Prüfung von documenta-Werken: Kollektiv weist Kritik zurück

24.06.2022 Die Zeit läuft für die Verantwortlichen der documenta fifteen. Nach dem Eklat um antisemitische Bildsprache will Hessens Kunstministerin schon bald Ergebnisse der Überprüfung der Werke sehen. Derweil meldet sich ein Künstlerkollektiv zu Wort und zeigt sich schockiert.

Angela Dorn (Bündni 90/Die Grünen), Ministerin für Wissenschaft und Kunst des Landes Hessen. © Arne Dedert/dpa

Nach dem Antisemitismus-Eklat auf der documenta fifteen bleibt der Druck auf die Verantwortlichen der Weltkunstausstellung hoch. Hessens Kunstministerin Angela Dorn (Grüne) stellte am Freitag rasche Ergebnisse der Überprüfung der ausgestellten Werke in Aussicht. Zugleich wurden weitere Forderungen nach Konsequenzen und Aufarbeitung des Skandals laut. Das Künstlerkollektiv Taring Padi, dessen Bild im Zentrum des Skandals steht, wies Antisemitismus-Vorwürfe zurück.

«Wir haben als Gesellschafter der Leitung der documenta gGmbH den Auftrag erteilt, alle gezeigten Werke im Sinne eines verantwortungsvollen Kuratierens zu überprüfen», erklärte Dorn auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur am Freitag in Wiesbaden. «Diese Prüfung läuft, und wir erwarten, zeitnah über Ergebnisse informiert zu werden.»

Es sei die Aufgabe und die Verantwortung der Generaldirektorin der documenta, Sabine Schormann, aufzuarbeiten, wie es dazu kommen konnte, dass antisemitische Bildsprache auf der Ausstellung zu sehen war, betonte die Kunstministerin. «Aus dem Ergebnis dieser Klärung werden wir weitere Schlüsse für bessere Strukturen und klarere Verantwortlichkeiten zwischen vor allem der Geschäftsführung sowie den Kuratorinnen und Kuratoren sowie auch dem Aufsichtsratsvorsitzenden und den Gremien ziehen können.»

Am Dienstag war das Banner «People's Justice» von Taring Padi wegen antisemitischer Bildsprache abgehängt worden. Das Kollektiv wies den Vorwurf des Antisemitismus zurück und zeigte sich zudem enttäuscht vom Krisenmanagement der documenta-Leitung, wie der «Spiegel» berichtete. «Wir wussten nicht, dass unser altes Bild in Deutschland Gefühle verletzen würde. Es wurde schon oft auf Ausstellungen gezeigt. Wenn wir gewusst hätten, wie die Reaktionen sind, hätten wir es nie aufgehängt», sagten die Künstler dem Nachrichtenmagazin.

«Ich dachte, dass man als Künstler gerade in einem Land wie Deutschland, in dem Meinungsfreiheit herrscht, sich über mehr Grenzen hinwegsetzen darf», sagt Sri Maryanto, ein Kollektivmitglied, das laut «Spiegel» in München lebt und dort studiert hat. Die Ereignisse in Kassel und der Umgang damit seien für das Kollektiv «ein Schock». Und weiter: «Wir sind keine Antisemiten. Wir wissen nicht einmal, wer hier über uns urteilt. Wir lesen es nur in der Zeitung.»

Die Bund-Länder-Kommission zur Bekämpfung von Antisemitismus und zum Schutz jüdischen Lebens erklärte: «Die Feststellung der Verantwortlichkeiten im Umgang mit antisemitischer Bildsprache und anderen judenfeindlichen Inhalten ist dringend notwendig.» Es sei wichtig, «die Versäumnisse und Fehler bei Planung, Vorbereitung und Durchführung der documenta klarzustellen und Konsequenzen zu ziehen».

Derweil hat sich der Kasseler Oberbürgermeister Christian Geselle mit einem Brief an Bundeskanzler Olaf Scholz (beide SPD) gewandt, nachdem dieser erklärt hatte, die Weltkunstausstellung nicht besuchen zu wollen. Der OB halte die Absage Scholz' für unangemessen, da so die documenta «quasi unter Generalverdacht gestellt werde», zitierte die «Hessische/Niedersächsische Allgemeine» einen Rathaussprecher.

Ein Besuch des Bundeskanzlers ist kein fester Bestandteil des documenta-Programms. Scholz hatte mit Blick auf den Antisemitismus-Eklat bei der documenta erklärt, die Weltkunstausstellung nicht zu besuchen. Das Kunstwerk von Taring Padi hatte Scholz über eine Sprecherin als «abscheulich» bezeichnet.

Der Stadt-Sprecher erklärte auch, dass derzeit keine Aufsichtsratssitzung vorgesehen ist. Bei den Sitzungen des Gremiums, dem Vertreter der Gesellschafter Stadt Kassel und Land Hessen angehören, werden üblicherweise auch mögliche strukturelle oder personelle Veränderungen erörtert. Zuletzt hatte es Rücktrittsforderungen gegen die Generaldirektorin der documenta fifteen, Sabine Schormann, gegeben, die aber an ihrem Amt festhält.

Die documenta erklärte am Freitag, man setze sich «sehr ernsthaft mit dem aktuellen Sachverhalt auseinander». Zur genauen Vorgehensweise, etwa bei der Überprüfung der ausgestellten Werke, machte eine Sprecherin keine Angaben und verwies auf die bereits am Vortag veröffentlichten Stellungnahmen.

© dpa

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