DAK-Report: «Den Jugendlichen in Hessen geht es nicht gut»

Die Pandemie hat der Analyse einer Krankenkasse zufolge in Hessen vor allem bei jungen Mädchen «beträchtliche Gesundheitsfolgen». Im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit stiegen Essstörungen wie Anorexie und Bulimie bei 15- bis 17-Jährigen um 57 Prozent, wie aus dem Kinder- und Jugendreport der DAK-Gesundheit hervorgeht. Die Verschreibung von Antidepressiva nahm in dieser Gruppe um 53 Prozent zu.
Ein Papierblock, auf dem Daten mit Gewicht notiert wurden, liegt auf dem Badewannenrand neben einer Waage. © Annette Riedl/dpa/Illustration

Für die repräsentative Analyse wurden ambulante und stationäre Behandlungsdaten von 86.000 Kindern und Jugendlichen wissenschaftlich untersucht und mit der Situation vor der Pandemie verglichen. Der Report führe vor Augen, «dass es den Jugendlichen in Hessen nicht gut geht», sagte Britta Dalhoff, Leiterin der hessischen DAK-Landesvertretung. «Der Anstieg von Depressionen und Essstörungen von jungen Erwachsenen während der Pandemie ist erschreckend.» Die Landespolitik müsse das Thema in den Fokus rücken.

Auch jüngere Mädchen leiden dem Report zufolge verstärkt unter psychischen Erkrankungen. In der Altersgruppe von 10 bis 14 Jahren stieg die Zahl der Depressions-Neuerkrankungen um 28 Prozent. Aufgrund einer Essstörung kamen rund ein Viertel mehr weibliche Schulkinder in hessische Arztpraxen und Krankenhäuser.

Anders als im Bund zeigt sich in Hessen auch bei Jungen im Alter zwischen 10 und 14 Jahren ein starker Anstieg bei Essstörungen: plus 63 Prozent. Nimmt man die absoluten Zahlen in den Blick, wurden aber nur halb so viele Jungen wie Mädchen mit einer Anorexie oder Bulimie behandelt. Bei männlichen Jugendlichen (15 bis 17 Jahre) gingen die Behandlungszahlen von Essstörungen deutlich zurück (minus 31 Prozent).

«Mädchen und Jungen leiden unterschiedlich unter den Auswirkungen der Pandemie und den damit verbundenen Maßnahmen», bilanzierten die Autoren des Reports. Das zeige das Beispiel Depressionen: Während 28 Prozent mehr 10- bis 14-jährige Mädchen 2021 erstmalig wegen einer Depression behandelt wurden, gab es bei den Jungen einen Rückgang um 30 Prozent. Dieser Trend setzt sich in der Altersgruppe der 15- bis 17-Jährigen fort: Hier sanken die Behandlungszahlen bei Jungen um 19 Prozent, während sie bei Mädchen um 7 Prozent stiegen.

Experten vermuten, dass der Unterschied damit zusammenhängen könnte, dass Jungs und Mädchen unterschiedlich auf psychische Belastungen reagieren. Mädchen seien tendenziell eher bereit, sich damit auseinanderzusetzen und Hilfe zu suchen.

© dpa
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