Recherche-Team wirft Polizei Versäumnisse bei Anschlag vor

Beim Polizeieinsatz nach dem rassistischen Anschlag von Hanau gab es aus Sicht eines Recherche-Teams schwere Pannen. Seine Erkenntnisse hat das Kollektiv in einer Ausstellung zusammengetragen. Die Polizei verteidigt ihre Arbeit in der Tatnacht.
Eine Polizistin und ein Polizist mit FFP2-Maske stehen sich gegenüber. © Marijan Murat/dpa/Symbolbild

Die Gruppe Forensic Architecture wirft der Polizei schwere Versäumnisse in der Tatnacht des rassistischen Anschlags von Hanau vor. So habe die Polizei bei ihren Bemühungen, das Haus des Täters sicher zu umstellen und ihm die Möglichkeit zur Flucht zu nehmen, «entscheidend versagt», erklärte das Kollektiv am Donnerstag anlässlich der Eröffnung einer Ausstellung, die von diesem Freitag (3. Juni) bis 11. September im Frankfurter Kunstverein zu sehen sein wird. Der Täter hätte deshalb zeitweise «leicht von der Polizei unbemerkt sein Haus verlassen können», hieß es in der Mitteilung.

Ein 43-jähriger Deutscher hatte am 19. Februar 2020 in Hanau neun Menschen aus rassistischen Motiven erschossen. Danach tötete er seine Mutter und nahm sich selbst das Leben. Für ihre Recherche haben das Kollektiv und seine deutsche Schwesterorganisation Forensis nach eigenen Angaben unter anderem «Tausende Seiten der Untersuchungsakten» zu dem Anschlag gesichtet.

Das zuständige Polizeipräsidium Südosthessen erklärte zum Einsatz am Täter-Wohnhaus, man habe in jener Nacht zunächst eine kommunikative Lösung angestrebt und parallel einen Zugriff durch ein Spezialeinsatzkommando vorbereitet. Gegen 3.03 Uhr sei der Zugriff des SEK erfolgt. «Das Vorgehen im Haus wurde unter größtmöglicher Sicherheit kontrolliert durchgeführt. Die Örtlichkeit war entsprechend von außen gesichert. Ein schnelles und somit stark risikobehaftetes Vorgehen war nach Bewertung der Gesamtumstände nicht geboten.»

Die künstlerische Arbeit des 2011 in London gegründeten Rechercheteams setzt wissenschaftliche, technologische und juristische Techniken ein. Ziel ist es laut Kunstverein, «systemischen Rassismus und Behördenversagen sichtbar zu machen». In der Ausstellung werden drei neue Arbeiten präsentiert, die rassistisch motivierte Vorfälle in Deutschland untersuchen.

Mit dem Anschlag in Hanau befasst sich derzeit auch ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss des hessischen Landtags, der vor allem der Frage nachgeht, ob es vor, während und nach der Tat zu einem Behördenversagen gekommen ist.

© dpa
Weitere News
Top News
Sport news
Wintersport: Deutsche Duos wollen Biathlon auf Schalke als WM-Test nutzen
Tv & kino
Autobiografischer Film: Glitzer, Glamour, DDR - Ein Model im Osten
Reise
Jeder zweite Flug entfällt: Pilotenstreik bei Eurowings für Donnerstag angekündigt
People news
«Unser Traum»: Mel C hofft auf komplette Spice-Girls-Reunion
People news
Schauspielerin: Viel mehr als nur «Titanic»: Kate Winslet wird 47
Internet news & surftipps
Börsen: Überraschende Wende: Elon Musk will Twitter nun doch kaufen
Auto news
Flache Limousine: Möglichst wenig Widerstand: Hyundai fährt Ioniq 6 vor
Das beste netz deutschlands
Featured: iOS 16: So kannst Du das Suchfeld über dem Dock ausschalten
Empfehlungen der Redaktion
Regional hessen
Hanau-Anschlag: U-Ausschuss: Oberstaatsanwältin verweigert Aussage
Regional hessen
Justiz: Hanau-Attentäter: Prozess gegen Vater geht in nächste Runde
Regional hessen
Anschlag in Hanau: Beamte berichten im Ausschuss von verschlossenem Notausgang
Regional hessen
Landtag: Hanau-U-Ausschuss: Oberbürgermeister Kaminsky wird befragt
Regional hessen
Rechtsextremismus: Zeugenbefragung im Hanau-Ausschuss kurz nach Beginn beendet
Regional hessen
Prozess: Durchsuchungen wegen Untreueverdacht: drei Beschuldigte
Regional hessen
Landgericht: Geldstrafe für Vater von Hanau-Attentäter gefordert
Regional hessen
Berufungsprozess: Vater von Hanau-Täter: «Ich soll mundtot gemacht werden»