Mehr Babys und weniger Geburtsstationen im Norden

Da droht eine klaffende Lücke: Kapazitäten in der Geburtshilfe werden abgebaut im Land zwischen den Meeren, obwohl zuletzt mehr Babys zur Welt gekommen sind. Die SPD wirft der Regierung Untätigkeit vor.
Die Hand eines Neugeborenen liegt in der Hand seiner Mutter. © Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild

Die Zahl der Geburten in schleswig-holsteinischen Kliniken ist im vergangenen Jahr um fast 600 auf gut 21.400 gestiegen, aber die Kapazitäten in der Geburtshilfe sinken. «Die Situation für schwangere Frauen verschlechtert sich», sagte die SPD-Landtagsabgeordnete Birte Pauls der Deutschen Presse-Agentur. «Geburtshilfe darf kein Markt der Möglichkeiten, sondern muss Teil der medizinischen Grundversorgung sein und vom Land aus koordiniert werden.» Die Landesregierung müsse die Versorgung der Mütter und Kinder sicherstellen.

Pauls reagierte auf die Schließung von Geburtsstationen im Land und die Antworten der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage von ihr zu diesem Themenkomplex. Die Landesregierung nehme diese Schließungen seit Jahren nur zur Kenntnis und reagiere, wenn überhaupt, zögerlich und verspätet. Die Geburtshilfe in Eckernförde sei Anfang des Jahres mit tatkräftiger und finanzieller Unterstützung der Landesregierung geschlossen worden.

Auch für die Geburtsstation in Henstedt-Ulzburg sei es zu spät. Diese wird zum Jahresende geschlossen. Im Einzugsbereich gebe es fünf weitere Krankenhäuser mit Geburtshilfe-Abteilung, heißt es in der Regierungsantwort auf die Anfragen von Pauls. Die Versorgung bleibe damit sichergestellt.

«Erst jetzt gibt es wieder einen Arbeitskreis zur Geburtshilfe im Gesundheitsministerium», kritisierte Pauls. «Wir können nur hoffen, dass hier so schnell wie möglich gemeinsam mit den Beteiligten Konzepte erarbeitet werden, damit keine weitere Geburtsstation geschlossen wird und die sich Rahmenbedingungen für Mütter, Kinder und Hebammen verbessern.»

Den Regierungsangaben zufolge hatte es 2021 erneut im Städtischen Krankenhaus Kiel (1898) die meisten Geburten im Land gegeben. Knapp dahinter folgten das Universitätsklinikum in Kiel (1880) und das Diakonissen-Krankenhaus in Flensburg (1797).

Der Landtag hatte sich vor drei Wochen einmütig dafür ausgesprochen, den Trend zum Schließen von Geburtskliniken zu stoppen. In der Debatte zeichnete sich aber auch ab, dass die Handlungsmöglichkeiten des Landes offenkundig beschränkt sind. Gesundheitsministerin Kerstin von der Decken (CDU) betonte, die Landesregierung hole die beteiligten Verbände an einen Tisch, um Lösungen zu erarbeiten. Dabei gehe es unter anderem um Kooperationen von Geburtskliniken.

© dpa
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