Imland-Kliniken stellen Antrag auf Insolvenzverfahren

Wie lassen sich die Kliniken in Rendsburg und Eckernförde sanieren? Die Patientenversorgung dort ist gesichert, wird betont. Die Leitung der Klinik begründet den Insolvenz-Antrag nicht nur mit drohender Zahlungsfähigkeit.
Fahnen mit dem Klinik-Logo wehen vor dem Haupteingang der Imland-Klinik. © Axel Heimken/dpa

Die Imland-Kliniken in Rendsburg und Eckernförde haben beim Amtsgericht Neumünster Antrag auf Insolvenz in Eigenverantwortung gestellt. Die Patientenversorgung sei über den gesamten Zeitraum vollumfänglich gesichert, teilte das kommunale Unternehmen des Kreises Rendsburg-Eckernförde am Freitag mit. Als Grund wurden eine drohende Zahlungsunfähigkeit und eine komplizierte Rechtslage nach einem Bürgerentscheid genannt.

In den beiden Kliniken arbeiten zusammen etwa 2400 Menschen. Die Krankenhäuser verfügen über insgesamt 800 Betten. Früheren Angaben der Krankenhausgesellschaft zufolge war bei den Imland-Kliniken für das kommende Jahr mit einer Unterdeckung von mehr als 40 Millionen Euro gerechnet worden.

Die Geschäftsführung nannte als Gründe Einnahmeeinbußen aufgrund der Corona-Pandemie, die enorm gestiegenen Energiekosten sowie unaufschiebbare Investitionen, unter anderem in Bausubstanz und -technik beider Häuser. Zudem hatten die Menschen in der Region per Bürgerentscheid entschieden, dass der Status Quo weitgehend erhalten bleiben soll, also auch die Geburtsstation in Eckernförde erhalten bleibt. Andere Szenarien sahen speziell für Eckernförde Einschnitte vor.

«Für den Kreis Rendsburg Eckernförde ist das ein schmerzhafter Moment», sagte Landrat Rolf-Oliver Schwemer. Der Bürgerentscheid habe die Geschäftsführung vor eine «unlösbare Aufgabe gestellt und die Kliniken in eine Sackgasse geführt». Es stelle sich auch die Frage, ob der Kreis mit dem Betrieb eines Krankenhauses strukturell überfordert sei.

«Unsere Konkurrenten sind professionell aufgestellte Klinikkonzerne. Bei dem Versuch, mithalten zu wollen, haben wir uns aufgerieben und dabei immer mehr den Anschluss verloren.» Für ihn sei aber klar, dass es weiterhin einen verlässlichen stationären Gesundheitsanbieter im Kreis geben müsse und auch werde.

Insbesondere der Zeitpunkt kurz vor Weihnachten sei für alle Beteiligten nicht leicht, sagte der kaufmännische Geschäftsführer Markus Funk. Er sprach von einem existenzgefährdenden Dilemma. Zugespitzt habe sich die Lage durch die Entscheidung einer Bank, von ihrem Pfandrecht Gebrauch zu machen. «In Zahlen ging es dabei um etwas mehr als fünf Millionen Euro.»

In den ersten drei Monaten des Schutzschirm-Verfahrens übernimmt die Arbeitsagentur die Gehälter der Beschäftigten. In diesem Zeitraum muss die im Amt bleibende Geschäftsführung gemeinsam mit einem Sachwalter, den ihnen das Gericht zur Seite stellt, ein Sanierungskonzept erarbeiten.

Selbst wenn der Kreis weiteres Geld bereitgestellt hätte, wäre Imland innerhalb weniger Wochen erneut von der Zahlungsunfähigkeit bedroht. «Ein weiteres Abwarten auf mögliche Änderungen im Krankenhausplan seitens des Gesundheitsministeriums ist keine Alternative», sagte Funk. Die Sanierung werde nicht ohne Stellenabbau gehen, das Unternehmen setze auf Sozialverträglichkeit. Ziel sei ein Versorgungsangebot, das dem Bedarf der Bürgerinnen und Bürgern gerecht werde und wirtschaftlich nachhaltig sei. «Dies wird auch mit Härten verbunden sein.»

Schleswig-Holsteins Gesundheitsministerin Kerstin von der Decken (CDU) sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Gesundheitsversorgung in der Region sei weiterhin sichergestellt. Das Ministerium setze den Austausch mit der Klinik fort. «Der Kreis als Träger der Klinik ist nun gemeinsam mit der Klinikleitung dafür verantwortlich, im Schutzschirmverfahren für eine tragfähige Lösung zu sorgen.» Am Donnerstag will sich der Sozialausschuss des Landtags mit dem Fall befassen.

© dpa
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