Spediteure sehen sich im Streit mit den Container-Reedereien

Hamburgs Spediteure sind auf Container-Reedereien derzeit nicht gut zu sprechen. Diese wollten deren Geschäft übernehmen, kauften mit märchenhaften Gewinnen Speditionen auf und kündigten Verträge. Die Spediteure wähnen sich deshalb inzwischen im Krieg.
Ein Containerschiff liegt im Hafen und wird entladen. © Daniel Bockwoldt/dpa/Symbolbild

Im Kampf um ihre Kundschaft sehen sich Hamburgs Spediteure mittlerweile im heftigen Konflikt mit den Container-Reedereien. Er wundere sich, «dass die Reedereien diesen Krieg gegen uns Spediteure führen», sagte Willem van der Schalk, Vize-Vorsitzender des Vereins Hamburger Spediteure, am Montag. Denn eigentlich müssten die Reedereien die Speditionen doch als verlängerten Arm ihrer eigenen Verkaufsabteilungen betrachten. Doch stattdessen kündigten sie Verträge, kauften mit ihren immensen Gewinnen selbst Speditionen auf und straften Kunden, die mit bestimmten Spediteuren arbeiteten, mit Extra-Gebühren ab. Hinzu komme, dass etliche Reedereien nur noch auf ihre Online-Plattformen verwiesen und telefonisch kaum noch zu erreichen seien.

Die Spediteure seien jederzeit gesprächsbereit, betonte van der Schalk. Bei den Reedereien sehe das jedoch anders aus. «Man will diesen Dialog mit uns gar nicht.» Dabei könne es mittelfristig durchaus sein, dass sich vor allem mittelständische Spediteure neue Lieferketten suchten und die Groß-Reedereien damit weniger Fracht erhielten, wenn sie 2023/2024 neue Containerschiffe in Betrieb nähmen. «Dann kommen wir wieder in eine Situation, wo der Reeder auf uns angewiesen ist», sagte van der Schalk. Er räumte jedoch ein, dass das die aktuellen Probleme nicht löse.

Der Verband Deutscher Reeder wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Streit zwischen den Spediteuren und den Linienreedereien äußern. Ein Sprecher von Deutschlands größter Container-Reederei Hapag-Lloyd sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Durch die angespannte Lage in den Häfen sind die Transportkapazitäten noch knapper geworden. Wir arbeiten sehr kooperativ auch mit kleineren Spediteuren zusammen, sind aber zugleich an Volumenvereinbarungen gebunden, die wir mit einigen Kunden abgeschlossen haben und bestmöglich bedienen müssen.»

Van der Schalk nannte die Lage äußerst unbefriedigend - nicht nur wegen der massiven Schiffsverspätungen aufgrund der coronabedingten Staus vor Los Angeles und Shanghai sowie der Platzprobleme an den Terminals. «Unser großes Problem ist, dass wir zurzeit kein Gehör finden bei der europäischen Wettbewerbskommission.» So habe die Kommission die sogenannte Gruppenfreistellungsverordnung für Konsortien um vier Jahre verlängert. Das wiederum habe zur Folge, dass weiterhin neun globale Reedereien in drei Allianzen ein Oligopol bildeten und 86 Prozent des weltweiten Containervolumens kontrollierten.

Auch mit der Abfertigungslage im Hamburger Hafen sind die Spediteure unzufrieden. «Es ist nichts mehr planbar», sagte der Vereinsvorsitzende Axel Plaß. Alles gehe drunter und drüber. Containerstellplätze seien Mangelware, die Anlieferungsslots würden immer knapper bemessen. Inzwischen gebe es sogar bei der Hafenbahn ähnliche Probleme, sagte Plaß. Transporte nach Russland oder Belarus sind wegen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine zwar theoretisch noch zulässig, faktisch aber nicht mehr möglich. Das habe auch Auswirkungen auf die neue Seidenstraße, die Europa per Bahn mit China verbindet.

Trotz der Widrigkeiten vor allem bei der Seefracht sind die Spediteure laut einer Umfrage des Vereins weitgehend positiv gestimmt. So rechneten in diesem Jahr 64 Prozent der Befragten mit stabilen oder sogar steigenden Gewinnen, 59 Prozent planten Neueinstellungen. Zudem berichteten im Schnitt 83 Prozent der Befragten von stabilen oder steigenden Transport- und Ladungsmengen im ersten Quartal.

© dpa
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