FDP-Fraktionschef Christian Dürr sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): «Auch in der Vergangenheit haben Politiker aus Ämtern heraus kandidiert. Angela Merkel war sogar gleichzeitig Bundeskanzlerin. Dem hessischen Ministerpräsidenten, der auch kandidiert, geht es genauso.» Dürr bezog sich auf die frühere Bundeskanzlerin und den derzeitigen hessischen Regierungschef Boris Rhein (beide CDU). Faeser müsse aber trotz ihrer Spitzenkandidatur weiter voll präsent als Ministerin sein, betonte Dürr. «Es gibt große Aufgaben in ihrem Ministerium, etwa in der Migrationspolitik. Die Kandidatur sollte dem nicht schaden.»
Die hessische SPD bestimmte Faeser am Freitag zu ihrer Spitzenkandidatin für den Landtagswahlkampf. Ihre Absicht, erste Ministerpräsidentin in ihrem Heimatbundesland werden zu wollen, hatte sie bereits am Vortag in Berlin öffentlich gemacht. Die 52-Jährige war Ende 2021 aus der Landespolitik als Bundesinnenministerin ins Kabinett der Ampel-Koalition gewechselt.
Die Kritik hatte sich unter anderem daran entfacht, dass Faesers Behörde in Berlin - und Bonn - angesiedelt ist, sie aber als Spitzenkandidatin im Landtagswahlkampf Präsenz in Hessen zeigen muss.