HVV hofft nach 9-Euro-Ticket auf neue, attraktive Angebote

Das 9-Euro-Ticket war ein Verkaufsschlager. Völlig offen ist jedoch, wie es weitergeht. Steigen viele Nutzer wieder um und fahren Auto? Gibt es neue Angebote, die Menschen dauerhaft an Bus und Bahn binden?
Ein Linienbus des Hamburger Verkehrsverbund (HVV) fährt auf dem Deich an der Elbe. © Christian Charisius/dpa

Nach dem millionenfachen Verkauf des 9-Euro-Tickets setzt der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) auf neue Angebote, um mehr Menschen dauerhaft an den öffentlichen Nahverkehr zu binden. «Ich hoffe, dass wir den Schwung mitnehmen und aus den Erfahrungen mit dem 9-Euro-Ticket weitere attraktive Angebote ableiten werden», sagte die Geschäftsführerin des Verbundes, Anna-Theresa Korbutt, am Montag in einer ersten Bilanz der vom Bund mit 2,5 Milliarden Euro bundesweit finanzierten Sonderaktion. «Diese müssen einfach und unkompliziert sein, die Menschen finanziell entlasten und damit gleichzeitig den Klimawandel maßgeblich voranbringen.»

Mit neuen Angeboten, die zunächst allerdings bei weitem nicht so günstig sind wie das 9-Euro-Ticket, will der HVV ab September weiter neue Kunden in Bus und Bahn locken. Zum Beispiel gibt es eine neue 5er-Tageskarte, die flexibel innerhalb von 30 Tagen genutzt werden kann. Außerdem gibt es bis Mitte September ein «Flex-Abo», bei dem die Zeit bis zum 1. Oktober gratis ist. Und Abokunden können im September fast die gesamte Zeit über unabhängig vom Geltungsbereich der Karte den HVV-Gesamtbereich nutzen.

Verkehrsunternehmen fordern ebenso wie die Bundesländer eine Nachfolgeregelung für das 9-Euro-Ticket. Hamburgs rot-grüner Senat setzt in der Diskussion darum auf eine bundesweite Lösung. Aus Sicht der Opposition in der Hamburger Bürgerschaft ist nun aber auch der Senat gefragt. Der Erfolg des 9-Euro-Tickets müsse für die Regierung des Stadtstaates ein «Weckruf» sein, sagte der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Richard Seelmaecker. «Wir benötigen in unserer Stadt eine Ausbau- und Preisoffensive für den ÖPNV.» Seine Partei fordere etwa seit Jahren ein 365-Euro-Jahresticket in Hamburg.

Die verkehrspolitische Sprecherin der Linken, Heike Sudmann, verlangte derweil Preissenkungen im HVV. «Diesen Schritt kann und muss der Senat losgelöst von einer Entscheidung des Bundes zur Nachfolge des 9-Euro-Tickets gehen.» Die Fahrpreise müssten aus umwelt-, aber auch sozialpolitischen Gründen sinken. «Die mauen Nachfolgeangebote des HVV reichen nicht», sagte Sudmann. Die AfD kritisierte vor allem, dass Pendler einen hohen Preis für die Attraktivität des 9-Euro-Tickets zahlen mussten. «Dichtes Gedränge, heillos überfüllte und verspätete Bahnen waren der Regelfall. Die derzeitige Infrastruktur ist nicht auf diese Massen vorbereitet», sagte der AfD-Fraktionschef Dirk Nockemann.

Die Sonderaktion sollte bundesweit Pendler angesichts hoher Energiepreise entlasten. Zudem sollte sie Werbung für einen Umstieg auf Busse und Bahnen machen. Im Hamburger Verkehrsverbund (HVV) wurden insgesamt rund 3,5 Millionen 9-Euro-Tickets verkauft. In jedem der drei Monate Juni, Juli und August, in denen die staatlich finanzierte Sonderaktion lief, kauften demnach mehr als eine Million Kunden das vergünstigte Ticket, wie ein HVV-Sprecher am Montag in Hamburg berichtete. Zudem profitierten 680.000 Abonnentinnen und Abonnenten, die während der Aktion ebenfalls nur 9 Euro für ihre Dauerkarte zahlen mussten.

Die Zahl der Fahrgäste in Bussen, Bahnen und Fähren im HVV habe im Sommer erstmals wieder auf dem Niveau des Vor-Corona-Jahres 2019 gelegen, im Juni vor Beginn der Ferienzeit sogar leicht darüber, berichtete der Verkehrsverbund weiter. Einen großen Anteil an diesem Aufwärtstrend schreibt der HVV dem 9-Euro-Ticket zu. In den Verkaufszahlen des HVV sind alle Vertriebsstellen enthalten, die im Verbundgebiet Fahrkarten verkaufen, inklusive der Deutschen Bahn, die bei früheren Verkaufsbilanzen des Verbundes noch nicht mitgezählt wurde.

Regelmäßigen Umfragen unter Nutzern zufolge hat mehr als jeder Zweite (54 Prozent) unter den 9-Euro-Ticket-Käufern seit dem Beginn der Sonderaktion das eigene Auto seltener genutzt. «Für 12,3 Prozent der Fahrten wäre ohne das 9-Euro-Ticket nicht der HVV, sondern der Pkw genutzt worden. Dies entspricht einer Einsparung von sechs Millionen verlagerten Fahrten pro Aktionsmonat», so der Verkehrsverbund.

«Das 9-Euro-Ticket hat uns gezeigt: Immer mehr Menschen sind bereit, ihr Mobilitätsverhalten zu verändern, mehr mit Bussen und Bahnen unterwegs zu sein und den Pkw stehen zu lassen - wenn Angebot und Preisgestaltung stimmen», sagte Korbutt. Laut den Umfragen sind die Käuferinnen und Käufer des Tickets mehrheitlich bereit, auch mehr für die Fahrkarte zu bezahlen. Offen ist laut HVV-Sprecher bislang, ob der Verbund das 9-Euro-Ticket in eine steigende Zahl von Abo-Kunden ummünzen kann.

© dpa
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