Studienplatz-Zusage widerrufen: Uni und Land unter Druck

Wie kann man den Menschen helfen, die sich über eine Zusage für ein Medizinstudium freuten und dann bitter enttäuscht wurden? Universität, Vergabestelle und Politik suchen nach Lösungen, stehen aber mächtig unter Druck.
Studierende mit Mund- und Nasenmaske sitzen in einem Hörsaal. © Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild

Nach dem Widerruf von mehr als 280 Studienplatz-Zusagen geraten die Goethe-Universität und das Land Hessen unter Druck. Die SPD-Landtagsfraktion forderte am Mittwoch eine Entschuldigung, finanzielle Entschädigung und einen Plan, wie die Betroffenen doch noch einen Studienplatz für Medizin oder Zahnmedizin bekommen können.

«Was die Universität als bedauerliches Versehen beschreibt, ist tatsächlich eine Katastrophe, die das Zeug dazu hat, die berufliche Zukunft von 282 jungen Menschen zu vernichten», sagte die Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Fraktion, Daniela Sommer. Die Betroffenen seien durch die Panne komplett aus dem bundesweiten Vergabesystem herausgefallen - sie hätten keine Chance mehr, als Nachrücker in einer anderen Stadt einen Studienplatz zu bekommen.

«Das hessische Wissenschaftsministerium muss gemeinsam mit der Stiftung für Hochschulzulassung einen Weg finden, alle rechtlichen Ansprüche, die die Betroffenen vor der widerrufenen Studienplatzzusage hatten, wiederherzustellen - insbesondere mit Blick auf deren Position auf der bundesweiten Warteliste», forderte Sommer. Land und Hochschule müssten auch den materiellen Schaden ausgleichen, der für die betroffenen Studienanwärter entstanden ist.

Die Goethe-Universität hatte durch einen Übermittlungsfehler zu viele Nachrückerplätze an die Stiftung für Hochschulzulassung gemeldet. Die Stiftung vergibt bundesweit die Studienplätze in diesen Fächern. Damit bekamen 251 Bewerber für Medizin und 31 Bewerber für Zahnmedizin eine Zusagen, die später per Rücknahmebescheid widerrufen wurde. Eine Betroffene hat eine Online-Petition gestartet. «Uns wurde der Boden unter den Füßen weggerissen», heißt es in dem Aufruf, den bis Mittwochnachmittag mehr als 23.000 Menschen unterzeichnet haben.

Die Initiatorin der Petition beklagt, dass die Betroffenen am Freitagabend erst nach der Presse informiert wurden und bis Montag kein Ansprechpartner zur Verfügung stand. In der Petition wird gefordert, «dass umgehend weitere Studienplätze für die bereits fehlerhaft erfolgten Zulassungen geschaffen werden».

Der Fehler der Goethe-Universität sei «ein sehr schwerwiegender Vorgang mit teils weitreichenden Folgen», hieß es im Wissenschaftsministerium. Da die Hochschule die Zulassung eigenverantwortlich durchführe, sei sie auch für die Konsequenzen verantwortlich. «Das Wissenschaftsministerium erwartet, dass die Hochschule ihre Prozesse insgesamt überprüft und die Stiftung Kontrollmechanismen einführt, damit solche Fehler für die Zukunft vermieden werden.» Aktuell suche man mit der Stiftung und der Hochschule nach Lösungen.

Wie der Hessische Rundfunk (hr) berichtete, gab es an der Goethe-Universität schon einmal eine ähnliche Panne: Im Wintersemester 2013/14 wurden ebenfalls zu viele Medizinstudierende immatrikuliert. Damals war es dem Sprecher zufolge bei der Berechnung der einzelnen Quoten für die Zulassung zu einem Fehler gekommen. Dadurch seien 56 Studienplätze zu viel vergeben worden. Die Betroffenen duften damals «durch größte Anstrengungen vieler Beteiligter» ihr Studium antreten.

© dpa
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