Verlobte von terrorverdächtigem Offizier als Zeugin

02.05.2022 Sie ist Mitglied der Linken, er steht unter Terrorverdacht mit rechtsextremistischem Hintergrund. Nun hat die Verlobte des Bundeswehroffiziers Franco A. ihr anfängliches Schweigen gebrochen.

Die Justitia ist an einer Scheibe am Eingang zum Oberlandesgericht zu sehen. © Rolf Vennenbernd/dpa/Symbolbild

Im Prozess gegen den unter Terrorverdacht stehenden Bundeswehroffizier Franco A. hat am Montag dessen Verlobte ausgesagt. Die 28-jährige, die mit dem jüngsten der drei gemeinsamen Kinder in einer Babytragetasche vor Gericht erschien, hatte am Vormittag zunächst von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch gemacht. Am Nachmittag sagte die schlanke junge Frau im hellen Oversized-Pullover dann aber doch ausführlich aus.

Die Psychologiestudentin und der derzeit vom Dienst freigestellte Bundeswehroffizier sind seit 2016 zusammen - auch wenn schon die erste Begegnung auf einer Geburtstagsfeier klar machte, dass sie bei manchen Themen keinen gemeinsamen Nenner finden. Sie habe ihn «im politisch rechten Spektrum» verortet, sagte die junge Frau, die Mitglied der Linken, wegen des laufenden Verfahrens aber nach eigenen Angaben nicht in der Partei aktiv ist.

Von manchen Aktivitäten ihres Freundes und heutigen Verlobten habe sie gewusst, sagte die Zeugin - etwa von den Vorbereitungen auf einen «Tag X» mit dem Horten von Lebensmitteln, Kleidung oder Benzin. Sie habe es so verstanden, dass A. vor allem wegen eines möglichen Krieges mit Russland so gehandelt habe, aber nicht im Zusammenhang mit Flüchtlingen. «Ich persönlich hielt das damals für äußerst unwahrscheinlich.» Angesichts des Krieges in der Ukraine könne sie jetzt anders darüber denken.

Die Bundesanwaltschaft wirft dem Mann vor, Anschläge auf Politiker geplant zu haben. Der derzeit vom Dienst freigestellte Bundeswehrsoldat legte sich zudem eine falsche Identität als syrischer Flüchtling zu - aus Sicht der Ankläger, um den Verdacht nach einem Anschlag gegen Flüchtlinge zu richten und das Vertrauen in die Asylpolitik zu erschüttern. A. war im Februar 2017 auf dem Wiener Flughafen festgenommen worden, als er eine geladene Pistole aus einem Versteck in einer Flughafentoilette holen wollte. Was er mit der Waffe plante, ist bislang nicht bekannt.

A.'s Verlobte hatte mit ihm im Januar 2017 den Ball der Offiziere in Wien besucht. Dass A. nach einem Abend in mehreren Bars nach eigener Darstellung im Gebüsch die geladene Pistole gefunden habe, sei ihr nicht aufgefallen, sagte sie. Sie könne sich nur schlecht an den Abend erinnern. Erst nach seiner Festnahme habe sie von der Waffe erfahren.

«Glauben Sie diese Geschichte?», fragte der Vorsitzende Richter Christoph Koller. Nach einem kurzen Zögern antwortete die Verlobte: «Ich halte sie nicht für unmöglich, aber ich habe Zweifel.» Weitere Angaben wollte sie unter Berufung auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht nicht machen.

Franco A. war im November 2017 aus der Untersuchungshaft entlassen, im Februar allerdings erneut festgenommen worden. Seitdem sitzt er wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr in Untersuchungshaft. Dabei geht es auch um den Verbleib von drei Waffen. Das Gericht hatte am Montag einen Haftprüfungsantrag abgelehnt. Der Haftbefehl bleibe weiterhin bestehen.

A. habe ihr gesagt, die Waffen seien «nicht mehr zugänglich», sagte die Zeugin. Dass bei der Durchsuchung der Wohnung der Mutter ihres Verlobten mehrere Stich- und Hiebwaffen gefunden worden waren, schien die Frau nicht sonderlich zu beunruhigen - auch nicht mit Blick auf die drei kleinen Kinder. «Die liegen da schon seit Ewigkeiten (unter dem Bett)», sagte sie. Sie glaube auch nicht, dass die Kinder unter das Bett krabbeln würden. Von Nazi-Devotionalien im Besitz von Franco A. habe sie nichts gewusst.

Franco A. folgte den Aussagen seiner Verlobten aufmerksam und konzentriert. Die 28-Jährige klang selbstbewusst während der Vernehmung, als sie ihre aktuelle Situation schilderte: «Das zerstört nicht mein Leben.» Die Vernehmung der Verlobten soll in der kommenden Woche fortgesetzt werden. Dann ist auch die Mutter von Franco A. als Zeugin geladen.

Während einer kurzen Beratung der Vertreter der Bundesanwaltschaft ging A. spontan von seinem Platz auf der Seite der Anklage zu seiner Verlobten im Zeugenstuhl und blickte aufmerksam zu seinem Baby. Eine Familienzusammenführung gab es aber nicht - zwei Justizbeamte eilten der Frau zur Seite. Jedoch gewährte die Zeugin dem Vater den Moment, das Baby zu beobachten.

© dpa

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