Gläubiger billigen Verkauf des Airports Hahn

07.07.2022 Der Insolvenzverwalter des Flughafens Hahn erwartet Starts auch noch in einem Jahr. Er sei optimistisch, sagt der Jurist Plathner. Beim Wettbewerb für Hahn-Investoren habe es Prüfungen auf Geldwäsche und Finanzkraft gegeben - aber keine ganz tiefen Analysen der Konzepte.

Eine Gangway mit der Aufschrift «frankfurt hahn airport» steht auf dem Rollfeld des insolventen Hunsrück-Flughafens Hahn. © Andreas Arnold/dpa/Archivbild

Der Insolvenzverwalter des Flughafens Hahn hat von den Gläubigerversammlungen grünes Licht für den Verkauf des Hunsrück-Airports bekommen. Nach Zustimmung des Gläubigerausschusses der bisherigen Betreibergesellschaft habe er am Donnerstag auch ein einstimmiges positives Votum der Gläubigerversammlungen von vier Schwestergesellschaften erhalten, sagte Jan Markus Plathner.

Es sei positiv, dass die Käuferin der Mehrheit der Hahn-Anteile, die Swift Conjoy GmbH, alle Mitarbeiter übernehmen wolle, ergänzte der Frankfurter Jurist am Insolvenzgericht Bad Kreuznach. Auf die Frage, ob er an einem Flugbetrieb auch noch in einem Jahr im Hunsrück glaube, sagte Plathner: «Ja». Er sei optimistisch.

Der ehemalige Militär-Airport Hahn hatte im Oktober 2021 in der Corona-Pandemie Insolvenz angemeldet. Der Flugbetrieb ging jedoch vorerst weiter. Nach Aufhebung von Corona-Beschränkungen starten auch wieder mehr Passagiermaschinen. Gegenwärtig hat der Flughafen rund 430 Beschäftigte. Swift Conjoy hatte den Vertrag vergangene Woche bereits unterschrieben - zum Kaufpreis gibt es keine Angaben.

An dem Gemeinschaftsunternehmen mit Sitz in Frankfurt sind die Frankfurter Swift Group und das englische Unternehmen Conjoy Investment Partners beteiligt. Swift entwickelt nach eigener Aussage seit mehr als zehn Jahren Immobilienprojekte. Conjoy Investment ist laut dem Sprecher des Insolvenzverwalters erst 2021 von Unternehmern der Luftfahrt-, Flughafen- und Reise-Branche gegründet worden.

Die Swift Conjoy GmbH setzte sich in einem Bieterwettbewerb durch. Insolvenzverwalter Plathner sagte, bei diesem «diskriminierungsfreien Prozess» habe es bestimmte Standardprüfungen gegeben, beispielsweise um Geldwäsche auszuschließen oder - «in dem Rahmen, in dem wir das können» - die Finanzkraft der Interessenten zu analysieren. Deren Konzepte seien ebenfalls begutachtet worden, allerdings nicht mit einer wirklich «tief gehenden Prüfung». Aber die angekündigte Fortführung des Flugbetriebs und Übernahme aller Mitarbeiter zeige, «dass man auch ein dahinterstehendes Konzept hat». Die neuen Gesellschafter hätten Erfahrung mit Immobilien und Luftverkehr.

Eigentliches Ziel eines Insolvenzverfahrens sei der Verkauf von Grundstücken und Betriebsmitteln. Die Erlöse würden an die Gläubiger verteilt. Auch das Land Hessen werde als bisheriger Hahn-Minderheitsgesellschafter in Gespräche über Finanzen einbezogen. Während die Swift Conjoy GmbH laut Plathner als neue Betreiberin des Airports auftritt, wird die bisherige Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH (FFHG) als Vorgängerin abgewickelt. Das könne mehrere Jahre dauern.

Plathner begründete seinen Optimismus für die Zukunft des einzigen größeren Flughafens in Rheinland-Pfalz auch damit, dass es in den vergangenen Monaten im Insolvenzverfahren gelungen sei, «den Flughafenbetrieb mit einer schwarzen Null oder einer roten Null, wie auch immer man will, zu führen». Mehr Details zur Zukunft am Hahn könnten künftig die Käufer mitteilen. «Ich bin nicht der Sprecher der Investoren, ich bin der Sprecher der Gläubiger», betonte der Jurist.

Tobias Steyer und Martin Mansell, Geschäftsführer der Swift Conjoy GmbH, streben nach eigenen Angaben an, den Passagier- und Frachtflugbetrieb fortzuführen und umfangreich auszubauen. «Dazu gehören auch Investitionen und die Schaffung neuer Arbeitsplätze in der Region.» Plathner sagte, er glaube auch, dass die Swift Conjoy GmbH mit der zuständigen Behörde die Beibehaltung der eher seltenen Nachtfluggenehmigung klären könne.

Der inzwischen schwer angeschlagene chinesische Konzern HNA hatte 2017 für rund 15 Millionen Euro 82,5 Prozent der FFHG vom Land Rheinland-Pfalz erworben. Hessen hielt weiter die übrigen 17,5 Prozent. 2016 hatte sich die rheinland-pfälzische Landesregierung von der chinesischen Firma Shanghai Yiqian Trading bei einem ersten Verkaufsversuch der 82,5 Prozent über den Tisch ziehen lassen. Im letzten Moment zog die Regierung die Reißleine und rettete so viel Steuerzahlergeld.

© dpa

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