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Musikfestivals kämpfen mit Kosten - «Aderlass» befürchtet

Musikfans haben an manchen Wochenenden in Hessen die Qual der Wahl. Doch einige Festivals könnten die anhaltenden Kostensteigerungen nicht überleben, fürchtet die Branche.
Burg-Herzberg-Festival 2023
Besucher tanzen zu Musik auf dem «Burg-Herzberg-Festival». © Andreas Arnold/dpa/Archivbild

Hohe Kosten machen den Veranstaltern von Musikfestivals in Hessen zunehmend zu schaffen. Vor allem mittlere und kleinere Events hätten zu kämpfen, sagte Sabine Glinke, selbst Veranstalterin von Gleiberg Rocks, die auch Dienstleistungen rund um die Veranstaltungsplanung bietet.

Neben den Personalkosten für Beschäftigte wie Techniker, Bühnenarbeiter und Security seien auch etwa die Reise-, Material- und Transportkosten deutlich gestiegen. Zusätzlich erschwert werde das Geschäft durch zahlreiche Auflagen und den schon seit der Corona-Pandemie anhaltenden Trend, dass viele Musikfans sehr kurzfristig entschieden, ob sie sich Tickets besorgten. Den Veranstaltern fehle dadurch Planungssicherheit, sagte Glinke.

Mehrere Dutzend Musikfestivals werden pro Jahr in Hessen veranstaltet - von Popmusik bis Metal und von Techno bis Folk. Neben kleinen Events wie Rock den Acker in Nidderau-Erbstadt mit nur einigen hundert Besuchern gehören auch große Veranstaltungen wie das Open Flair Festival in Eschwege, der World Club Dome in Frankfurt oder das Schlossgrabenfest in Darmstadt dazu.

Die Ticketpreise variieren stark. Mit rund 200 Euro beispielsweise müssen Besucher des Burg Herzberg Open Airs (25. bis 28. Juli) in diesem Jahr rechnen. «Wir haben keine Sponsoren und finanzieren uns nur über die Ticketverkäufe», sagte Mitveranstalter Gunther Lorz. Die staatliche Unterstützung für Kultur, die es 2023 noch gegeben habe, sei nun weggefallen - «deshalb mussten wir die Ticketpreise anheben dieses Jahr».

Rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gestalten das Open Air nahe Breitenbach am Herzberg (Landkreis Hersfeld-Rotenburg) alljährlich mit - entsprechend stark fallen die Personalkosten ins Gewicht. Hinzu kämen weitere Aufwendungen, etwa um das Festivalgelände wetterfester gegen Regen und Hitze zu machen, für den Transport für Materialien, für sanitäre Anlagen und vieles mehr. Ohne eine Portion Enthusiasmus wäre das alles kaum zu stemmen, sagte Lorz. «Dass wir Gewinn erwirtschaften, erwartet keiner. Wir sind schon froh, wenn alle Rechnungen bezahlt werden können.» Anderen Veranstaltern dürfte es nach seiner Einschätzung ähnlich ergehen. «Ich glaube schon, dass wir einen Aderlass an Festivals erleben werden.»

In diesem Jahr wurde das Ticket-Kontingent auf 10.000 begrenzt, etwa vier Fünftel davon sind bereits weg - damit sei die Nachfrage bisher ähnlich groß wie im vergangenen Jahr. Ein Teil der Leute dürfte noch abwarten, wie sich das Wetter entwickele, sagte Lorz. Als Headliner bekommen die Besucher in diesem Jahr Nick Mason's Saucerful of Secrets zu sehen - Namensgeber ist der frühere Schlagzeuger der britischen Rockband Pink Floyd. Außerdem steht unter anderem die australische Rockband Wolfmother auf dem Programm sowie Kula Shaker mit ihrer Mischung aus Brit-Pop, Rock und indischer Musik.

Auch für das musikalische Abendprogramm auf den Bühnen beim Darmstädter Schlossgrabenfest, das gemessen an der Zahl der Besucher von zuletzt rund 110 000 als größtes Musikfestival in Hessen gilt, müssen die Besucher bereits seit 2022 Eintritt zahlen. «Anders lässt sich das ohne Förderung aus öffentlicher Hand einfach nicht mehr finanzieren», sagte Veranstalter Thiemo Gutfried. Allein für die Gagen würden teils doppelt so hohe Summen aufgerufen wie vor der Corona-Pandemie. Auch die strengeren Sicherheitsauflagen schlagen demnach zu Buche. Dank vieler Sponsoren ließen sich die Eintrittspreise aber dennoch moderat halten.

Früher sei es möglich gewesen, etwa über den Getränkeausschank und die Gastronomie Musikveranstaltungen mitzufinanzieren, dies sei angesichts der massiven Kostensteigerungen nicht mehr leistbar. «Sonst müsste das Bier oder die Pommes 20 Euro kosten - da ist man besser transparent und nimmt einen gesonderten Eintritt und belässt die Gastronomiepreise auf einem marktüblichen Niveau», sagte Gutfried. Trotz allgemeiner Preissteigerungen seien die Menschen noch bereit, Geld für Kultur auszugeben, doch wie lange das so weitergehe, sei fraglich. «Die Befürchtung steht im Raum, dass viele Veranstaltungen und Festivals das nicht überleben werden», meinte Gutfried.

Auch beim Open Flair im nordhessischen Eschwege (Werra-Meißner-Kreis), das vom 7. bis 11. August zum 40. Mal stattfindet, schlagen sich die Kostensteigerungen nieder. Besonders die Transportkosten seien deutlich gestiegen, sagte Festivalmacher Alexander Feiertag. «Die sind vor drei Jahren teurer und seither nicht wieder günstiger geworden.» Auch die Personalkosten seien gestiegen. «Wir machen vieles ehrenamtlich, aber in bestimmten Bereichen brauchen wir Fachkräfte, etwa beim Auf- und Abbau.» Die seien jedoch Mangelware und entsprechend teuer.

«Da wir nur limitiert Platz haben und das Festival nicht nach Belieben vergrößern können, kommen wir daher nicht umhin, die Mehrkosten auf die Preise umzulegen.» Zehn Euro mehr pro Ticket und Campingplatz fielen in diesem Jahr an. Die Besucher scheint das aber nicht abzuschrecken. «Wir sind so gut wie ausverkauft», sagte Feiertag. Nur noch wenige der 20.000 Tickets für das Festival mit den Top-Acts Rise Against, Alligatoah, Deichkind und Beatsteaks seien noch erhältlich. Auf dem Programm stehen neben Musik auch Kleinkunst und Kinderunterhaltung.

© dpa ⁄ Christine Schultze und Nicole Schippers, dpa
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