Wismarer Werft in neuen Händen: Neustart im Militärschiffbau

Die Corona-Pandemie mit ihren Folgen auch für die Tourismuswirtschaft hat dem Bau von Kreuzfahrtschiffen in Mecklenburg-Vorpommern jäh ein Ende gesetzt. Nun gibt es zumindest für die Werft in Wismar einen Neustart - mit deutlich verändertem Produktionsprofil.
Ein Transparent mit Fotos von Mitarbeitern der MV Werft wird von Betriebsräten vor der Schiffbauhalle gehalten. © Jens Büttner/dpa/Archivbild

Knapp fünf Monate nach der Insolvenz der MV Werften-Gruppe ist die Fortführung des Schiffbaus am Standort Wismar gesichert. Der U-Boot-Bauer Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) Kiel hat die Werft in Wismar gekauft und will dort voraussichtlich von 2024 an Militärschiffe bauen. «Wir sind nicht gekommen, um kurz- oder mittelfristig zu bleiben. Wir werden langfristig hier bleiben», versprach TKMS-Chef Oliver Burkhard am Freitag nach einer Betriebsversammlung.

Die Werft in Wismar sei eine sehr gute Ergänzung für den Stammbetrieb in Kiel, der schon an seine Kapazitätsgrenzen stoße und angesichts der veränderten Sicherheitslage in der Welt mit weiteren Aufträgen rechne. Der Bundesrat hatte ebenfalls am Freitag den Weg frei gemacht für eine deutliche Aufstockung der Militärausgaben, die auch genutzt werden sollen, um die Ausstattung der Marine zu verbessern.

Burkhard stellte für Wismar die Einstellung von zunächst 800 Menschen in Aussicht, für die bis zum Produktionsstart in etwa zwei Jahren aber noch Übergangslösungen gefunden werden müssten. Im Gespräch sind Qualifizierungsmaßnahmen und befristete Arbeitnehmer-Überlassungen. Mittelfristig soll auf 1500 Beschäftigte aufgestockt werden. Lehrlinge und Ingenieure werden laut Burkhard sofort übernommen. Thyssenkrupp Marine Systems ist nach eigenen Angaben mit rund 6500 Mitarbeitern eines der weltweit führenden Marineunternehmen, das U-Boote, Korvetten und Fregatten herstellt und maritime Sicherheitstechnologie entwickelt.

Die Werftübernahme wurde von der Belegschaft in Wismar mit Erleichterung aufgenommen. «Ein Glücksfall», sagte einer der Werftarbeiter. «Wir sind alle froh, dass nach zweieinhalb Jahren der ständige Krisenmodus ein Ende hat, Wismar und alle Beschäftigten eine Perspektive haben», betonte Betriebsrätin Ines Scheel. Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) bezeichnete das Engagement von TKMS als «Garantie, dass der Schiffbau in Wismar bestehen bleibt».

Für die MV Werften mit ihren einst 3000 Schiffbauern war nach einer langen Hängepartie im Januar Insolvenz angemeldet worden. Dem Werfteigner Genting Hongkong, der vor allem auf den Gebieten Tourismus und Glücksspiel tätig ist und auf den MV Werften Kreuzfahrtschiffe für den eigenen Bedarf produzieren ließ, war infolge der Corona-Pandemie das Geld ausgegangen. Auch Rettungspakete von Bund und Land konnten die Werftenpleite nicht verhindern.

Mit dem bereits am Donnerstag erfolgten Vertragsabschluss für Wismar sei am ersten der drei MV Werften-Standorte in Mecklenburg-Vorpommern eine verlässliche Perspektive geschaffen worden, sagte Insolvenzverwalter Christoph Morgen. Der Schiffbau in Wismar sei dauerhaft gesichert. «Ich bin froh, dass wir mit TKMS einen Partner hatten, mit dem wir in kurzer Zeit eine Lösung erarbeiten konnten», erklärte Morgen. Er äußerte sich nicht zum vereinbarten Kaufpreis.

Morgen zeigte sich zuversichtlich, dass in Kürze auch eine Lösung für die Werft in Rostock-Warnemünde gefunden wird. Für den Standort gebe es mehrere Interessenten. Darunter ist auch der Bund, der dort ein Marine-Arsenal für Schiffswartung und -reparaturen einrichten will. Dort könnten etwa 500 Schiffbauer beschäftigt werden. Das Werftgelände in Stralsund war nach der Insolvenz von der Stadt übernommen worden, um dort einen maritimen Gewerbepark zu entwickeln.

Skeptisch äußerte sich Insolvenzverwalter Morgen zu den Aussichten für die Fertigstellung des in Wismar liegenden Kreuzfahrtschiffes «Global One», das Genting noch in Auftrag gegeben hatte. Obwohl es Pläne zur Finanzierung der restlichen Arbeiten gegeben habe, habe sich kein Käufer gefunden. Das Schiff, das Platz für etwa 9000 Passagiere und eine Crew von 2500 Personen bieten sollte, ist zu 75 Prozent fertig. Ziel sei es nun, das Schiff so weit herzurichten, dass es möglicherweise zu einer anderen Werft gebracht und dort zu Ende gebaut werden könne. Dies solle spätestens 2023 über die Bühne gehen, um die Halle frei zu haben für den neuen Werft-Eigentümer.

Die Vermarktung des Ozeanriesen ist auch von großer Bedeutung für das Land Mecklenburg-Vorpommern, das den Bau mit Millionen-Bürgschaften besicherte. Es drohen massive Verluste. «Bei den Bürgschaften und dem Risiko für das Land bin ich nicht entspannt», räumte Minister Meyer ein.

© dpa
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