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Cannabis-Clubs in Hessen bereit für Legalisierung

Nach der Sommerpause soll die umstrittene Cannabis-Legalisierung vom Bundestag beschlossen werden, in deutlich abgespeckter Version. Die Vorbereitungen laufen längst, sind inzwischen aber auch von Zurückhaltung geprägt.
Cannabis
Medizinalcannabis liegt in einem Reinraum der Cansativa GmbH in einer Schale. © Sebastian Gollnow/dpa

Gemeinsam Cannabis anbauen - das soll nach der geplanten Legalisierung der Droge in Deutschland bald straffrei in speziellen Vereinen möglich sein. In Hessen stehen mehrere solche Clubs in den Startlöchern. Der Vorsitzende des Red Lion Cannabis Social Clubs Gießen, Tim Barton, berichtet von rund 70 Mitgliedern, die der Verein seit seiner Gründung Mitte Juni gewonnen habe. «Im Fall, dass die Entkriminalisierung im Bundestag beschlossen wird, gehen wir von weit mehr Mitgliedern aus», teilte er mit.

Auch der seit Anfang Juni bestehende Cannabis Social Club in Kassel rechnet mit einem deutlichen Zulauf. Man müsse jedoch die Entwicklung des Gesetzentwurfs abwarten, erklärt Club-Mitglied Dirk Herzog. Der Kasseler Club bestehe seit Anfang Juni und habe bislang rund 170 Mitglieder, viele von ihnen seien älter als 40 Jahre.

Der Dachverband deutscher Cannabis Social Clubs (CSCD) listetet in Hessen bislang fünf entsprechende Vereine auf, außer in Kassel und Gießen auch in Mörfelden-Walldorf, im Rheingau und an der Bergstraße. Dem Gesetzentwurf der Bundesregierung zufolge sollen die Mitglieder in den Clubs Cannabis gemeinschaftlich anbauen und gegenseitig abgeben dürfen. Details dazu sollen genau festgelegt werden. Gekifft werden darf den Plänen zufolge in den Clubs aber nicht.

Dem Kabinettsbeschluss der Ampel-Regierung zufolge soll Cannabis nicht mehr länger als verbotene Substanz gelistet sein, Erwachsenen soll der Besitz von 25 Gramm erlaubt werden. Privat sollen maximal drei Cannabis-Pflanzen angebaut werden dürfen.

Es gibt reichlich Kritik an dem Vorhaben der Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP. Der hessische Justizminister Roman Poseck (CDU) befürchtet etwa, dass der Aufwand für Justiz und Sicherheitsbehörden steigen werde. Erfahrungen in anderen Ländern zeigten, dass der Schwarzmarkt größer und nicht kleiner werde. Es sei zudem mehr als fraglich, ob der Gesetzentwurf konform mit Europarecht sei.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Landtagsfraktion, Jürgen Frömmrich, sieht dagegen «eine notwendige Balance von Entkriminalisierung und Prävention». Die nicht-kommerziellen, legalen Bezugsmöglichkeiten dämmten den Schwarzmarkt ein. «Der in der Realität der Menschen längst stattfindende Konsum wird sinnvoll reguliert und Konsumierende nicht länger kriminalisiert.» Gesundheits-, Jugend- und Verbraucherschutz stünden im Mittelpunkt.

Das Vorhaben muss noch vom Bundestag beschlossen werden, auch der Bundesrat muss sich formal damit befassen. Das Inkrafttreten erwartet die Bundesregierung für Anfang 2024.

Der freie Verkauf in Fachgeschäften ist - obwohl einst vorgesehen - vorerst nicht geplant. Das soll zunächst vereinzelt in Modellprojekten erprobt werden. Als solches wollen sich auch Frankfurt und Offenbach bewerben. Geplant ist laut Frankfurter Gesundheitsdezernat die regulierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene in lizenzierten Geschäften. Dies könne Konsumenten und Konsumentinnen schützen, die Justiz entlasten und den illegalen Drogenhandel reduzieren, sagt die Frankfurter Gesundheitsdezernentin Elke Voitl (Grüne). Konkretere Pläne zur Umsetzung gebe es noch nicht, da der entsprechende Gesetzentwurf erst für den Herbst geplant sei.

Auch bei Cansativa im südhessischen Mörfelden-Walldorf, wo in Deutschland hergestelltes medizinisches Cannabis vertrieben wird, beobachtet man gespannt die Bundespolitik in Berlin. Nach Ansicht von Co-Geschäftsführer Jakob Sons verändert die geplante Legalisierung auch den Umgang mit Medizinalcannabis. Der Verschreibungsprozess werde vereinfacht und die Therapie erleichtert, sagt er. «Das ist ein großer Meilenstein für die Patientenversorgung in Deutschland.»

Sons, der in Kassel aufgewachsen ist, gründete das Unternehmen 2017 gemeinsam mit seinem Bruder Benedikt. «Die Legalisierung eröffnet Raum für öffentlichen Diskurs und Aufklärung, um Vorurteile weiter abzubauen und Wissen in die Gesellschaft zu tragen», ergänzt dieser. Die Brüder erhoffen sich von der geplanten Legalisierung auch deutlichen Rückenwind für ihr Unternehmen.

Alessandro Rossoni, Gründer des Medizin-Cannabisunternehmens Nimbus Health mit Sitz in Offenbach, sieht die Lage der Branche weniger euphorisch: Einige Start-ups steckten in der Bredouille. «In den vergangenen Jahren haben sich viele auf den Weg gemacht in der Hoffnung auf eine Cannabis-Legalisierung wie in den USA und Kanada.» Doch neben «überregulierten Cannabisclubs» und individuellem Eigenanbau bleibe Cannabis vorerst in der Medizin. «Mit der Teillegalisierung bleibt nun der große Wurf aus», sagt Rossoni, dessen Firma Teil des börsennotierten Arzneiherstellers Dr. Reddy's ist und sich auf die Entwicklung von Cannabis-Fertigarzneien konzentriert.

Auch wenn Cannabis von der Liste der verbotenen Substanzen gestrichen werden soll und Ärzte Medizincannabis leichter verschreiben dürfen, bricht damit die Wachstumsstory rund um eine Volllegalisierung vieler Start-ups zusammen.

Rossoni beobachtet verstärkt Insolvenzen und Geschäftsaufgaben. «Viele Cannabis-Unternehmen kamen schon 2021 finanziell in Schieflage und wurden davon gerettet, dass die Legalisierungs-Ankündigung der Bundesregierung im Koalitionsvertrag zu neuen Millioneninvestments führte.» Die Schieflagen seien wegen der langen Wartezeit gewachsen. Weitere Investitionen blieben derzeit aus - auch weil die Zeiten generell schwieriger geworden seien.

Krisensignale sieht Rossoni auch im Alltagsgeschäft: «Seit Jahresbeginn beobachten wir, dass vermehrt Cannabisblüten zu günstigen Preisen und kurz vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums auf den Markt kommen. 2021 gab es so etwas sehr selten.»

© dpa
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