanalyse starten. In einem zweiten Schritt folge ein persönliches Gespräch mit einer Führungskraft des zuständigen Polizeipräsidiums, die bewusst nicht der unmittelbar Vorgesetzte ist. Daran werde sich ein Feedback der unmittelbaren Vorgesetzten und der Kollegenschaft anschließen.

Das systematische Verfahren solle eine faktenbasierte Grundlage für die darauf aufbauende Vorauswahl künftiger Nachwuchsführungskräfte schaffen, erklärte der Innenminister. An diesen Prozess schließe sich eine obligatorische Qualifizierung an. Nach dem Auswahlverfahren soll eine einjährige Fortbildungs- und Entwicklungsphase folgen. In ihr seien insgesamt neun Ausbildungsmodule vorgesehen.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) begrüßte das Vorhaben. Die jahrelang heterogene Personalentwicklung bei der hessischen Polizei habe zur Folge gehabt, dass unterschiedliche Konzeptionen und Ansätze eine homogene Entwicklung verhinderten, sagte GdP-Landeschef Jens Mohrherr der Deutschen Presse-Agentur. «Zukünftige Führungskräfte werden nach den Grundsätzen der demografischen Entwicklung nicht nur benötigt, sondern müssen nach einheitlichen Standards auch entwickelt werden.»

Der Gewerkschafter mahnte jedoch ausreichendes Personal für die Umsetzung des Konzepts und generell bei der hessischen Polizei an. Es gebe viele Überstunden und eine ständig wachsende Belastungen im Alltag der Ordnungshüter. Sollte das Pilotprojekt erfolgreich sein und genügend Personal eingesetzt werden, rechne er nicht vor dem Jahr 2024 mit einer möglichen Anwendung des Konzepts in der Fläche.

© dpa
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