Nach Angebot: Metaller wollen Streiks auch im Bezirk Mitte

Der Tarifkonflikt in der Metallindustrie wird auch im Bezirk Mitte ausgetragen. Nach einem ersten Arbeitgeberangebot ruft die IG Metall zu Warnstreiks auf, die bereits am Samstag beginnen.
Eine Pfeife mit dem Logo von IG Metall. © Bernd Weißbrod/dpa/Archivbild

Nach dem ersten Angebot der Metall-Arbeitgeber stehen auch in der Metall- und Elektroindustrie des Bezirks Mitte die Zeichen auf Warnstreik. Die IG Metall lehnte die am Donnerstag in Sulzbach vorgestellte Offerte des Verbandes M+E Mitte ab und kündigte Warnstreiks an, die bereits in der Nacht zum Samstag (29. Oktober) beginnen sollen. Betroffen sein können Betriebe in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Die Gewerkschaft verlangt auch mit Blick auf die stark gestiegenen Verbraucherpreise 8 Prozent mehr Geld für die rund 380.000 Beschäftigten. Wichtigstes Ziel sind dauerhafte Erhöhungen der Sätze in den Lohntabellen.

In Sulzbach bei Frankfurt hatte M+E Mitte die bundesweit abgestimmte Offerte vorgelegt. Bestandteile sind eine steuer- und abgabenfreie «Inflationsausgleichsprämie» von 3000 Euro sowie eine spätere, noch unbezifferte Erhöhung in den Gehaltstabellen. «Unsere Angebotsstruktur beinhaltet eine starke Unterstützung der Beschäftigten in diesen schwierigen Zeiten. Die steuer- und abgabenfreie Einmalzahlung hilft unmittelbar und sie hilft vor allem den Arbeitnehmern in den unteren Lohngruppen», erklärte der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Oliver Barta. Wachstum könne aber nur verteilt werden, wenn in der Fläche welches vorhanden ist. Eine Tabellenerhöhung sei nur bei 30 Monaten Laufzeit vorstellbar.

IG-Metall-Bezirkschef Jörg Köhlinger zeigte sich nach der dritten Verhandlungsrunde verärgert. «8 Prozent mehr Geld für 12 Monate ist keine überkomplexe Forderung, die auf Arbeitgeberseite vielfach analysiert werden muss. Wer aus taktischen Gründen nur Almosen bietet, hat die Konsequenzen zu tragen.» Unmittelbar nach Ende der Friedenspflicht in der Nacht zum Samstag sollen daher die Warnstreiks der IG Metall beginnen. Um eine Minute nach Mitternacht sollen die Beschäftigten bei ThyssenKrupp Rasselstein in Andernach als Erste die Arbeit niederlegen. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 10. November im Saarland geplant.

Der Kampf gegen die Inflation müsse von Bundesregierung und Europäischer Zentralbank geführt werden, verlangte Barta. Die Unternehmen hätten in den vergangenen Jahren die Beschäftigung gehalten, um nach bewältigten Krisen durchstarten zu können. Allerdings sei die Lage in den Unternehmen sehr unterschiedlich. Barta verlangte daher ein Differenzierungsverfahren, falls die wirtschaftliche Entwicklung schlechter laufe als erwartet.

Die Forderung nach 8,0 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten ist die höchste Forderung in der Metall- und Elektroindustrie seit dem Jahr 2008. Die erwartete Teuerung kann damit nicht vollständig ausgeglichen werden, so dass Gewerkschaftschef Jörg Hofmann wiederholt staatliche Hilfen für die Haushalte einschließlich einer Energiepreisbremse verlangt hat. Dazu gehört auch die Freistellung von Arbeitsentgelten bis 3000 Euro. Nach Lesart der Gewerkschaft kann diese auch auf feste, dauerhaft wirksame Lohnbestandteile angewendet werden und nicht nur auf Einmalzahlungen. In der Chemie-Industrie wurde neben zwei Einmalzahlungen von jeweils 1500 Euro zwei Tarifstufen von jeweils 3,25 Prozent vereinbart.

© dpa
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