Nach Bayern-Schock: Eintracht will den Supercup holen

Die deftige Heimpleite zum Bundesliga-Auftakt gegen den FC Bayern soll bei Eintracht Frankfurt nicht lange nachwirken. Viel Zeit zum Wunden lecken bleibt auch nicht, wartet mit Real Madrid doch schon der nächste Hochkaräter.
Münchens Sadio Mané (2.v.l.) erzielt das Tor zum 0:3 gegen Frankfurts Torwart Kevin Trapp. © Arne Dedert/dpa

Oliver Glasner richtete den Blick nach einer intensiven Aufarbeitung der bitteren 1:6-Heimpleite zum Bundesliga-Auftakt gegen Bayern München zuversichtlich nach vorn. «Die Analyse war schon sehr ausführlich, wir haben lange darüber gesprochen. Es ist alles abgehakt», berichtete der Trainer von Eintracht Frankfurt am Samstagabend im ZDF-«Sportstudio» und verkündete das selbstbewusste Ziel für den UEFA-Supercup gegen Champions-League-Sieger Real Madrid am kommenden Mittwoch in Helsinki: «Wir wollen diesen Titel nach Frankfurt holen.»

Dafür muss die Eintracht dann aber ganz anders auftreten als gegen die Bayern. «Wir sind in der Realität angekommen», resümierte Sportvorstand Markus Krösche. Kapitän Sebastian Rode drückte das Schock-Erlebnis für den Europa-League-Gewinner in drastischen Worten aus: «Sie haben uns den Arsch aufgerissen.»

Glasner forderte daher: «Wir müssen wieder unsere Basics abrufen.» Die hatten seine Schützlinge am Freitagabend vor 51 500 Zuschauern nach dem frühen 0:2-Rückstand völlig vergessen. Vogelwild rannten die Hessen über den Platz und luden die Bayern zu weiteren Treffern ein. «Wir haben in der ersten Halbzeit viel zu naiv Fußball gespielt. Es gibt ein paar taktische Regeln, die müssen wir einhalten, das haben wir nicht gemacht», monierte Krösche. «Dass wir unbedingt ein Tor machen wollen, ist okay, aber wir müssen dennoch in der Ordnung bleiben und dürfen nicht die Kontrolle verlieren.»

Der Frust über den kollektiven Blackout in der ersten Halbzeit saß auch beim Trainer tief. «Da waren wir mit dem Tempo überfordert, haben keinen Zugriff gehabt und konnten gegen den One-Touch-Fußball nicht ankommen. Wir sind oft nur hinterhergehechelt. Ich konnte das von außen nicht korrigieren», klagte Glasner.

An der nötigen Einstellung mangelte es seinem Team nicht, dafür aber an der taktischen Disziplin. «Ich habe viel Leidenschaft gesehen, aber auch viel Naivität», bilanzierte Glasner. «Die Bayern waren uns klar überlegen, aber wir haben ihnen auch in die Karten gespielt.»

Das gilt es jetzt schnell abzuhaken. «Wir sehen, wenn wir nicht bei 100 Prozent sind und uns nicht an die taktischen Vorgaben halten, kommt so ein Ergebnis heraus. Die Jungs müssen kontrollierter, ruhiger und cleverer agieren», forderte Krösche. Gegen Real will die Eintracht nun ihr wahres Gesicht zeigen. «Da haben wir die Gelegenheit, es gegen einen ähnlich starken Gegner besser zu machen», sagte Glasner.

Der Pleite gegen die Bayern konnte er zumindest einen positiven Aspekt abgewinnen. «Manchmal ist es ganz gut, gleich einen Nackenschlag zu bekommen, damit nicht jeder denkt, dass es so weiter geht wie vergangenes Jahr», sagte der 47 Jahre alte Österreicher und kündigte trotzig an: «Wir werden unsere Lehren daraus ziehen. Obwohl wir 1:6 verloren haben, wollen wir gegen Real den Supercup gewinnen.»

© dpa
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