Erhebliche Verkehrsbehinderungen wegen Hochbrücken-Sperrung

Der Schiffsverkehr normalisiert sich, aber an Land gibt es Probleme: Der Zusammenstoß eines Schiffskrans mit den Hochbrücken über dem Nord-Ostsee-Kanal in Kiel verursacht dauerhafte Behinderungen. Für Laster und Busse bleibt es länger eng.
Mit roten Lichtzeichen ist die Hochbrücke in Kiel-Holtenau gesperrt. © Axel Heimken/dpa/Archivbild

Erste Hoffnungssignale, aber auch trübe Aussichten: Der Zusammenstoß eines Schiffskrans mit den vielbefahrenen Holtenauer Hochbrücken über dem Nord-Ostsee-Kanal in Kiel wird den Verkehr monatelang behindern. Seit Donnerstagmittag dürfen immerhin Radfahrer und Fußgänger die beiden Brücken in Schritttempo passieren, wie der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr am Donnerstag mitteilte. Für Kraftfahrzeuge bleiben die eng nebeneinander liegenden Brücken - sie sind 518 Meter lang und 42 Meter hoch - bis auf weiteres gesperrt. Ausgenommen sind für Notfälle Polizei- und Rettungsfahrzeuge. Zehntausende Pendlerinnen und Pendler sind betroffen.

«Wir arbeiten daran, auf beiden Seiten der Brücke Busverkehre einzurichten, um so die Menschen über den Nord-Ostsee-Kanal zu bringen», erklärte Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen (parteilos). Er hatte sich am Morgen im Brückenkörper ein Bild gemacht. «Natürlich wollen wir auch so schnell wie möglich wieder Pkw- und Lkw-Verkehre zulassen.» Hier liefen noch weitere Untersuchungen. Es zeichnet sich jedoch ab, dass es für Busse und Lastwagen Engpässe bis zum Sommer geben wird.

Die 1972 fertiggestellte und schwerer beschädigte ältere Brücke brauche eine Generalreparatur, sagte Madsen. Bis dort wieder Laster und Busse fahren, könne es bis zu einem halben Jahr dauern. Für die neue Brücke sei dies noch zu prüfen. Bei sehr viel Glück könnten in Kürze vermutlich die ersten Autos die neuere Brücke befahren. Auf der alten Brücke sei dies quasi auszuschließen.

Nach der Havarie, die sich am frühen Mittwochmorgen ereignet hatte, gab es auch am Donnerstag erhebliche Verkehrsbehinderungen. Auf den Ausweichstrecken staute sich der Verkehr. Vor einer kleinen Fähre, die das Nord- und Südufer des Kanals miteinander verbindet, bildeten sich lange Warteschlangen von Fußgängern und Radfahrern, wie Fotos der Deutschen Presse-Agentur zeigen. Seit Donnerstagmittag war zusätzlich eine größere Fähre im Einsatz.

Der Schiffsverkehr auf der weltweit meistbefahrenen künstlichen Seewasserstraße läuft seit Mittwochabend wieder. Aber die Schiffe müssen deutlich langsamer fahren, um einen größeren Wellenschlag in der Nähe des Unfallverursachers zu vermeiden. Untersuchungen hatten ergeben, dass der Kran an Deck so stark beschädigt wurde, dass er nicht mehr sicher steht. Deshalb liege auch ein Schlepper an der Bordwand des Havaristen, um diesen gegen den Anlieger zu drücken und so ein übermäßig starkes Schwanken zu verhindern, erläuterte Jörg Brockmann von der Kanalverwaltung. Das stark beschädigte Schiff unterliegt einem Weiterfahrverbot und wird voraussichtlich auch später nicht mit dem Kran an Bord weiterfahren können.

Von der Sperrung der Brücken sind rund 40 000 Pendler betroffen, die täglich den Kanal queren. Nördlich befinden sich Industriebetriebe und die Fachhochschule für Verwaltung in Altenholz. Der Ausleger eines 38 Meter hohen Krans an Bord eines Spezialschiffs hatte am Mittwoch gegen 4.30 Uhr kurz nach dem Durchlaufen der Holtenauer Schleuse die Brücken getroffen.

Brückenprüfer des Landesbetriebs für Verkehr stellten an den Brücken Verformungen an den Querträgern und viele Risse an Schweißnähten fest. Ein externes Ingenieurbüro macht sich ein weitergehendes Bild.

«Es sieht schon ziemlich massiv aus», sagte Verkehrsminister Madsen nach seinem Brückenbesuch mit Hinweis auf die beschädigten Schweißnähte. «Da ist tatsächlich die Stabilität der Brücke gefährdet.» Madsen setzt darauf, dass in Stufen bald Autos über die neuere Brücke fahren können, während die andere repariert wird. Die genauen Schäden müssten noch ausgemessen werden, erläuterte er. Dies werde einige Tage dauern. «Die Perspektive ist erstmal: Fußgänger, Radfahrer, dann leichter Verkehr und irgendwann später der Schwerverkehr.»

Er stehe auch in engem Austausch mit Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP), sagte Madsen. «Natürlich hat das für die Wirtschaft eine Riesenbedeutung», meinte er im Hinblick auf die Havariefolgen. So würden bereits belastete Straßen noch mehr belastet.

Die Schäden an den beiden Brücken sind vom Boden aus sichtbar, eine von ihnen hat eine Delle. Die leitende Ingenieurin des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr, Susan Müller, schätzte den Schaden auf eine sechsstellige Höhe.

Die Kieler Verkehrsgesellschaft arbeitet an einem Notfahrplan für den Fall, dass Brücken länger gesperrt bleiben. «Wir tun alles dafür, dass auch in den kommenden Tagen die vier Kieler Stadtteile jenseits der Holtenauer Hochbrücke an das Zentrum der Stadt angeschlossen bleiben», sagte Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD).

Zu den von der Stadt eingeleiteten Maßnahmen gehören der am Mittag gestartete Fähren-Sondershuttle zwischen Holtenau und einem Anleger in der Innenförde sowie ein Bus-Ersatzverkehr nördlich des Kanals. Voraussichtlich ab Montag soll eine direkte Busverbindung über die weiter westlich gelegene Levensauer Hochbrücke in Richtung Kieler Norden aufgebaut werden. Zudem wird das Fahrradleihsystem «Sprottenflotte» zeitweise so erweitert, dass per Fähre am Südufer des Kanals angekommene Pendler von dort aus Räder nutzen können.

© dpa
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