DGB-Chefin fordert «massive Verbesserungen» in der Pflege

Tarifverträge zur Entlastung sollen in vielen Städten den Stress in der Krankenpflege lindern. Deutschlands oberste Gewerkschafterin sieht aber auch die Politik gefordert.
DGB-Chefin Yasmin Fahimi gibt ein Interview. © Britta Pedersen/dpa/Archivbild

Vor dem Hintergrund laufender Tarifauseinandersetzungen hat DGB-Chefin Yasmin Fahimi umfassende Verbesserungen in der Krankenpflege gefordert. «Wenn die Arbeitsbedingungen nicht massiv verändert werden, dann wird man mit welchem Tarifvertrag auch immer die Situation nicht ändern können», sagte Fahimi am Donnerstag bei einem Besuch der Universitätsklinik Frankfurt/Main.

Fahimi ließ sich auf einer Sommerreise durch verschiedene Städte in Frankfurt von Pflegerinnen und Pflegern von Personalengpässen und permanenter Überlastung berichten. Die Situation sei in vielen Kliniken «zu einem absoluten Arbeitsdrama» geworden, sagte die DGB-Chefin, «bei dem die Menschen psychisch kaputt gehen».

Kritisch bewertete Fahimi die Auswirkungen jüngster politischer Entscheidungen. «Die Personaluntergrenzen haben sich in vielen Kliniken zu einer Art Deckel entwickelt», sagte die DGB-Chefin. Nach Studien können Untergrenzen für Pflegepersonal im Krankenhaus einen erheblichen Einfluss haben und etwa zu einer Reduzierung von Kapazitäten führen, wenn nicht genug Personal da ist.

Pflegerinnen und Pfleger berichteten Fahimi vor dem Hintergrund des laufenden Tarifkonflikts an der Frankfurter Uniklinik von Überlastung in ihren Schichten. Eine Pflegerin berichtete von regelmäßigen Einsätzen auf fremden Stationen. Nur die gröbsten Daten zu den Patientinnen und Patienten erhalte sie vorher als Einweisung. Die Sicherheit werde so gefährdet.

Die Gewerkschaft Verdi und die Universitätsklinik verhandeln derzeit über einen Entlastungstarifvertrag - auch eine dritte Verhandlungsrunde war am Montag ergebnislos geblieben. Die Beschäftigten hatten unter anderem per Warnstreik auf sich aufmerksam gemacht. Auch in anderen Städten berichten Pflegekräfte immer wieder von enormen Belastungen. Unter anderem hatte es bereits in Berlin und Nordrhein-Westfalen Tarifabschlüsse zur Entlastung gegeben.

© dpa
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