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Geld für streikende Trucker

Ein Beispiel, das Folgen für den Streik der Trucker in Gräfenhausen hat? Ein österreichischer Unternehmer hat nun für seine Ladung direkt bezahlt. Der Konflikt mit einem polnischen Spediteur dauert an.
Erstes Geld für streikende Trucker an der A5
Die LKW-Fahrer sitzen in einem Auflieger und zählen auf einer Bananenkiste das Geld nach. © Andreas Arnold/dpa

Die seit mehr als sechs Wochen auf der südhessischen Autobahnraststätte Gräfenhausen streikenden Lastwagenfahrer haben am Donnerstag erstmals Geld erhalten. Allerdings hatte nicht etwa der polnische Speditionsunternehmer eingelenkt, für den die Fahrer Waren durch Europa transportieren. Ein österreichischer Spediteur, der ebenfalls Teil der Lieferkette war, habe sich entschieden, die für den entsprechenden Transport anfallende Summe in Höhe von 20.000 Euro dem Fahrer direkt zu übergeben, sagte der niederländische Gewerkschafter Edwin Atema, der von den Fahrern mit der Verhandlungsführung beauftragt wurde.

Einige der nun etwa 90 streikenden Fahrer aus Usbekistan, Georgien, der Ukraine und anderen Staaten reagierten euphorisch auf die Nachricht. «Das ist ein erster kleiner Sieg - und dann kommt hoffentlich der große», sagte Fakhriddin Salimov und reckte den Daumen in die Höhe. Der Usbeke war von den Streikenden zum «Buchhalter» bestimmt worden. Denn die Gesamthöhe der ausstehenden Löhne wird mit mehr als einer halben Million Euro beziffert. Er selbst warte auf mehr als 11.000 Euro, habe mehr als ein Jahr lang nicht mehr seinen korrekten Lohn erhalten, berichtete er.

Die Männer streiken mittlerweile seit mehr als sechs Wochen, um ausstehende Löhne durchzusetzen. Das polnische Speditionsunternehmen wirft ihnen Erpressung vor und hat vor mehreren Wochen Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Darmstadt erstattet.

Als der österreichische Unternehmer am frühen Nachmittag eintraf, wurde zunächst die Ladung übergeben, dann händigte er in Anwesenheit von Zeugen das Geld an den Trucker aus, der den Lastwagen mit der entsprechenden Ladung gefahren hatte. Dieser soll die ihm zustehenden 4000 Euro erhalten, der Rest des Geldes zu gleichen Teilen unter allen Fahrern verteilt werden. Alle seien entschlossen, so lange zu bleiben, bis alle ihr Geld erhalten, versicherte Salimov. «Einer für alle, alle für einen, das ist unser Motto.»

Er hoffe, einen Stein ins Rollen zu bringen, sagte der mittelständische österreichische Unternehmer, der anonym bleiben wollte. Für seinen Kunden sei es höchste Eile, an die durch den Streik blockierten Waren zu kommen. «Da geht es leicht auch um Arbeitsplätze und die Zukunft eines Unternehmens.»

Verständnis hatte der österreichische Spediteur aber auch für den Kampf der Trucker: «Man sollte von seiner Arbeit nicht nur überleben können, sondern seinen Familien auch ein gutes, normales Leben ermöglichen können.» Er zeigte sich erschüttert über die Bedingungen, unter denen die streikenden Fahrer leben, die mehrere Monate in den Führerhäusern ihrer Lastwagen verbringen.

«Wir hoffen, dass das einen Dominoeffekt auslöst», sagte Atema bei einer Streikversammlung in Gräfenhausen. Entsprechende Signale anderer Unternehmen gebe es schon - noch müssten allerdings Taten folgen, vor allem von den großen Generalunternehmen. «Das ist heute ein kleiner Fisch, aber wir brauchen auch die großen Fische», betonte er. Angesichts der Gesamtsumme, die die Fahrer fordern, sei die Bezahlung von 20 000 Euro vielleicht ein kleiner Schritt, «aber strategisch ein wichtiger Schritt», sagte Atema.

Während nach der Geldübergabe viele Fahrer jubelten und so gut gelaunt wie selten seit Streikbeginn wirkten, zog ein Georgier nachdenklich an seiner Zigarette. «Der Rest des Geldes muss erst noch kommen - wir haben es noch lange nicht geschafft», dämpfte er den Optimismus mit Blick auf die feiernden Kollegen.

Bereits im Frühjahr hatten mehr als 60 georgische und usbekische Lastwagenfahrer desselben Unternehmens in Gräfenhausen für ausstehende Löhne gestreikt und hatten am Ende eine Zahlung erreicht. Der damalige Streik hatte auch die Arbeitsbedingungen im internationalen Gütertransport in den Fokus gerückt. Wie damals werden die Fahrer auch diesmal von Gewerkschaften, Kirchen und dem Beratungsnetzwerk «Faire Mobilität» unterstützt.

© dpa ⁄ Eva Krafczyk (Text), Boris Roessler und Andreas Arnold (Fotos)
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