Tausende fehlende Kita-Plätze: Senatorin widerspricht

Sollen Kinder in Hamburger Kitas optimal betreut werden, brauche es Tausende neue Fachkräfte, heißt es in einer Studie der Bertelsmann Stiftung. In der Sozialbehörde sieht man diese Schlussfolgerung kritisch.
Ein Kind spielt in einer Kita. © Sebastian Gollnow/dpa/Illustration

In Hamburg fehlen im kommenden Jahr laut einer Studie rund 3700 Kita-Plätze. Trotz des massiven Ausbaus in den vergangenen Jahren gebe es nicht ausreichend viele Plätze, um den Betreuungsbedarf der Eltern zu erfüllen, heißt es im am Donnerstag veröffentlichten «Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme» der Bertelsmann Stiftung. Damit lasse sich der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz auch 2023 nicht für jedes Kind erfüllen.

Um dem Bedarf gerecht zu werden, müssten 1000 weitere Fachkräfte eingestellt werden. Die Kosten dafür würden der Studie zufolge rund 44 Millionen Euro pro Jahr betragen. Hinzu kämen laufende Ausgaben für Betrieb und mögliche Baukosten.

Die Sozialbehörde wies die Schlussfolgerungen der Stiftung zurück. Zum einem gehe man davon aus, dass in den kommenden Jahren 1000 zusätzliche Stellen benötigt werden und nicht knapp 4000. Zum anderen werde auch in Hamburg der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz erfüllt.

«Für alle steht eine Betreuung zur Verfügung, fünf Stunden pro Tag inklusive Mittagessen sogar für alle Eltern kostenfrei», sagte Senatorin Melanie Leonhard (SPD). «Falls jemand keinen Platz finden sollte, helfen wir konkret – dafür stehen bei Bedarf die Bezirksämter mit dem Kitaplatz-Nachweisverfahren zur Verfügung.»

Bei ihren Berechnungen hatte die Bertelsmann Stiftung eigenen Angaben zufolge die Betreuungsquoten der Kita-Kinder in Hamburg im Jahr 2021 mit dem Anteil der Eltern abgeglichen, die im selben Jahr in der Kinderbetreuungsstudie des Deutschen Jugendinstituts (DJI) einen Betreuungsbedarf äußerten. Die Behörde wies darauf hin, dass in der DJI-Studie bei den Eltern lediglich der Bedarf abgefragt wurde, nicht aber, ob ein Platz fehle.

Besonders groß ist laut der Bertelsmann-Studie in Hamburg der zusätzliche Bedarf bei der Betreuung von Kindern unter drei Jahren. In dieser Altersgruppe würden in Hamburg 47 Prozent der Kinder in Kitas betreut. 53 Prozent sollten es laut Bedarfsanalyse aber sein. Allein um diese Lücke zu schließen, sind laut Studie 3200 neue Plätze nötig; für Kinder ab drei Jahren fehlen demnach weitere 500 Plätze.

Zudem wird in der Studie bemängelt, dass 69 Prozent der Hamburger Kita-Kinder in Gruppen betreut würden, deren Personalschlüssel nicht den wissenschaftlichen Empfehlungen entspreche. So liege der Personalschlüssel in den Krippen bei 1 zu 4,1 - eine vollzeitbeschäftigte Fachkraft betreut rechnerisch 4,1 Kinder. Bundesweit liege der Schlüssel bei 1 zu 3,9. Empfohlen wird von der Bertelsmann Stiftung ein Schlüssel von 1 zu 3.

Würde man dieser Empfehlung im kommenden Jahr nachkommen wollen, müssten insgesamt rund 6200 Fachkräfte zusätzlich beschäftigt werden, was Personalkosten von über 271 Millionen Euro jährlich zur Folge hätte.

Eine Ausweitung des Kita-Angebots sei derzeit aber schwierig. «Die größte Hürde auf dem Weg zu genügend Plätzen sowie kindgerechten Personalschlüsseln in den Kitas bleibt der Fachkräftemangel», erklärte Kathrin Bock-Famulla, Expertin für frühkindliche Bildung der Bertelsmann Stiftung. «Schon das fehlende Personal für den notwendigen Platzausbau ist bis 2023 nicht zu gewinnen und zu qualifizieren.»

Klar sei, «bei einer wachsenden Bevölkerung und immer mehr Kindern brauchen wir auch künftig viele gute Kitas – und deswegen auch immer mehr Fachkräfte», sagte Senatorin Leonhard. «Daher unternehmen wir seit Jahren in Hamburg große Anstrengungen beim Ausbau der Ausbildungskapazitäten.»

Auch bei der Schaffung neuer Plätze sei man in den vergangenen zehn Jahren gut vorangekommen. So seien «fast 300 neue Kitas in Hamburg hinzugekommen, über 28.000 Kinder sind in dieser Zeit zusätzlich in die Betreuung gekommen», sagte sie. Aktuell würden in Hamburg über 80.000 Kinder in Kitas betreut. «Auch die Qualität in der Kindertagesbetreuung hat über die vergangenen Jahre deutlich zugelegt. Das sieht man auch an dem verbesserten Betreuungsschlüssel.»

© dpa
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