Alternativprogramm statt Katar-WM für Fußballfans

WM schauen oder nicht? Für viele Fußballfans eine schwierige Frage. Einige hessische Kneipen und Vereine haben sich für einen Boykott entschieden. Langweilig soll es aber trotzdem nicht werden.
Ein Kneipenwirt zapft in einer Gaststätte Bier. © Christoph Soeder/dpa/Symbolbild

Filmabend statt Fußball-Übertragung: Mehrere Kneipen, Vereine und Kultureinrichtungen in Hessen veranstalten während der umstrittenen Weltmeisterschaft, die an diesem Sonntag in Katar beginnt, ein Alternativprogramm. Sie setzen unter anderem auf Ausstellungen oder zeigen alte Fußballspiele, andere Sportarten oder Filme.

Deutschlandweit haben sich aktuell rund 200 Kneipen der Aktion «#KeinKatarinmeinerKneipe» angeschlossen. Orte, die sonst während Live-Übertragungen großer Sportevents Tummelplatz für Fans sind, boykottieren die Fußball-WM. Die dahinter stehende Initiative «BoycottQatar2022» zeigt den Kneipen und Fans in einem Ideenkasten auf ihrer Webseite Alternativen zum «TV-Glotzen». Darunter finden sich eigene Fußballturniere, Flohmärkte mit Fanartikeln, sogenannte «Boycott-Runs» oder das Zeigen von Fußballfilmen.

Die Fußball-WM in Katar startet am 20. November, das Finale wird am 18. Dezember ausgetragen. Erstmals wird eine Endrunde im Winter ausgespielt, was bei vielen für Unmut sorgt. Vor allem aber steht das Turnier in der Kritik, weil dem Emirat massive Verletzungen von Menschenrechten, etwa beim Bau der Stadien, vorgeworfen werden.

In Kassel hat sich beispielsweise die Sportsbar «Zum Rauchfang» dem WM-Boykott angeschlossen. Statt Live-Fußball ist neben gemütlichem Beisammensein ohne Fußball hier etwa ein Dartsturnier geplant. «Bei uns bleibt der Fernseher auf jeden Fall aus», sagte ein Mitarbeiter.

Das gilt auch im «Hot Legs» in Kassel. «Der Fußball wird bei uns gar keinen Platz finden», erklärte Inhaber Sascha Lenz. Sonntags zeige die Bar American-Football-Spiele der amerikanischen Liga NFL. An anderen Tagen gebe es ein Live- oder Partyprogramm.

Unabhängig von der Initiative verzichten auch andere Einrichtungen auf ein Public Viewing. «Wir haben bisher alle Turniere, ob EM oder WM, gezeigt. Doch bei der WM in Katar bleibt die Leinwand aus», sagte Florian Haupt, Geschäfsführer des Rüsselsheimer Kulturzentrums «Das Rind». Auch wenn es aus Kapazitätsgründen leider kein geplantes Alternativprogramm gebe, finden sich im Programm zahlreiche Überschneidungen mit der WM. Unter anderem laufen parallel zu WM-Spielen Jazz-Konzerte, eine Karaoke Party sowie ein Kinofilm.

Ein Alternativprogramm während der gesamten WM hat das Kasseler «Fanprojekt Fullestadt» entwickelt. Parallel zum WM-Eröffnungsspiel zwischen Gastgeber Katar und Ecuador beginnt an diesem Sonntag (20.11.) die Wanderausstellung «Flucht, Migration und Fußball». Danach folgen bis zum Finale Vorträge, ein Fußballkonsolen-Turnier oder aktives Fußballspielen unter dem Motto «Selber Kicken statt Katar gucken». Statt des WM-Finales (18.12.) zeigt das Fanprojekt außerdem ein Spiel des KSV Hessen Kassel gegen den FSV Frankfurt aus dem Jahr 2006. Damals sicherte sich Kassel am letzten Spieltag der Saison mit einem knappen 1:0-Sieg gegen Spitzenreiter Frankfurt den Aufstieg in die Regionalliga.

Bei einem alten Fußballklassiker Erinnerungen zu wecken, war auch der Plan des «Fördervereins für Offenbacher Fußballkultur», der die WM ebenfalls boykottiert. «Wir wollten eigentlich das Pokalendspiel von 1970 zeigen, als die Kickers Offenbach den DFB-Pokal gewonnen haben. Davon gibt es aber in keinem Archiv mehr vollständige Aufzeichnungen», sagte Sven Malsy, Vorsitzender des Fördervereins.

Als Alternative entschied sich der Verein für die Polizeiruf-110-Folge «Abseitsfalle», die sich rund um die Kickers Offenbach dreht und genau wie ein Fußballspiel 90 Minuten gehe. Parallel zum Anpfiff des zweiten Vorrundenspiels der deutschen Nationalmannschaft gegen Spanien (27.11) heißt es daher dann «Tatort Offenbach statt Tatort Katar».

© dpa
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