documenta-Streit: Forderungen von Dialog bis zur Schließung

30.06.2022 Gespräche mit Vetretern jüdischer Gemeinden sollen den documenta-Skandal in konstruktive Bahnen lenken. Gleichzeitig kritisiert Hessens Kunstministerin aber die Form, die der Streit um die Verantwortlichkeiten inzwischen angenommen hat.

Besucher stehen vor dem Museum Fridericianum auf der documenta fifteen. © Swen Pförtner/dpa

Während der Streit um die Verantwortlichkeiten bei der documenta weitere Wellen schlägt, sollen Gespräche von Hessens Kunstministerin mit Vertretern jüdischer Gemeinden die Aufarbeitung des Antisemitismus-Skandals voranbringen. «Wir haben unseren Standpunkt sehr deutlich gemacht, dass es nun nach der allgemeinen ersten Empörung auch personelle Konsequenzen geben muss», teilte der Vorstandsvorsitzende der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, Salomon Korn, am Donnerstag mit. Zuvor fand am Dienstag ein Treffen der Vorstände des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden Hessens und der Jüdischen Gemeinde Frankfurt mit Kunstministerin Angela Dorn (Grüne) statt.

Dorn sagte der dpa am Donnerstag, ihre Priorität sei es derzeit, «Gespräche zu führen, unter anderem mit Vertretern der jüdischen Gemeinden in Hessen und des Zentralrates der Juden, und die Aufarbeitung der Verantwortlichkeiten innerhalb der documenta gGmbH voranzubringen». Gleichzeitig kritisierte sie den Streit von Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) und Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) über die Verantwortlichkeiten bei der documenta.

«Es braucht aktuell ein Wirken beider Gesellschafter in Kooperation mit dem Zuwendungsgeber des Bundes, die der Bedeutung der documenta als einer der wichtigsten Kunstausstellungen der Welt gerecht werden und der Tatsache Rechnung tragen, dass hier üble antisemitische Bildsprache zu sehen war», erklärte Dorn, die stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der documenta ist.

Nachdem ein als antisemitisch eingestuftes Kunstwerk auf der documenta in Kassel abgebaut worden war und es bereits seit Monaten Antisemitismus-Vorwürfe gegen das indonesische Kuratorenkollektiv Ruangrupa gegeben hatte, forderte Roth mehr Einfluss der Bundesregierung auf die Schau. Sie droht, andernfalls den Geldhahn zuzudrehen. Während die stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Dorn die Forderungen Roths unterstützt, lehnt der Aufsichtsratsvorsitzende, Kassels Oberbürgermeister Geselle, sie vehement ab. In einem Brief an Roth zeigte er sich «stark irritiert» von deren Verhalten und kündigte an, notfalls auf die finanzielle Unterstützung Berlins zu verzichten.

Dorn sagte, ihr fehle auch deshalb das Verständnis dafür, «wie einige die Debatte über die dringend nötige bessere Aufstellung der documenta-Gremien jetzt führen», weil sich das Land Hessen und die Stadt Kassel als Gesellschafter schon nach der documenta 14 im Jahr 2017 einig darüber gewesen seien, zusätzlich zu den eigenen Vertretern auch bundesweite und internationale Expertise in den Aufsichtsrat einzubeziehen. «Auch Herr Geselle hatte sich der Sicht angeschlossen, dass sich die Rolle der documenta als eine der weltweit bedeutendsten Kunstausstellungen im Aufsichtsrat widerspiegeln muss.»

Es brauche eine ernsthafte Beschäftigung damit, warum die Bilder gezeigt werden konnten und wie in Zukunft dafür gesorgt wird, dass die documenta nicht von weiteren antisemitischen oder anderen menschenfeindlichen Ausfällen überschattet werde.

Die Verantwortlichen, allen voran die documenta-Generaldirektorin Sabine Schormann, hätten grob fahrlässig gehandelt und nach Bekanntwerden des antisemitischen Eklats durch relativierende Äußerungen wenig Einsicht bewiesen, sagte Korn von der Jüdischen Gemeinde Frankfurt. «Nun gilt es die Versäumnisse aufzuarbeiten, damit so etwas nie wieder passieren kann.»

Die AfD-Fraktion im Hessischen Landtag forderte derweil erneut, die documenta sofort zu schließen und erst nach einer gründlichen Überprüfung wieder freizugeben. «Solange die Gefahr besteht, dass auf der documenta Kunstobjekte mit antisemitischen Aussagen gezeigt werden und sie damit zur Bühne für antijüdische Ressentiments degradiert wird, darf sie ihre Pforten nicht noch einmal öffnen», sagte der kulturpolitische Sprecher der Partei, Frank Grobe, laut Mitteilung.

© dpa

Weitere News

Top News

Champions league

Supercup: Wunderreise vorbei: Frankfurt verliert gegen Real Madrid

People news

US-Komiker: Comedy-Ikone Steve Martin denkt über Karriereende nach

Das beste netz deutschlands

Featured: Digital Demo Day 2022: Vodafone UPLIFT ist bei der Messe für Start-ups dabei

Auto news

ADAC: Spritpreise: 12 Cent Unterschied zwischen Morgen und Abend

Tv & kino

Featured: Unsere Streaming- und GigaTV-Tipps fürs Wochenende

Familie

Tee-Trend Cold Brew: Kräutertee nicht mit kaltem Wasser aufgießen

Tv & kino

Featured: Nope: Das Ende und die Bedeutung des Sci-Fi-Horrors erklärt

Internet news & surftipps

Wegen Streit mit Twitter: Musk verkauft so viele Tesla-Aktien wie noch nie

Empfehlungen der Redaktion

Regional hessen

Antisemitismus-Skandal: documenta: Forderungen reichen von Dialog bis Schließung

Regional hessen

Kunstministerin: documenta: Dorn kritisiert Art der Auseinandersetzung

Regional hessen

Kunstministerin: Dorn weist Vorwürfe gegen documenta zurück

Eilmeldungen

Kunstschau: documenta: Rufe nach Strukturreform werden lauter

Regional hessen

Kunstausstellung: documenta: Die Rufe nach Strukturreform werden lauter

Eilmeldungen

Kunstschau: documenta-Eklat im Bundestag

Regional hessen

Oppositionskritik: Ministerin: Expertengremium für documenta

Regional hessen

Bundestag: documenta-Eklat: CDU will Untersuchungskommission