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«Radikal wechseln»: DFB-Vize kritisiert Nationalspieler

Ralph-Uwe Schaffert ist Mitglied des DFB-Präsidiums und der mächtigste Fußball-Funktionär Norddeutschlands. Ein halbes Jahr vor der EM kritisiert er massiv das Nationalteam - nicht zum ersten Mal.
DFB-Vizepräsident Ralph-Uwe Schaffert
Ralph-Uwe Schaffert, DFB-Vizepräsident. © Monika Skolimowska/dpa

Der DFB-Vizepräsident Ralph-Uwe Schaffert hat erneut mit scharfer Kritik an den deutschen Fußball-Nationalspielern für Aufsehen gesorgt. «Es wäre mal an der Zeit, das spielende Personal radikal zu wechseln», sagte der Chef des Norddeutschen Fußballverbandes, des Niedersächsischen Fußballverbandes und Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes in einem Interview der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung» und der «Neuen Presse» (Donnerstag).

Konkret wirft der 67-Jährige vielen Nationalspielern knapp sechs Monate vor dem Beginn der Europameisterschaft im eigenen Land eine mangelnde Einstellung vor. «Weil ich doch bei ei­ner nicht ganz geringen An­zahl der zurzeit tätigen Spieler das Gefühl habe, dass man meint, vielleicht mit 85 Prozent des möglichen Einsatzes auf dem Platz auskommen zu können», sagte Schaffert. «Früher war es mal eine Ehre, für Deutschland zu spielen. Heute habe ich bei einem Großteil das Gefühl, es ist eine Be­las­tung. Dann soll ich es doch lassen, wenn ich diese Einstellung habe.»

Schaffert ist Jurist und war fast 25 Jahre als Richter am Oberlandesgericht Celle tätig. Bereits zu Beginn des Jahres hatte er für Wirbel gesorgt, als er die Nationalspieler beim Neujahrsempfang seines Heimat-Kreisverbands Hildesheim für ihr Verhalten während der Weltmeisterschaft in Katar kritisiert hatte.

«Wenn sich die deutschen Nationalspieler wie Äffchen die Münder zuhalten und sich den Friseur ins Hotel bestellen, muss man sich nicht wundern, wenn sie gegen Japan verlieren», sagte der mächtigste norddeutsche Fußball-Funktionär seinerzeit. Vor der 1:2-Auftaktniederlage bei der WM gegen Japan hatten sich die Nationalspieler demonstrativ den Mund zugehalten. Sie wollten damit gegen das Verbot der «One Love»-Kapitänsbinde durch den Weltverband FIFA protestieren.

Später entschuldigte sich Schaffert für den Äffchen-Vergleich und wurde von seinem DFB-Präsidiumskollegen Ronny Zimmermann öffentlich zu einem «fairen Umgang» ermahnt. Zu Schafferts neuen Aussagen sagte der DFB-Sprecher Steffen Simon am Donnerstag in einer ersten Reaktion nur: «Das Interview war nicht abgestimmt. Wir werden das intern aufarbeiten.»

Namentlich nannte Schaffert bei seiner Kritik die Nationalspieler Joshua Kimmich (Bayern München) und Ilkay Gündogan (FC Barcelona). Kimmich sei «den Beweis bisher schuldig geblieben», ein Führungsspieler zu sein. «Auch im Verein.»

Bei Nationalmannschafts-Kapitän Gündogan sei es so, dass er «seltsamerweise im Verein überragend spielt und der dann in der Nationalmannschaft so spielt, dass man auf die Idee kommen könnte: Hat der jetzt seinen minderbegabten Zwillingsbruder geschickt?», sagte Schaffert. Grundsätzlich müsse man bei der Nationalmannschaft überlegen: «Wir brauchen vielleicht nicht mehr nur die Hochbegabten, sondern vielleicht auch mal die, die bereit sind, die Ärmel hochzukrempeln.»

Unabhängig von seiner Kritik an den Nationalspielern sieht Schaffert aber auch ein Problem des DFB: Als Verband sei man bei der Suche nach einem neuen Trainer nicht mehr in der Lage, mit den Summen mitzuhalten, die im Clubfußball gezahlt werden. «Der nächste Bundestrainer wird nicht mehr das bekommen, was ein Hansi Flick be­kom­men hat - weil sich der DFB das nicht mehr leisten kann», sagte Schaffert. «Sie haben doch kaum noch einen Bundesliga-Trainer, der weniger als eine Million verdient. Das ist alles so durch die Decke geknallt, dass man es kaum zurückschrauben kann.»

Der aktuelle Bundestrainer Julian Nagelsmann kommt bei dem DFB-Vize jedoch gut weg. «Mich persönlich hat Julian Nagelsmann - er hat sich ja vorgestellt bei uns in Aufsichtsrat und Präsidium - schon überzeugt», sagte Schaffert. «Ich glaube, dass das von al­len in Betracht kommenden Variationen die beste war.»

© dpa ⁄ Sebastian Stiekel und Jens Marx, dpa
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