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«Haltung gefragt»: Debatte um Russen-Rückkehr und Olympia

Die Frage nach der Russen-Rückkehr zu den Olympischen Spielen in Paris polarisiert den deutschen Sport. Eine Diskussion in Wiesbaden zeigt: Die Gemengelage ist und bleibt kompliziert.
Peter Beuth
Innenminister Peter Beuth (CDU). © Helmut Fricke/dpa

Die Kontroverse um die Rückkehr von Athleten aus Russland und Belarus in den Weltsport trotz des anhaltenden Ukraine-Kriegs polarisiert den deutschen Sport. Klare Haltung durch Ausschluss bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris zeigen, der Einheit des Sports zuliebe die Sportler beider Länder zulassen - oder abwarten, was noch alles passiert? Die Gemengelage ist kompliziert. Dies zeigte auch die Podiumsdiskussion zum Thema «Krieg und Olympische Spiele in Europa - Was bedeutet das für den Sport und die Athleten?» am Mittwochabend in Wiesbaden.

Hessen Sportminister und Gastgeber Peter Beuth hat seine unverrückbare Position bekräftigt und den Ausschluss von Sportlern beider Länder von den Paris-Spielen gefordert. «Die Idee neutraler Russen-Athleten ist Nonsens, eine Verhöhnung der Ukraine und eine Gefahr für die Integrität der Olympischen und Paralympischen Spiele», sagte der CDU-Politiker. Argumente wie die Bewahrung der Einheit des Sports überzeugten ihn in diesem Falle nicht: «Hier ist erst einmal eine Haltung gefragt.»

Es gebe einen völkerrechtswidrigen Krieg in Europa. «Ich halte den Gedanken für unerträglich, dass in Paris ein Athlet auftritt - in welchem Trikot ist mir wurscht - und natürlich für russische Propaganda während und nach den Spielen genutzt wird», meinte Beuth. Und es gebe eine Frage an die olympische Gemeinschaft: «Lassen wir es uns bieten, dass ein Diktator nach den Olympischen Spielen und vor den Paralympics 2022 in Tokio einen Krieg angezettelt hat?» Mit Völkerverständigung habe dies wenig zu tun. «Das passt für mich nicht zusammen», so der Minister.

Dafür hält die Menschenrechtsanwältin Sylvia Schenk die Empfehlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Russen und Belarussen auf Basis bestimmter Kriterien den Zugang zum Weltsport zu gewähren, für richtig. Russlands Präsident Wladimir Putin habe zwei Ziele: Die internationale Rechtsordnung zu zerstören und die Welt zu spalten. Das würde ihn stärken. «Deshalb muss das IOC darauf achten, Menschenrechte von Athleten mit einem Pauschalausschluss abzuwägen.»

Der Deutsche Olympische Sportbund bleibt weiterhin bei seiner Position, Russland und Belarus auszuschließen, will aber nicht stur daran festhalten. «Wir haben alle relevanten Gruppen gefragt, auch die Athleten, ohne die es nicht geht, und ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben», erklärte DOSB-Präsident Thomas Weikert. «Wenn man das Gutachten liest, kommt man zu einer juristische Abwägungsfrage, die man so oder so entscheiden kann.»

Grundsätzlich wolle der DOSB keine Wettbewerbsteilnahme von Sportlern aus den beiden Ländern, aber man müsse sich auch der Realität stellen. «Wir haben dem IOC mitgeteilt, uns anschauen, wie sich die Welt entwickelt und möglicherweise zu einer anderen Entscheidung kommen», sagte Weikert. «Es ist ein offener Prozess.»

Sportminister Beuth forderte den DOSB ungeachtet davon auf, sich beim IOC für eine Änderung der olympischen Charta einsetzen. Diese solle ergänzt werden um einen Passus, demzufolge Staaten, die einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg führen und damit den olympischen Frieden brechen, künftig grundsätzlich von Olympischen Spielen ausgeschlossen werden könnten. Durch eine Änderung der Olympischen Charta könnte das IOC endlich Haltung zeigen und die Sportwelt wieder vereinen.

«Das wäre eine Maßnahme, die der deutsche Sport beim IOC anstrengen könnte», sagte Beuth. «Das würde uns gut anstehen und zu Überlegungen, ob wir uns für Olympische Spiele bewerben, prima passen.» Dann würde man gleich mit erklären, dass man Spiele haben wolle, die der Völkerverständigung, dem Frieden und den Werten des Sports dienen. «Dadurch könnte die Bereitschaft der deutschen Bevölkerung ein bisschen steigen, eine solche Bewerbung zu unterstützen», meinte der 55-Jährige. «Denn im Moment ist es leicht, das IOC wegen seiner mangelhaften Haltung in dieser Frage zu verhetzen.»

Der DOSB hat einen Prozess für eine Olympia-Bewerbung gestartet, bei dem zunächst im Dialog mit der Bevölkerung über das Für und Wider diskutiert werden soll. Zuletzt gab es 1972 in München Sommerspiele in Deutschland. Im Blick sind Kandidaturen für die Winterspiele 2038 und 2042 sowie die für den Sommer 2036 und 2040.

© dpa ⁄ Andreas Schirmer, dpa
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