Synodaler Weg macht nach Abstimmungseklat weiter

Nach einem Abstimmungseklat und nächtlichen Krisensitzungen ist die Synodalversammlung des Reformprozesses der deutschen Katholiken am Freitag fortgesetzt worden. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, sprach in Frankfurt/Main aber von einer Krise.
Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. © Marijan Murat/dpa/Archivbild

Am Vorabend war in einer Abstimmung ein grundlegender Text zur kirchlichen Sexualmoral an der notwendigen Zwei-Drittel-Mehrheit der Bischöfe gescheitert. Die Bischöfe und die übrigen Beteiligten besprachen anschließend in getrennten Sitzungen, wie es nun weitergehen soll. Der Versammlung gehören neben den Bischöfen Priester, kirchliche Mitarbeiter und zahlreiche Laienvertreter an.

Bätzing sagte, wenn ein Text «ein so überragendes Votum der Gesamtversammlung findet und nicht die Zwei-Drittel-Mehrheit der Bischöfe, dann fällt etwas auseinander, das nicht auseinanderfallen darf». Mahnende Worte gab es auch von Irme Stetter-Karp, der Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). Auf dem Synodalen Weg sei die «Veränderungsbereitschaft aller Beteiligten ausschlaggebend», sagte sie. «Wenn diese Veränderung nicht möglich ist, wenn wir Eindruck einer Beteiligungssimulation erhalten, dann müssen und werden wir eine neue Standortbestimmung vornehmen müssen.» Das werde aber in den Gremien geschehen, nicht «aus einer Nacht heraus».

Eine Aussprache am Morgen machte allerdings deutlich, dass bei vielen Delegierten die Verletzungen noch tief waren. Einige forderten eine namentliche Abstimmung insbesondere der Bischöfe. «Ich frage mich wirklich, was wir hier machen und ob wir nicht aufhören sollten», sagte ein Delegierter.

Der Text über kirchliche Sexualmoral war in der allgemeinen Abstimmung auf 82 Prozent Zustimmung gestoßen. Aber nur 33 Bischöfe stimmten für den Text - bei 21 Gegenstimmen und zwei Enthaltungen.

Der Synodale Weg läuft seit 2019, organisiert vom ZdK und der Deutschen Bischofskonferenz. Beide Gremien wollen Änderungen erreichen in der kirchlichen Sexualmoral, bei der Rolle von Frauen in der Kirche, beim Umgang mit Macht und beim Zölibat, der verpflichtenden Ehelosigkeit katholischer Priester. Auslöser des Reformprozesses war die massive Vertrauenskrise nach Bekanntwerden des Missbrauchsskandals.

© dpa
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