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Getrennt nach Geschlecht: Immer noch gibt es Mädchenschulen

Mädchen ohne Jungen unterrichten: Das Konzept ist uralt - aber in einigen Schulen in Hessen immer noch aktuell. Was sind die Vorteile? Und warum hat eine Mädchenschule nach fast drei Jahrhunderten eine grundlegende Änderung beschlossen?
Schule
Eine Schülerin meldet sich im Unterricht. © Marijan Murat/dpa/Symbolbild

Nur noch an sechs Schulen in Hessen sind Mädchen im vergangenen Schuljahr ganz unter sich gewesen. Im Klassenzimmer, auf dem Pausenhof, auf den Gängen - bis auf einzelne Ausnahmen tauchen hier nirgends Jungen auf. Schüler sind an Mädchenschulen nicht willkommen.

Im vergangenen Schuljahr besuchten in Hessen insgesamt noch gut 4000 Schülerinnen eine Mädchenschule. Diese sogenannten monoedukativen Schulen gab es in Bensheim, Bad Homburg vor der Höhe, Fulda, Hanau-Großauheim, Königstein im Taunus und Offenbach, wie das hessische Kultusministerium der Deutschen Presse-Agentur mitteilt. Hinzu kam eine einzige Jungenschule im osthessischen Sinntal.

Die Marienschule für Mädchen in Fulda erklärt: «Aus Sicht der Entwicklungspsychologie sind Mädchen im Zeitfenster der Unter- und Mittelstufe den gleichaltrigen Jungs um ein bis zwei Jahre voraus.» Mädchenklassen ermöglichten daher «einen zielgerichteteren Unterricht und den Schülerinnen einen leichteren Zugang zu den Lerninhalten».

Wissenschaftlichen Studien zufolge profitierten Schülerinnen vor allem in den sogenannten MINT-Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik von Mädchenklassen. «Ein nicht mit gendertypischen Vorurteilen aufgeladenes Diskutieren über naturwissenschaftliche und technische Themen erleichtert es den Mädchen, sich für Physik, Chemie oder Informatik zu begeistern», erklärt die Marienschule. Es sei kein Zufall, «dass auch heute noch ein weit überproportionaler Anteil der Hochschulabsolventinnen in den naturwissenschaftlichen Fächern aus Mädchenschulen kommt».

Auch die Koblenzer Pädagogikprofessorin Wiebke Waburg erläutert: «Es zeigt sich etwa, dass sich Mädchen in monoedukativen Kontexten in Physik nicht so zurückhalten.» Gerade die Kurswahl falle in eine Phase, «in der sich Mädchen und Jungen geschlechtlich in ihrer Identität weiterentwickeln». Die Frage, für wen jemand attraktiv sein wolle, spiele in unserer Gesellschaft in diesem Alter noch eine große Rolle. Ein Teil der Mädchen ziehe sich beim gemeinsamen Unterricht in Physik zurück, weil es ein «männlich konnotiertes Fach» sei.

Doch werden mit der Trennung Geschlechterrollen nicht betont und vermeintliche Unterschiede reproduziert? «Man hat das Paradoxe: Erstmal ist das Geschlecht Grundlage für die Aufnahme, aber dann kann die Vielfalt deutlicher hervortreten», sagt Waburg. «Weil man nicht denkt: «Ich muss mich wie ein typisches Mädchen verhalten.»»

Für ihre Oberstufe hat die Fuldaer Marienschule nun allerdings eine Kehrtwende gemacht, 290 Jahre nach ihrer Gründung: Seit wenigen Monaten nimmt sie hier auch generell und nicht nur in einzelnen schulübergreifenden Kursen Jungen auf. «Nach der Mittelstufe haben sich die entwicklungspsychologischen Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen weitgehend ausgeglichen», erklärt die Schule. Und die Schülerinnenzahl in der Oberstufe sei rückläufig. Noch ist der männliche Ansturm überschaubar. In der Marienschule heißt es: «Wir haben bislang zwei oder drei Jungen in der Oberstufe.» Das neue Angebot müsse sich erst noch mehr herumsprechen.

© dpa
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