Kassenärztliche Vereinigung will Tests nicht abrechnen

Die für die Abrechnung aller Corona-Schnelltests in Hessen zuständige Kassenärztliche Vereinigung (KV) will diese Aufgabe künftig nicht mehr übernehmen. Die neue Test-Verordnung sei über das Knie gebrochen, weder die Akteure noch die Öffentlichkeit seien mitgenommen worden, sagte ein Sprecher der KV-Hessen am Freitag. Was in der neuen Verordnung stehe, sei nicht mehr überprüfbar hinsichtlich Betrügereien. «Wie soll in Arztpraxen überprüft werden, ob ein Testkriterium erfüllt ist und Arztpraxen haben keine Bargeldkassen.» Die Zahlung von drei Euro sei zudem bürokratischer Mehraufwand.
Corona-Schnelltests mit positivem (l) und negativem Ergebnis liegen auf einem Tisch. © Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild

Kostenlose Tests gibt es seit Donnerstag nun nur noch für Risikogruppen und andere Ausnahmefälle. Für Tests etwa für Familienfeiern, Konzerte oder Treffen mit Menschen ab 60 werden drei Euro Zuzahlung fällig. Wer einen solchen Test will, muss unterschreiben, dass er zu diesem Zweck gemacht wird.

Die Kassenärztlichen Vereinigungen bundesweit hatten am Donnerstag in einem Schreiben an Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) erklärt, dass sie Bürgertestungen «zukünftig nicht mehr abrechnen und auszahlen können.» Sie begründeten dies unter anderem damit, dass sie Anspruchsvoraussetzungen noch weniger als schon der Vergangenheit prüfen könnten. Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums erklärte, man gehe davon aus, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen als Körperschaften des öffentlichen Rechts ihrem Auftrag zur Abrechnung und Stichprobenprüfung der Testzentren weiterhin nachkommen werden.

«Ob es weiter Tests gibt, ist nicht unsere Entscheidung», sagte der Sprecher der KV-Hessen. Dies sei Sache des Bundesgesundheitsministeriums. Vielleicht könne ja auch jemand anderes die Abrechnung übernehmen. «Wir können es nicht überprüfen und deswegen können wir auch keine mehr abrechnen.»

Wegen der fälligen drei Euro haben Apotheken in Hessen bereits ihr Testangebote eingestellt. Durch die neue Verordnung sei der Aufwand für die Anbieter höher geworden, hatte der Vorsitzende des Hessischen Apothekerverbandes, Holger Seyfarth, am Donnerstag mitgeteilt. Die drei Euro teuren Testen bedeuteten mehr Dokumentation zu einer geringeren Vergütung. Eine Mehrheit der Apotheken habe aber bereits vor der Verordnung die Bürgertests eingestellt, weil die Nachfrage in den vergangenen Monaten stark gesunken sei.

© dpa
Weitere News
Top News
Reise
Ab Mitte Dezember: Bahn erhöht Preise im Fernverkehr um fast fünf Prozent
Fußball news
Bundesliga: Trainer Urs Fischer verlängert bei Union Berlin
Auto news
Saftige Strafgebühren: BGH: Hohe Maut-Nachforderungen aus Ungarn zulässig
Tv & kino
Streaming: Marilyn Monroe, das Opfer: Biopic «Blond» bei Netflix
Tv & kino
Featured: Tausend Zeilen | Kritik: Besser als jede erfundene Geschichte
Musik news
US-Musikerin: Ein Idol beim Song-Duett: Ashes Ballade mit Diane Keaton
Internet news & surftipps
Computer: Tim Cook: Apple baut Entwicklungs-Standort München aus
Das beste netz deutschlands
Vorsicht Betrugsmasche!: Phishing: Bundesfinanzministerium schreibt keine SMS
Empfehlungen der Redaktion
Regional rheinland pfalz & saarland
Corona-Tests: Apotheker und Kassenärzte kritisieren neue Testverordnung
Inland
Corona: Lauterbach und Kassenärzte einigen sich im Bürgertest-Streit
Regional mecklenburg vorpommern
Pandemie: Schwerins OB kritisiert geänderte Corona-Testverordnung
Inland
Pandemie: Breite Kritik an Corona-Tests gegen Bezahlung
Regional nordrhein westfalen
Pandemie: «Politische Sturzgeburt»: Kritik an neuen Bürgertest-Regeln
Regional berlin & brandenburg
Corona-Tests: Untreue-Verdacht gegen Kassenärztliche Vereinigung
Regional hessen
Kriminalität: Zunehmend Ermittlungen wegen Betrugs mit Corona-Teststellen
Regional nordrhein westfalen
Pandemiebekämpfung: Weiter kostenlose Corona-Tests in Münster