Merck erwägt Zukäufe - «Kapazität von 15 bis 20 Milliarden»

Vor drei Jahren hat der Darmstädter Dax-Konzern Milliarden für die Übernahme des US-Halbleiterzulieferers Versum ausgegeben. Nun nimmt Merck wieder größere Zukäufe in den Blick. Im Tagesgeschäft hilft derweil noch die Corona-Pandemie.
Fahnen mit dem Merck-Logo wehen im Wind. © picture alliance/dpa/Symbolbild

Der Darmstädter Pharma- und Technologiekonzern Merck sieht sich nach jahrelanger Zurückhaltung wieder in der Lage, teure Übernahmen zu stemmen. Ab 2023 ziehe man «die Option größerer Zukäufe wieder in Betracht», teilte das Dax-Unternehmen bei seinem Kapitalmarkttag am Donnerstag mit. «Wir haben eine Kapazität von 15 bis 20 Milliarden Euro», sagte Konzernchefin Belén Garijo im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Das Geld könnte aber auch für mehrere mittelgroße Übernahmen fließen oder auch für die Einlizensierung von Medikamenten. Man schaue sich ständig am Markt nach Möglichkeiten um.

Darüber hinaus erwartet Merck eine weiterhin eine gute Entwicklung seines Laborgeschäfts trotz nachlassendem Rückenwind durch die Corona-Pandemie. Der Konzern hat in seinem Laborgeschäft rund um die Arzneiherstellung in den vergangenen zwei Jahren von der hohen Nachfrage von Impfstoffforschern und -herstellern weltweit profitiert. So beliefert Merck auch Biontech mit dringend benötigten Lipiden für das Corona-Vakzin der Mainzer.

Dieses Jahr rechnet Merck mit Sonder-Umsätzen von bis zu 800 Millionen Euro in Zusammenhang mit der Pandemie, wie Garijo weiter sagte. «Grundsätzlich lassen die Covid-Effekte aber wie erwartet nach», sagte die Managerin. Das beunruhigt Merck nicht: Künftig wolle man im Laborgeschäft um bis zu zehn Prozent pro Jahr aus eigener Kraft wachsen - «selbst bei einem kompletten Wegfall der pandemiebedingten Nachfrage», wie es hieß.

Das Dax-Unternehmen bestätigte unterdessen trotz der schwachen Konjunktur seine mittelfristigen Ziele: Bis 2025 will Merck den Umsatz auf 25 Milliarden Euro steigern. Zum Vergleich: 2021 lag der Erlös bei 19,7 Milliarden Euro.

Mit Zukäufen könnte Merck sein Mittelfristziel noch schneller erreichen oder übertreffen. Seit der Übernahme des US-Konzerns Versum Materials für 5,8 Milliarden Euro 2019, mit dem Merck in das boomende Geschäft mit Halbleitern eingestiegen ist, hatten sich die Darmstädter mit größeren Übernahmen zurückgehalten - auch um ihre Verschuldung nicht zu sehr steigen zu lassen, die zuletzt bei gut 10 Milliarden Euro lag. Stattdessen hatte sich Merck auf kleinere und mittelgroße Zukäufe konzentriert wie etwa das Chemiegeschäft von Mecaro, einem koreanischen Zulieferer für die Halbleiterindustrie.

Bei der Suche nach einem etwaigen größeren Übernahmekandidaten will Merck vorrangig seine wichtigsten Wachstumstreiber stärken, wie Garijo weiter sagte. Dazu zählt der Konzern das Halbleitergeschäft und neue Medikamente, im Laborgeschäft sind es vor allem das Geschäft rund um die Arzneientwicklung und -herstellung sowie der Service-Bereich wie Auftragsfertigung oder Prüfdienste.

© dpa
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