Haftstrafe für Chef von «Koks-Taxi» - Tränen im Gerichtssaal

Bestellt wurde per Handy. Dann lieferte das «Koks-Taxi» Kokain, Amphetamine und Cannabis frei Haus. Der florierende Drogenhandel kommt jetzt trotz Geständnis fünf Männer teuer zu stehen. Der Chef schluchzte.
Die Justitia ist an einer Scheibe am Eingang zum Oberlandesgericht zu sehen. © Rolf Vennenbernd/dpa/Symbolbild

Für einen von ihm organisierten Drogenlieferdienst per «Koks-Taxi» muss der Chef einer Drogenbande sechs Jahre ins Gefängnis. Das verkündete der Vorsitzende Richter Carsten Tepp am Mittwoch am Landgericht Kiel. Gegen drei ebenfalls wegen bandenmäßigem unerlaubten Drogenhandels Mitangeklagte verhängte das Gericht Haftstrafen von drei Jahren und zehn Monaten, drei Jahren sowie eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten.

Der 26 Jahre alte Hauptangeklagte nahm das Urteil mit einem Tränenausbruch auf. Er war in der Untersuchungshaft Vater geworden. Auch seine Frau, die bei der Urteilsverkündung im Gerichtssaal saß, weinte, als das Gericht die beantragte vorübergehende Aussetzung des Haftbefehls verweigerte - wegen weiter bestehender Fluchtgefahr.

Der Staatsanwalt zeigte sich mit Urteil zufrieden. Er hatte für den 26-Jährigen sechseinhalb Jahre beantragt. Der Verteidiger, der eine Haftstrafe unter sechs Jahren forderte, erwägt Haftbeschwerde.

Ebenso wie die Anklage ging die Strafkammer davon aus, dass der 26-Jährige als Chef der Drogenbande von April bis Dezember 2021 in Hamburg Kokain, Amphetamine, Cannabis und Ecstasy einkaufte und den Drogenhandel im Kreis Segeberg per «Koks-Taxi» organisierte. Die Bestellungen der Kunden gingen per WhatsApp per Handy ein, geliefert wurde frei Haus. Bei dem 26-Jährigen sollen rund 180.000 Euro Gewinn eingezogen werden.

Die dem Hauptangeklagten im Urteil zur Last gelegte Drogenmenge betrug laut Staatsanwalt etwa 900 Gramm Kokain, acht Kilogramm Marihuana, drei Kilogramm Amphetamine sowie 400 Ecstasy-Tabletten. Alle Männer hatten umfassend gestanden. Strafmildernd berücksichtigte das Gericht unter anderem auch die schwierigen familiären Bedingungen des depressiven Hauptangeklagten sowie schwere Schicksalsschläge der Mitangeklagten, etwa durch eine unberechtigte Inhaftierung.

Das Gericht und Staatsanwalt Florian Müller-Gabriel äußerten ihr Erstaunen über ein Urteil des Hamburger Landgerichts vom Vortag. Dabei wurde der Hauptangeklagte, ebenfalls ein 26-Jähriger, zu vier Jahren Haft verurteilt. Er kaufte demnach zwischen April 2020 und Februar 2022 wöchentlich ein Kilo Kokain und organisierte den Verkauf ebenfalls per «Koks-Taxis». Sein Gewinn lag dabei in Millionenhöhe.

© dpa
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