Studierende kämpfen mit steigenden Lebenshaltungskosten

Die derzeit hohen Lebenshaltungskosten treffen vor allem Studierende aus ärmeren Familien oder Alleinerziehende hart. Viele gehen nebenher mehr arbeiten - zu Lasten des Studiums. Einige ziehen auch zurück zu den Eltern, wie Beratungsstellen berichten.
Ein Jobangebot hängt an einer Wand der Frankfurter Goethe-Universität. © Frank Rumpenhorst/dpa

Die steigenden Preise für Energie und Lebensmittel lösen bei vielen Studierenden große Sorgen aus - auch in Hessen. Unter anderem drohen höhere Kosten für den Wohnheimplatz. Vor allem bei den Nebenkostenpauschalen werden wegen der höheren Energiekosten künftig teils deutlich höhere Abschläge fällig. «Bei den Energiepreisen haben wir jetzt im Sommer noch die Ruhe vor dem Sturm», sagte Tim Hoppe, Wohnraumreferent des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta) der Frankfurter Goethe-Universität. Aber man merke jetzt schon, wie im Bekanntenkreis allmählich die Nervosität steige.

Das Studierendenwerk Darmstadt beispielsweise verlangt seit Juli 17 Prozent mehr bei der Nebenkostenpauschale, beim Studentenwerk Gießen ist ein Plus von 16 Prozent geplant, wie aus einer Antwort des Wissenschaftsministeriums in Wiesbaden auf eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion im Landtag hervorgeht.

Der Asta Frankfurt bietet bislang einmal in der Woche gemeinsam mit einem Mieterverein eine Mietrechtsberatung an. «Wir gehen davon aus, dass wir dieses Angebot ausbauen», sagte Hoppe. Welche Forderungen haben die Studierenden? «Am wichtigsten ist uns eine Garantie, dass es im Wintersemester eine Präsenzlehre gibt.»

Universitäten und Bibliotheken seien relevante Aufenthaltsorte für Studierende. Diese aus Energiespargründen ganz oder teilweise zu schließen, sei ein falscher Ansatz. «Dann werden die Energiekosten der Unis ins Private verlagert.» Und man habe schon zu Corona-Zeiten gemerkt, was für eine psychische Belastung es sei, aus einem kleinen Wohnheimzimmer aus am Hochschulunterricht teilzunehmen.

Neben den Energiekosten seien auch die sehr stark gestiegenen Lebensmittelkosten eine große Herausforderung für die Studierenden. Es sei damit zu rechnen, dass viele künftig mehr nebenher arbeiten müssen, sagte Hoppe. Das gehe aber wieder zu Lasten der Uni, «so dass man davon ausgehen muss, dass sie dann insgesamt mehr Zeit für ihr Studium brauchen».

Auch in Kassel müssen sich die Studierenden auf höherer Kosten für die Wohnheime einstellen. Die Nebenkosten würden kontinuierlich an die Entwicklung der Energiekosten angepasst, sagte Brigitte Schwarz, Sprecherin des Studierendenwerks. «Insofern sind Erhöhungen absehbar nötig.»

Viele Studierende machten sich große Sorgen wegen der zurzeit drastisch steigenden Lebenshaltungskosten. «Diejenigen, die nicht in Studierendenwohnheimen leben, müssen mit hohen Nachzahlungen für Energiekosten rechnen», erläuterte Schwarz. «Die Besorgnis wächst im besonderen Maße bei Studierenden, die aus einkommensarmen Familien stammen.» Sie seien in der derzeitigen Situation schlichtweg nicht in der Lage, ihre studierenden Kinder finanziell zu unterstützen.

«Diese Studierenden sind auf sich allein gestellt», betonte Schwarz. «Wir stellen einen deutlichen Beratungsbedarf zur finanziellen Situation von Studierenden fest.» Die Beratungsteams der Uni berichteten aus ihren Gesprächen mit Studierenden auch von Überlegungen, das Studium aus Kostengründen abzubrechen. «Die Studierenden brauchen gerade dann, wenn Krise das neue Normal ist und vielen Familien das Geld ausgeht, Hilfe. Sie dürfen bei möglichen Entlastungen nicht vergessen werden», betonte Schwarz.

Finanzielle Sorgen beschäftigten viele Studierenden momentan, erklärte auch Jasmin Rebscher, Sprecherin des Asta der Hochschule RheinMain in Wiesbaden. «Gerade die Angst, in finanzielle Engpässe zu kommen, ist bei Studierenden mit Kind sehr groß.» Gleichzeitig gebe es viele, die wegen der hohen Mietkosten zurück zu ihren Eltern ziehen. «Besonders für Alleinerziehende scheint das momentan die einzige Lösung zu sein.»

Der Asta beobachte schon länger, dass Studierende nur Teilzeitstudiengänge belegen oder neben dem Beruf studieren, erläuterte Rebscher. Die Studentenvertretung rechne damit, dass sich die Studienzeiten über alle Fachbereiche hinweg um mindestens ein Semester erhöhen, da nun Studierende mehr nebenher arbeiten gehen müssen.

Die Kosten für Wohnheime seien jetzt schon so hoch, «dass die Wohnkostenpauschale des Bafög kaum mehr die Lebensrealität der Studierenden abbildet», teilt der Asta in Gießen mit. Den Asta erreichten regelmäßig Mails mit Fragen zu möglichen Förderungen. «Fälle von Studienabbrechern aufgrund der Finanzen sind uns jetzt schon bekannt, weitere werden unweigerlich kommen.»

© dpa
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