documenta öffnet für Fachpublikum

Künstlerkollektive statt großer Namen, eine gemeinschaftlich genutzte Reisscheune als Leitmotiv, Antisemitismus-Vorwürfe im Vorfeld. Die documenta fifteen verspricht spannend und anders als ihre 14 Vorgänger zu werden. Kassel stehen 100 Tage Ausnahmezustand bevor.
Ein Mann überpinselt die Säulenböden des Fridericianums mit frischem Weiß. © Uwe Zucchi/dpa

Mit der documenta fifteen verwandelt sich Kassel wieder in ein wichtiges Zentrum der Kunstwelt. Am heutigen Mittwoch beginnen in der nordhessischen Stadt die sogenannten Preview-Tage der neben der Biennale in Venedig bedeutendsten Präsentation von Gegenwartskunst. Fachbesucher und Journalisten haben drei Tage Zeit, die Schau zu erkunden, bevor sie am Samstag offiziell für 100 Tage öffnet.

Die documenta findet alle fünf Jahre statt. Die 15. Ausgabe wurde von dem indonesischen Künstlerkollektiv Ruangrupa gestaltet. Die Gruppe will die indonesische Lumbung-Architektur in den Fokus stellen. «lumbung» ist in dem Inselstaat das Wort für eine gemeinschaftlich genutzte Reisscheune, in der die überschüssige Ernte zum Wohle der Gemeinschaft gelagert wird. Diese Tradition des Teilens will Ruangrupa auf die Weltkunstausstellung in Kassel übertragen.

Zum Auftakt der documenta fifteen werden an diesem Mittwoch um 11.00 Uhr mehr als tausend Journalisten zu einer Pressekonferenz erwartet. Insgesamt haben sich nach Angaben der Organisatoren über 7000 Fachbesucher aus aller Welt angekündigt. Ab 10.00 Uhr ist die Ausstellung zugänglich. 14 Kollektive, Organisationen und Institutionen sowie 54 Künstlerinnen und Künstler präsentieren ihre Werke an 32 Standorten.

Statt auf Stars mit großen Namen setzt Ruangrupa vor allem auf Kollektive und Organisationen aus aller Welt. Unter den Teilnehmern ist etwa eine dänische Organisation, die Geflüchtete mit Rechtsberatung und Sprachkursen unterstützt, eine Gruppe aus Bangladesch, die sich um Müllvermeidung bemüht, sowie Bienenzüchter aus Kassel.

Was zu sehen sein wird? Sehr viel «lumbung», kündigte documenta-Generaldirektorin Sabine Schormann kürzlich an. Die Besucherinnen und Besucher erwarte eine vielfältige, experimentelle, auf kollektiven Prozessen aufbauende Schau. «Man wird die documenta fifteen als einen sinnlichen Ausstellungsbesuch mit - unter anderem - Malerei, Installationen, Filmen oder auch Musik und Performance erleben können.»

Überschattet wird die documenta fifteen von einer Antisemitismus-Debatte. Ein Bündnis warf Ruangrupa zu Beginn des Jahres vor, bei der Schau seien auch Organisationen eingebunden, die den kulturellen Boykott Israels unterstützten oder antisemitisch seien. Ruangrupa und die documenta wiesen die Anschuldigungen entschieden zurück. Später schaltete sich auch der Zentralrat der Juden in Deutschland ein. Eine zur Beruhigung gedachte Diskussionsreihe wurde abgesagt. Seither ringen die Beteiligten bis hin zu Kulturstaatsministerin Claudia Roth um eine Balance zwischen «Antisemitismus hat keinen Platz auf der documenta», «Kunstfreiheit ist ein zentraler Punkt» und «Herkunft allein kann nicht bestimmend sein, was gezeigt wird und was nicht».

Dem Besucherinteresse tut die Debatte offenbar keinen Abbruch: 54.000 Tickets wurden nach Angaben der documenta schon vorab verkauft. Das Tagesticket kostet 27 Euro. Zur Eröffnung am Samstag haben sich unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Hessens Ministerpräsident Boris Rhein sowie der Botschafter der Republik Indonesien, Arif Havas Oegroseno, angekündigt. Die documenta fifteen ist bis zum 25. September geöffnet.

© dpa
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