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«Wasserdichtes Alibi»: Freispruch im Mordprozess

Gemeinsam mit einem Komplizen soll sie einen gut 30 Jahre älteren Mann ermordet haben. Deshalb sitzt sie gut ein halbes Jahr im Gefängnis, steht wegen Mordes vor Gericht. Nun haben die Richter ein eindeutiges Urteil gefällt.
Freispruch für 38-Jährige
Die Angeklagte (M) und ihre Anwältinnen gehen zum Gerichtssaal im Strafjustizgebäude. © Christian Charisius/dpa

Dank der Aussage einer Zeugin ist eine wegen Mordes an einem Senior angeklagte 38-Jährige vom Landgericht Hamburg freigesprochen worden. Die Richter sahen es als klar erwiesen an, dass die Angeklagte den 69 Jahre alten Mann nicht getötet haben kann - weil sie nicht am Tatort war. Stattdessen habe sie mehrere Stunden in einem Hostel geputzt, wie die Zeugin vor Gericht ausgesagt hatte.

«Dieses Alibi ist tatsächlich wasserdicht. Die Angeklagte war nicht die Täterin», sagte der Vorsitzende Richter am Montag in Hamburg in seiner Urteilsverkündung. «Die Hauptentlastungszeugin hat durch einen schlüssigen Auftritt vor Ort Klarheit in die Aktenlage gebracht», sagte er weiter. Deren Aussage bezeichnete er als «Game-Changer», also als etwas, das den Blick auf die Dinge radikal geändert hat.

Der seit Oktober 2021 in Deutschland lebenden Kolumbianerin wurde von der Staatsanwaltschaft zunächst vorgeworfen, den Spanier im Mai 2022 in dessen Wohnung in Hamburg aus Habgier gemeinsam mit einem Komplizen getötet zu haben. Er erlitt mehrere Rippenbrüche, erhebliche Verletzungen an Hals und Kopf und auch Spuren von Fußfesseln wurden gefunden. Letztlich erstickte der Mann. Gefunden wurde er halb entkleidet in seinem Bett liegend. Auf ein Kopfkissen gebettet.

Ermittler hatten die DNA der Angeklagten in der Wohnung und an dem Toten gefunden, einem Gerichtssprecher zufolge auch unter den Fingernägeln des Opfers. Deshalb war sie im Dezember 2022 festgenommen worden. Die DNA war dem Verteidigerteam - das dazu eigenen Angaben zufolge ein privates Gutachten erstellen ließ - zufolge jedoch wohl schon Tage vor der Tat in die Wohnung gelangt, als die Frau sich wegen einer Stelle vorstellt und dafür auch gebügelt hatte. Die 38-Jährige war zum Zeitpunkt der Tat hochschwanger. Ihr Sohn kam Ende Juli 2022 auf die Welt.

Nicht alle Fragen wurden von dem Verfahren klar und eindeutig beantwortet. Der Vorsitzende Richter selbst ordnete die Spuren- und Beweislage des Ermittlungsverfahrens als «diffus» ein. Zudem sei es schwierig gewesen, den Tatzeitpunkt konkreter einzuschränken - es blieb eine Zeit zwischen etwa 12.00 und etwa 17.00 Uhr.

Auch ob, wo und wie sich die Angeklagte tatsächlich Tage vorher mit dem 69-Jährigen wegen einer Stellenausschreibung getroffen hat, «ist unklar», so der Richter weiter. Die Angeklagte selbst hat sich dazu weder vor Gericht noch im Ermittlungsverfahren geäußert. «Sie hat geschwiegen und das ist ihr gutes Recht».

Das Verteidigerinnenteam kritisierte nach dem Urteil die strafverfolgenden Behörden. «Alle Indizien, die jetzt zu dem Freispruch geführt haben, lagen spätestens im Februar schon vor», sagte Anwältin Fenna Busmann. Ihre Mandantin hätte deshalb erst gar nicht so lange von ihren Kindern getrennt werden müssen.

Die Aussage der Kollegin im Hostel, die auch bereits im Haushalt des Opfers gearbeitet hat, hatte Ende Juli zur Entlassung der 38-Jährigen aus der Untersuchungshaft geführt. Seit ihrer Inhaftierung hat die Angeklagte ihre Kinder, darunter den Säugling, nur selten gesehen. Nun lebt sie mit dem jüngsten wieder zusammen. Sowohl Verteidigung als auch Staatsanwaltschaft hatten in ihren Plädoyers einen Freispruch für die Angeklagte gefordert.

«Das Urteil ist frustrierend für die Angehörigen des Opfers. Aber es ist das richtige Urteil», sagte Sabine Marx, Anwältin der Nebenklage. Gleichzeitig ist auch sie davon überzeugt, dass die Ermittlungen nicht optimal gelaufen sind. Es gebe durchaus Verdachtsmomente mit anderen Personen, denen bis jetzt meiner Meinung noch nicht ausreichend nach gegangen wurde. «Ich glaube, man hätte auch im Umfeld des Opfers weiter ermitteln können.»

Auch der Vorsitzende Richter beschrieb den Freispruch deshalb als «etwas beängstigend». «Damit ist auch klar, dass jetzt - 15 Monate nach der Tat - sicher feststeht: Der Täter oder die Täterin sind noch auf freiem Fuß.»

Die Angeklagte soll für die 218 Tage in Haft entschädigt werden. Etwa 16 000 Euro stehen ihr damit zu. Zum Abschluss der Urteilsverkündung fand der Vorsitzende Richter klare Worte: «Ich möchte noch einmal betonen, dass es mir leid tut, dass die Angeklagte letztlich mehrere Monate unschuldig in Haft saß. Das tut mir sehr leid.»

© dpa ⁄ Christiane Bosch, dpa
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