Zweite Chance fürs Brot: Bäckereien nur mit Ware vom Vortag

Viele Lebensmittel landen im Müll. Einige Bäcker haben sich etwas einfallen lassen, um diese Verschwendung zu verringern.
Tobias Kröber, Geschäftsführer der Bäckereikette Hoefer, zeigt in der Filiale mit dem Namen «Zwo» ein Brot vom Vortag. © Thomas Frey/dpa

Nachhaltig Backwaren kaufen und Geld sparen? Zahlreiche Bäckereien bieten in eigenen Ecken Brot vom Vortag billiger an. Einige wenige gehen noch weiter: Die Bäckereiketten Hoefer im Raum Koblenz und Happ in Osthessen mit Hauptsitz in Neuhof bei Fulda zum Beispiel betreiben auch ganze Filialen fast nur mit Ware vom Vortag.

Der Geschäftsführer des Bäckerinnungsverbands Südwest, Stefan Körber, begrüßt dieses Konzept, sagt allerdings auch: «Das funktioniert nur mit genug Laufkundschaft in Städten, nicht aber im ländlichen Raum. Es muss bei solchen Filialen nicht der große Gewinn sein, aber wenigstens auf null aufgehen.»

Tobias Kröber, Geschäftsführer der 1909 gegründeten Bäckerei Hoefer mit heute 44 Filialen, erklärt: «Wir haben überlegt, wie kann man die Lebensmittelverschwendung reduzieren?» Ergebnis sei die Umwandlung einer regulären Filiale in der Koblenzer Innenstadt in «Hoefer Zwo» gewesen, mit Backwaren vom Vortag aus verschiedenen eigenen Filialen, jeweils zum halben Preis.

«Es geht darum, ein Zeichen gegen die Wegwerfmentalität zu setzen», sagt Kröber. «Bei uns wird sowieso nichts weggeworfen», versichert er. Übrig gebliebene Backwaren landeten auch bei Essenstafeln, in Biogasanlagen und als Futter in Schweineställen. Innungschef Körber erklärt: «Altbrot wird auch dem Teig für neues Brot beigegeben. Das trägt zur Frischhaltung bei und wird schon sehr, sehr lange gemacht.»

Die 1946 gegründete osthessische Bäckereikette Happ betont ebenfalls, mit ihren «Vortag»-Filialen der Verschwendung von Lebensmitteln entgegenzuwirken. Mit handwerklicher Qualität und natürlichen Rohstoffen bleibe die «Frische viele Tage erhalten».

Innungschef Körber sagt: «Wir versuchen die Retourenquote so niedrig wie möglich zu halten.» Wegen der explodierenden Energiepreise strafften Bäcker ohnehin ihr Sortiment für eine kürzere Betriebszeit der Backöfen. «Die Strompreise haben sich für Bäckereien in einem Jahr verdreifacht und die Gaspreise verfünffacht», ergänzt Körber. Hinzu kommt die allgemeine hohe Inflation - finden daher auch mehr sparsame Kunden ihren Weg zu den Filialen mit Brot und Brötchen vom Vortag? Hoefer-Geschäftsführer Kröber sagt: «Wir merken jetzt noch nicht mehr Anklang.»

© dpa
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