Weniger Arbeitslose in Hessen im November

Auf Hessens Arbeitsmarkt sind viele Menschen lange arbeitslos und gleichzeitig Zehntausende Stellen unbesetzt. Ob sich mit neuen Vermittlungsgrundsätzen beim Bürgergeld etwas ändert, ist umstritten.
Die Zentrale der Bundesagentur für Arbeit. © Daniel Karmann/dpa/Symbolbild

Die Zahl der Arbeitslosen in Hessen ist im November den dritten Monat in Folge gesunken. Allerdings fiel die im Herbst übliche Belebung schwächer aus als in den Jahren zuvor. Zum Stichtag 14. November waren 167.001 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet, wie die Regionaldirektion der Arbeitsagentur am Mittwoch berichtete. Das waren gut 1800 weniger als im Oktober, aber fast 8900 Menschen mehr als vor einem Jahr. Die Quote blieb zum Vormonat unverändert bei 4,9 Prozent. Vor einem Jahr betrug sie 4,6 Prozent.

Der Arbeitsmarkt zeige sich weiter stabil, bewertete Direktionschef Frank Martin die Lage. Die Belebung sei im November saisonüblich, weil junge Menschen noch eine Ausbildung begonnen hätten und es in der Vorweihnachtszeit zahlreiche zusätzliche Jobmöglichkeiten gebe. Der Anstieg im Vergleich zum Vorjahr liege vor allem an der Zuwanderung ukrainischer Frauen und Jugendlicher seit Kriegsausbruch. Auch hier seien erste Erfolge zu verzeichnen, denn rund 220 Betroffene seien im vergangenen Monat in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt worden.

Die Arbeitsagenturen kennen trotz eines leichten Rückgangs mehr als 52.000 unbesetzte Stellen. Etwa jede fünfte ist eine Helferstelle. Trotz Energiekrise, Ukraine-Krieg und den Corona-Nachwirkungen entwickelten sich die Beschäftigtenzahlen positiv, stellte Martin fest. Die Arbeitgeber sprechen sogar von mehr als 115.000 benötigten Arbeitskräften.

Mit der Einführung des Bürgergelds zum Jahreswechsel ändern sich die Vorschriften für die Jobcenter im Umgang mit den Arbeitslosen. Der DGB Hessen-Thüringen begrüßte die stärkere Ausrichtung auf Weiterbildung und den Qualifizierungsbonus von monatlich 150 Euro für die Betroffenen. Es sei richtig, den Vermittlungsvorrang in prekäre Arbeit aufzuheben und so Langzeitarbeitslosen nachhaltige Perspektiven zu eröffnen, erklärte Bezirkschef Michael Rudolph. Gleichzeitig sei es falsch, den Jobcentern 200 Millionen Euro für Weiterbildung und Vermittlung zu streichen.

Die Vereinigung hessischer Unternehmerverbände hält hingegen nur einen Teil der Langzeitarbeitslosen für willig und fähig zu Qualifikation. «Die anspruchsvolle Aufgabe der Jobcenter in Hessen ist es, diejenigen noch besser zu identifizieren, die sich qualifizieren können und wollen. Alle anderen müssen weiter so rasch wie möglich in Arbeit vermittelt werden», erklärte Hauptgeschäftsführer Dirk Pollert. Die Abschaffung des Vermittlungsvorrangs sollte daher rückgängig gemacht werden.

© dpa
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