Tonnenweise Kokain: Zehn Männer auf der Anklagebank

Jahrelang soll das Kokain aus Südamerika über den Hamburger Hafen nach Deutschland geschmuggelt worden sein. Vor neun Monaten stoppten Ermittler die Geschäfte. Nun kommt es zum Prozess.
Ein Justizbeamter steht in einem Gerichtssaal. © Friso Gentsch/dpa/Symbolbild

Mehr als vier Tonnen Kokain soll eine mutmaßliche Drogenbande von Südamerika über den Hamburger Hafen nach Deutschland geschmuggelt haben. Gegen zehn Männer im Alter von 33 bis 63 Jahren hat der Prozess am Mittwoch vor dem Landgericht Berlin begonnen. Die illegalen Geschäfte sollen laut Staatsanwaltschaft über ein Geflecht von Scheinfirmen abgewickelt und das Rauschgift per Seecontainer transportiert worden sein. Für vier Angeklagte kündigten deren Anwälte Aussagen zu einem späteren Zeitpunkt an. Der Verteidiger eines 37-Jährigen erklärte, die Vorwürfe seien «in vielerlei Hinsicht nur Konstrukt und Hypothesen».

Es geht in dem Prozess um insgesamt 16 mutmaßliche Schmuggelfahrten in der Zeit vom Sommer 2011 bis zum Sommer 2021. Die Drogen sind laut Anklage in hohlen, eigens dafür angefertigten Metallplatten versteckt worden. Seit 2012 hätten unter anderen mehrere Seecontainer mit jeweils mehreren Hundert Kilogramm Kokain aus Brasilien über den Hamburger Hafen Deutschland erreicht. Drei mutmaßliche Haupttäter, die seit 2011 als Bande agiert haben sollen, haben laut Ermittlungen rund 9,3 Millionen Euro erlangt.

Die drei Hauptangeklagten sollen an 15 Taten beteiligt gewesen sein. Vor August 2011 hätten sie sich zu einer Bande zusammengeschlossen, heißt es in der Anklage. Ihr Plan sei gewesen, «zum Zweck der Verschleierung ihrer wahren Absichten zunächst ein Unternehmen zu gründen, über das die Einfuhr der Betäubungsmittel - unter der Legende legaler Importgeschäfte - in die Bundesrepublik Deutschland erfolgen sollte».

Ein weiterer Angeklagter habe in einigen Fällen Hilfe geleistet, indem er ein von ihm geführtes Netzwerk an Scheinfirmen zu Abrechnungszwecken zur Verfügung gestellt habe, so die Staatsanwaltschaft. Weitere Angeklagte hätten sich 2019 und 2020 der Gruppierung angeschlossen. Alle Beschuldigten sind in Untersuchungshaft.

Die Taten sollen in Berlin und dem Umland geplant und koordiniert worden sein. Laut Ermittler nutzten die Beschuldigten bei den letzten Taten zur Kommunikation den kanadischen Krypto-Messengerdienst Sky ECC. Es ist der erste Prozess in Berlin, bei dem dieses verschlüsselte Kommunikationssystem eine Rolle spielt.

Auslöser für die rund zweijährigen Ermittlungen mit Observationen und Telefonüberwachungen waren Kokainfunde in Südamerika. Ende November 2021 waren die Berliner Staatsanwaltschaft und das Bundeskriminalamt (BKA) mit Durchsuchungen im In- und Ausland gegen die mutmaßliche Bande vorgegangen. 14 Haftbefehle wurden vollstreckt. Insgesamt sprachen die Ermittler damals von insgesamt 28 Verdächtigen im Alter von 22 bis 62 Jahren.

Für den Prozess wegen bandenmäßigen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln beziehungsweise Beihilfe dazu sind mehr als 30 Verhandlungstage bis Ende Januar 2023 geplant.

© dpa
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