Wintershall Dea legt Gewinnsprung hin

Gestiegene Öl- und Gaspreise haben den Gewinn von Wintershall Dea im zweiten Quartal in die Höhe getrieben. Die Folgen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine stellen den Konzern aber vor neue Herausforderungen.
Das Logo von Wintershall Dea. © Swen Pförtner/dpa/Archivbild

Wegen des russischen Angriffskriegs will der Öl- und Gaskonzern Wintershall sein Geschäft nun außerhalb Russlands ausweiten. Alle Optionen für zusätzliche Gasmengen und eine zusätzliche Energieversorgung würden geprüft, teilte das Unternehmen am Dienstag in Kassel mit. Dazu gehörten die Großprojekte Nova, Njord und Dvalin in Norwegen, die Ende des Jahres die Produktion aufnehmen sollen. Zudem prüfe Wintershall Dea Möglichkeiten in Ländern, in denen das Unternehmen bereits aktiv sei, wie etwa Algerien. Zudem will der Konzern geplante Investitionen in den Bereichen Carbon Management und Wasserstoff vorantreiben.

Im zweiten Quartal hat Wintershall Dea dank kräftig gestiegener Öl- und Gaspreise deutlich mehr verdient als ein Jahr zuvor. Zudem profitierte der Konzern von höheren Produktionsmengen und niedrigeren Investitionen. Im zweiten Quartal legte der Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Explorationskosten (Ebitdax) laut Mitteilung des Unternehmens auf gut 1,8 Milliarden Euro zu. Ein Jahr zuvor hatte Wintershall Dea 636 Millionen Euro ausgewiesen. Unter dem Strich erhöhte sich der Gewinn von 62 auf 668 Millionen Euro.

Im ersten Halbjahr fiel jedoch wegen milliardenschwerer Abschreibungen im Auftaktquartal noch ein Verlust in Höhe von 335 Millionen Euro an. Das Unternehmen war mit rund einer Milliarde Euro an der Finanzierung der umstrittenen Gaspipeline Nord Stream 2 beteiligt. Die Investition wurde abgeschrieben. Hinzu kamen weitere russlandbezogene Wertminderungen von rund 500 Millionen Euro. Bereinigt um Sondereffekte wie die Abschreibung legte der Überschuss in den ersten sechs Monaten von 339 Millionen im Vorjahr auf knapp 1,3 Milliarden zu.

Etwa die Hälfte der Öl- und Gasproduktion des Konzerns stammt aus Russland. Unternehmenschef Mario Mehren betonte erneut, man habe die Zahlungen nach Russland eingestellt und mit einem klaren Nein auf neue Projekte in Russland sowie mit russischen Partnern außerhalb Russlands reagiert. Die Beteiligung an bestehenden Projekten in Russland erhalte man allerdings aufrecht. Es fließe durch sie aber kein frisches Geld nach Russland. Bei einem Rückzug würden laut Mehren Milliardenwerte an den russischen Staat fallen.

Für das Gesamtjahr hat Wintershall Dea das Produktionsziel erhöht und will nun täglich bis zu 640.000 Barrel (159 Liter) Öl und Gas fördern. Zuvor hatte das Unternehmen bis zu 630.000 Barrel angepeilt. Im zweiten Quartal produzierte der Konzern 623.000 Barrel pro Tag.

Wintershall Dea ist 2019 aus der Fusion der Wintershall Holding GmbH und der Dea AG hervorgegangen. Das Unternehmen mit Sitz in Kassel und Hamburg beschäftigt weltweit knapp 2500 Mitarbeiter. BASF hält gut 70 Prozent an Wintershall Dea. Der Rest gehört der Beteiligungsgesellschaft LetterOne.

© dpa
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