Arbeitslosenzahl mit Ukraine-Flüchtlingen leicht gestiegen

30.06.2022 Die Corona-Krise lässt der hessische Arbeitsmarkt hinter sich. Doch Geflüchtete aus der Ukraine heben die Arbeitslosenzahlen leicht an. Dennoch bleibt die Regierung optimistisch.

Das Logo der Arbeitsagentur © Peter Steffen/dpa-tmn/Symbolbild

In Folge des Ukraine-Kriegs ist in Hessen die Zahl der Arbeitslosen im Juni erstmals seit Monaten wieder gestiegen. Zum Stichtag am 13. Juni hatten sich 158 975 Menschen arbeitslos gemeldet, wie die Regionaldirektion der Arbeitsagentur am Donnerstag in Frankfurt berichtete. Das waren rund 6300 Menschen mehr als im Mai und rund 18 700 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote stieg in der Monatsfrist um 0,2 Punkte auf 4,6 Prozent.

Die vor dem Krieg Geflüchteten mussten sich im Juni erstmals bei den Jobcentern melden. Direktionschef Frank Martin rechnet daher mit einem Anstieg der Zahlen in den nächsten Monaten. «Eine schnelle Integration in den Arbeitsmarkt ist wünschenswert, aber fehlende Sprachkenntnisse und Kinderbetreuungsplätze werden den Prozess sicherlich verlangsamen», sagte Martin laut einer Mitteilung. Der Arbeitsmarkt zeige sich weiterhin stabil und der Bedarf an Arbeitskräften in Hessen bleibe groß, so dass gute Chancen bestünden, Menschen und Arbeit zusammenzubringen.

Derzeit kommen von den etwa 90 200 Arbeitslosen in Hessen ohne deutschen Pass etwa 5 Prozent aus der Ukraine, das sind rund 7900 Menschen. Fast alle sind auf Leistungen der Grundsicherung angewiesen, mehrheitlich handelt es sich um Frauen im Alter zwischen 25 und 55 Jahren.

In Hessen können nach Angaben der Arbeitgeber rund 120 000 Stellen nicht besetzt werden. Neben einer besseren Ausschöpfung des inländischen Potenzials forderte die Vereinigung hessischer Unternehmerverbände (VhU) schnellere Behördenarbeit bei der Fachkräftezuwanderung und die Abschaffung der abschlagsfreien Frührente. «Nicht Arbeitslosigkeit, sondern Arbeitskräftelosigkeit wird zur arbeitsmarktpolitischen Herkulesaufgabe der kommenden Jahre», sagte VhU-Hauptgeschäftsführer Dirk Pollert. Viele Betriebe müssten bereits aus Personalmangel Aufträge ablehnen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund Hessen-Thüringen kritisierte hingegen die Diskussion um einen sozialen Pflichtdienst. Stattdessen müsse man für eine attraktivere Ausbildung sorgen. Sie sei der beste Weg zur Fachkräftesicherung, erklärte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Renate Sternatz. Auszubildende bräuchten Planungssicherheit und müssten von ihrer Vergütung leben können, «gerade auch in Krisenzeiten.»

© dpa

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