Flughäfen setzen auf CT-Scanner: Schnellere Gepäckkontrollen

100 Milliliter lautet bislang die Grenze für Flüssigkeiten im Flug-Handgepäck. Neue Technik könnte die Einschränkung überflüssig machen und kommt langsam auch an deutschen Flughäfen an.
Reisegäste gehen an einem Flughafen zum Abflugterminal. © Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild

An den beiden größten deutschen Flughäfen können Passagiere ab dem kommenden Jahr auf bequemere und schnellere Kontrollen ihres Handgepäcks hoffen. Während München am Donnerstag bereits ein Ausbauprogramm mit einem Volumen von 45 Millionen Euro unter anderem für 60 neuartige Gepäckscanner verkündete, will der Frankfurter Betreiber Fraport ebenfalls ab Jahresbeginn zunächst 7 Geräte aufstellen.

Die Scanner sollen den Gästen das Leben erleichtern, weil sie Flüssigkeiten und elektronische Geräte künftig nicht mehr extra auspacken müssen. Auch die bislang gültige Obergrenze von 100 Millilitern pro Flüssigkeitsbehälter fällt dann, wie das Luftamt Süd der Regierung Oberbayern mitteilte. Vor allem unerfahrene Passagiere haben bislang an den Kontrollstellen für Zeitverluste gesorgt, wenn sie in ihrem Handgepäck die Flüssigkeiten nicht vorsortiert hatten.

Die Geräte durchleuchten das Handgepäck mit der aus der Medizin bekannten Technik der Computer-Tomographie (CT). Statt nur weniger Aufsichtsbilder liefern sie ohne Tempoverlust Hunderte Aufnahmen des Gepäckstücks, was am Kontrollschirm dreidimensionale Ansichten und die schichtweise Durchleuchtung des Tascheninhalts ermöglicht. Auch feste und flüssige Sprengstoffe können von den Geräten erkannt werden. Die Flüssigkeitsbeschränkungen im Luftverkehr waren 2006 zur Terrorabwehr eingeführt worden.

Großbritannien peilt ebenfalls einen schnellen Ausbau an. Mehrere britische Medien berichteten am Donnerstag über ein Programm, das bis Mitte 2024 abgeschlossen sein soll.

Derzeit stehen an den deutschen Flughäfen München, Frankfurt und Köln je zwei Testgeräte. Die Bundespolizei konnte sich lange nicht zu einer Zulassung der neuen Technik durchringen, die bereits in den USA, aber auch in EU-Staaten wie Irland, den Niederlanden oder Estland erprobt ist. Noch Ende 2019 hatte die Bundespolizei erklärt, dass die Geräte «nach bisherigem Kenntnisstand» keinen operativen Mehrwert aufwiesen. In der Corona-Pandemie war wegen des geringen Passagierandrangs der Druck zu effizienteren Kontrollen zwischenzeitlich gesunken, so dass sich das Programm der Briten verzögerte.

Neben den Scannern sollen in den beiden Münchener Terminals auch 48 neu konzipierte Kontrollspuren eingebaut werden. Sie sollen eine schnellere Abwicklung des Prozesses ermöglichen, weil bis zu vier Personen gleichzeitig ihr Gepäck auflegen können. Laut Mitteilung können in den neuen Spuren bis zu 160 Prozent mehr Passagiere in der gleichen Zeit überprüft werden als in den bisherigen Einrichtungen. Ähnliche Spuren laufen bereits in Frankfurt und sollen unter Fraport-Regie weiter ausgebaut werden.

Die deutsche Luftverkehrsbranche fordert seit langem schnellere Passagierkontrollen ohne Sicherheitsverlust. Die heutigen Verfahren binden nach Ansicht des Flughafenverbands ADV zu viele Ressourcen und stellen eine «ernstzunehmende Belastung sowohl für den reisenden Bürger als auch für die Volkswirtschaft» dar. «Wir begrüßen die neue Technik sehr», erklärte eine Sprecherin der größten deutschen Fluggesellschaft Lufthansa.

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) ist ebenfalls für einen schnellen Ausbau, weist aber auch auf mögliche Probleme für Transit-Passagiere hin. Sofern Großbritannien die Menge erlaubter Flüssigkeiten im Handgepäck erhöhe, könne nur mit CT-Scannern sichergestellt werden, dass diese keinen Sprengstoff enthalten. Passagiere, die von UK in den Schengenraum reisen, um von dort einen Anschlussflug zu nehmen, müssten sich am Transitflughafen einer Nachkontrolle unterziehen.

© dpa
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