Diskussion um Skulpturen aus Knochen auf documenta

Auf der documenta in Kassel sorgen einem Zeitungsbericht zufolge weitere Kunstwerke für Diskussionen. In diesem Fall geht es um Skulpturen des Künstlerkollektivs Atis Rezistans aus dem Karibikstaat Haiti, die in der katholischen Kirche St. Kunigundis in Kassel zu sehen sind. Dem Bericht der HNA (Hessische/Niedersächsische Allgemeine) vom Mittwoch zufolge gibt es mit Blick auf die unter anderem aus Metall, Schrott und menschlichen Schädeln und Gebeinen gearbeiteten Werke neben Beifall von Besuchern und Kennern auch Irritationen.
Im Kirchenraum von St. Kunigundis sind Mixed-Media-Arbeiten der Gruppe Atis Rezistans / Ghetto Biennale aus Haiti ausgestellt. © Uwe Zucchi/dpa/Archivbild

Die HNA schreibt von «Befremden und bisweilen Entsetzen» unter einigen konservativen Katholiken. Das für Kassel zuständige Bistum Fulda begrüßte dagegen die Möglichkeit zur Begegnung der Kulturen durch die Schau.

Die Ausstellung bewege die Gemüter auf unterschiedliche Weise, teilte die Diözese der Deutschen Presse-Agentur mit. «Dabei gibt es durchaus auch Menschen, die diese Form der Ausstellung provoziert oder die sie mit Befremden wahrnehmen. Die spirituellen Traditionen und Bilder aus Haiti mögen manchem Besucher zunächst fremd erscheinen. Doch gerade der bildliche Umgang mit dem Tod hat direkte Parallelen und Entsprechungen in der katholischen, barocken Tradition. Etwa in Form eines realistischen Skeletts im Fuldaer Dom oder dem Umgang mit Schau-Reliquien in verschiedenen Kirchen.»

Das Bistum erläuterte weiter: «In der karibischen Welt fällt die Detailfreude im Umgang mit diesen Motiven dabei oft intensiver aus als in unserem Kulturkreis. Die Begegnung von beiden passiert jetzt im Kirchenraum.» Das Bistum begrüße die Öffnung der Kirche für eine solche Begegnung. «Die haitianischen Künstler verhalten sich dabei sehr respektvoll im Kirchenraum und stehen in einem ständigen direkten Austausch mit den Vertretern der Kirchengemeinde.»

Pfarrer Martin Gies von der Pfarrei St. Antonius, zu der die Kirche gehört, erklärte: Die morbide wirkenden Skulpturen hätten auf den ersten Blick bei einigen Betrachtern Irritation und zum Teil auch Entsetzen ausgelöst. «Demgegenüber fällt die Reaktion auf die Ausstellung in den überwiegenden Fällen sehr positiv aus.»

Die Werke sind bereits seit mehreren Wochen in dem wegen Sanierungsarbeiten stillgelegten Kirchenraum zu sehen. Das Künstlerkollektiv hatte Gies zufolge großes Interesse daran gezeigt, die Skulpturen dort ausstellen zu können, «da ihre Kunstwerke von ihrem christlichen Glauben, in den auch Traditionen der Voodoo-Religion eingeflossen sind», beeinflusst seien.

Diskussionen begleiten die documenta fifteen seit langem - diese drehen sich um Antisemitismus-Vorwürfe. Mehrere Werke wurden als judenfeindlich kritisiert.

© dpa
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