Landessozialbericht: Armutsrisiko in Hessen gestiegen

Auf mehr als 300 Seiten werden beim dritten Landessozialbericht Daten zur sozialen Lage der Menschen in Hessen wissenschaftlich aufgearbeitet. Dabei stellt sich unter anderem heraus, dass eine Bevölkerungsgruppe besonders von Armut bedroht ist.
Eine Frau hält Geldscheine und Münzen in der Hand. © Daniel Karmann/dpa/Symbolbild

Das Armutsrisiko in Hessen ist nach Ergebnissen des jüngsten Landessozialberichts weiter gestiegen. Besonders betroffen sind unter anderem Erwerbslose, Alleinerziehende und Menschen mit niedriger beruflicher Qualifikation, wie Sozialminister Kai Klose (Grüne) am Montag in Wiesbaden erläuterte. Auch Familien mit vielen Kindern, Frauen und Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit seien wesentlich häufiger von Armut betroffen oder bedroht als der Durchschnitt der Bevölkerung.

Laut Landessozialbericht sind die Armutsrisikoquoten im Jahr 2020 in Deutschland und Hessen im Vergleich zum Vorjahr erneut gestiegen. In Hessen kletterte der Wert unter Bezugnahme auf das durchschnittliche bundesweite Einkommen von 16,1 Prozent (2019) auf 17,4 Prozent (2020). In Deutschland erhöhte sich die Quote im gleichen Zeitraum von 15,9 Prozent auf 16,1 Prozent. Die Armutsrisikoschwelle lag in Hessen für einen Einpersonenhaushalt 2020 bei 1194 Euro netto. Als einkommensarm gelten Haushalte mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens.

Der Landessozialbericht erscheint seit 2012 im Abstand von fünf Jahren. In der zugrundeliegenden Studie standen dieses Mal Alleinerziehende im Fokus. Der über 300 Seiten starke dritte Landessozialbericht basiert auf den zum Zeitpunkt seiner Erstellung aktuellsten verfügbaren Daten, die nach Angaben des Ministeriums die Entwicklung bis 2020 darstellen können.

Nach den Worten von Klose sollen die Ergebnisse eine Grundlage sein für die Sozial- und Arbeitsmarktpolitik des Landes. Dabei habe Hessen das große Armutsrisiko Alleinerziehender besonders im Blick. Die Risikoquote für Menschen in Ein-Eltern-Familien betrage laut aktuellem Bericht gut 45 Prozent, erläuterte der Minister.

Eine Erklärung sei, dass Alleinerziehende das Geld für die Kinder miterwirtschaften müssten, jedoch gleichzeitig wegen der Kinderbetreuung oft nur eingeschränkt arbeiten gehen könnten. Der Sozialforscher Ernst-Ulrich Huster, der am Landessozialbericht mitgearbeitet hat, sagte, auch ausbleibende Unterhaltszahlungen würden von vielen alleinerziehenden Frauen als großes Problem genannt.

Die Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen begrüßte, dass der Bericht die schwierige Lebensrealität Alleinerziehender «klar herausgearbeitet» hätte. Diese Bevölkerungsgruppe benötige dringend verlässliche Kinderbetreuung, um ausreichend Geld verdienen zu können, sowie eine Unterstützung im Familienalltag. Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum treffe Alleinerziehende besonders hart, da sie die Miete aus einem einzigen Gehalt begleichen müssten.

© dpa
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