Hamburgs Inzidenz sinkt - Virologe: Mehrheit schon infiziert

Die sommerliche Corona-Welle ebbt in Hamburg ab. Dennoch infizieren sich weiter viele Menschen mit dem Virus. Die bisherigen Impfungen werden an der fortschreitenden «Durchseuchung» nichts ändern, sagt der Virologe Schmidt-Chanasit.
Ein Mitarbeiter hält ein Abstrichstäbchen für einen Corona-Test in den Händen. © Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild

Hamburgs Sieben-Tage-Inzidenz der Corona-Infektionen ist im Wochenvergleich weiter gesunken. Die Gesundheitsbehörde gab die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche am Dienstag mit 751,9 an. In der vergangenen Woche hatte der Wert noch 825,3 betragen, in der Woche davor 887,7. Aufgrund unterschiedlicher Berechnungsgrundlagen liegt die von der Hamburger Behörde angegebene Inzidenz über der des Robert Koch-Instituts (RKI). Das Institut nannte am Dienstag einen Wert von 657,8 für Hamburg. Bundesweit lag die Inzidenz demnach bei 702,4.

Trotz des zweiten Rückgangs der Inzidenz in Folge in den wöchentlichen Berichten ihrer Behörde wollte Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD) noch nicht von einer Trendwende sprechen. «Wir sind wohl möglich auf einem Plateau. Ob wir durch die Sommerwelle schon durch sind - da hätte ich große Zweifel, die ist schon ziemlich massiv», sagte sie. Zudem sei die Dunkelziffer nach wie vor sehr hoch.

Der überwiegende Teil der Bevölkerung in Deutschland hat nach Einschätzung des Hamburger Virologen Jonas Schmidt-Chanasit bereits Kontakt mit dem Virus gehabt. «Die «Durchseuchung», wenn man den Begriff verwenden will, hat für die meisten Bürgerinnen und Bürger längst stattgefunden», sagte der Forscher der «Hamburger Morgenpost». Durchseuchung sei aber keine Strategie, sondern beschreibe nur den Verbreitungsgrad einer Infektionskrankheit.

Nach Angaben des RKI wurden in Deutschland bislang mehr als 29 Millionen Infektionen nachgewiesen. «Die Zahl kann man wegen der Dunkelziffer locker verdoppeln», sagte Schmidt-Chanasit. In Hamburg, das 1,9 Millionen Einwohner zählt, wurden laut RKI mindestens 659 561 Infektionen nachgewiesen.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte kürzlich auf Twitter geschrieben, dass sich viele Bürger fragten, ob jetzt eine Durchseuchung durch die Hintertür komme. «Nein», versicherte er - der von ihm im Juni vorgestellte Sieben-Punkte-Plan zur Vorbereitung auf den Herbst laufe schon an. Dazu gehöre unter anderem ein für alle Infektionsstufen ausreichendes Infektionsschutzgesetz.

Die Impfung schütze zuverlässig von schweren Verläufen, Tod und Long Covid, aber nicht dauerhaft vor einer Ansteckung, erklärte Schmidt-Chanasit. Solange es keinen Impfstoff gebe, der eine Infektion dauerhaft verhindere, werde sich jeder irgendwann infizieren. «Es stimmt also nicht, zu sagen, es fände eine «Durchseuchung durch die Hintertür statt», weil die Infektionen ja immer stattgefunden haben und auch weiterhin stattfinden werden», sagte der Virologe.

Bei der Frage der vierten Impfung will Hamburg die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) abwarten. «Der Hamburger Senat äußert keine medizinischen Impfempfehlungen, sondern setzt die Empfehlungen der Stiko um», erklärte am Dienstag der Sprecher der Gesundheitsbehörde, Martin Helfrich. Zugleich könne aber auch für Menschen ab 60 Jahren eine zweite Auffrischung sinnvoll sein. Interessierte können sich für Beratung und Impfung an ihre Ärzte oder wenden oder die städtischen Impfangebote nutzen.

Führende EU-Behörden hatten am Montag allen Menschen ab 60 Jahren eine weitere Auffrischimpfung empfohlen. Diese könnte mindestens vier Monate nach der vorherigen Impfung verabreicht werden, teilten die EU-Gesundheitsbehörde ECDC und die EU-Arzneimittelbehörde EMA mit. Auch Vorerkrankte sollten einen zweiten Booster bekommen.

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, hatte daraufhin angekündigt, dass sich die Stiko «relativ bald» dazu äußern werde. Bislang empfiehlt das für Deutschland zuständige Gremium einen zweiten Booster nur Menschen ab 70 Jahren sowie einigen anderen Gruppen, darunter Menschen mit unterdrücktem Immunsystem, Pflegeheimbewohnern und Personal medizinischer Einrichtungen.

© dpa
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