Zusammenstöße bei Blockaden nach Klimademos in Hamburg

Klimaaktivisten nehmen einmal mehr Hamburg aufs Korn. Sie zielen mit ihren Aktionen vor allem auf den Hamburger Hafen. Bei den Blockaden am Samstag blieb es nicht immer friedlich.
Klima-Aktivisten werden von Polizeibeamten von den Gleisen getragen. © Markus Scholz/dpa

Bei den Blockaden von Klimaaktivistinnen und Klimaaktivisten in Hamburg ist es am Samstag zu Zusammenstößen gekommen. Nach Angaben der Polizei hatten Teilnehmer einer Blockade an der Kattwykbrücke die Beamten mit Pfefferspray attackiert, worauf diese mit Pfefferspray, Schlagstöcken und Wasserwerfern reagierten, um die Blockade aufzulösen. Eine Sprecherin von «Ende Gelände» bezeichnete den Vorfall als «einen neuen Höhepunkt an polizeilicher Gewalt und Willkür gegen unsere Klimaproteste». Auf Twitter schrieben die Aktivisten am Abend, das Pfefferspray sei schon zu Beginn von der Polizei gekommen.

Für das ganze Wochenende hat «Ende Gelände» Aktionen «gegen den Ausbau fossiler Infrastruktur und kolonialer Wirtschaftsstrukturen» angekündigt. Die Aktivisten - unter ihnen auch Luisa Neubauer - protestierten vor allem gegen geplante LNG-Terminals. Viele trugen weiße Overalls, Corona-Mundschutzmasken und Basecaps. Nach Angaben von «Ende Gelände» beteiligten sich seit Mittag mehr als 1000 Aktivisten an den Blockaden.

Sie blockierten auch die Köhlbrandbrücke und unter anderem Bahngleise der Hamburger Hafenbehörde im Stadtteil Hausbruch. Ihren Angaben zufolge behinderten sie den Güterverkehr im gesamten Hafengebiet. «Wir blockieren hier eine zentrale Drehscheibe des deutschen Außenhandels, um auf die Folgen des modernen Kolonialismus hinzuweisen», hieß es am Mittag in einer Mitteilung der Umweltbewegung «Extinction Rebellion» zur Besetzung der Brücke.

Laut der Polizei wurden die anderen Blockaden friedlich aufgelöst. Die Einsatzkräfte stellten Identitäten fest, sprachen mehrere längerfristige Aufenthaltsverbote aus und nahmen einige Personen in polizeilichen Gewahrsam, wie es in der Bilanz der Polizei vom späten Abend hieß. 1400 Beamte aus Hamburg und acht weiteren Bundesländern waren demnach im Einsatz.

Insgesamt waren für Samstag fünf Aufzüge in der Hansestadt angekündigt worden. Bei dem ersten großen Demonstrationszug am Morgen waren rund 2000 Menschen vom Altonaer Volkspark losgelaufen. Das Motto: «Gegen LNG, Kolonialismus und Extraktivismus - fossilen Kapitalismus versenken!» Die Sprecherin der Organisation «Ende Gelände» sagte: «Die großen Öl- und Gaskonzerne sind Krisenprofiteure. Während steigende Preise und die fossile Inflation für viele Menschen zum Armutsrisiko werden, verzeichnet die Öl- und Gasindustrie Milliardengewinne.»

Obwohl ursprünglich die Elbphilharmonie als Ziel der ersten großen Demo geplant war, beendete nach Angaben der Polizei die Organisatorin den Aufzug bereits bei einer Zwischenkundgebung am Bahnhof Altona. Hunderte Teilnehmer begaben sich von da aus in Richtung des Hamburger Südens. Einige hatten laut Polizei Vermummungen angelegt - und diese nach Aufforderung der Beamten abgelegt.

Danach habe es einen Aufzug mit dem Tenor: «Sauberes Gas ist eine dreckige Lüge» gegeben, so die Polizei weiter - mit etwa 450 Beteiligten. Rund 150 Personen hätten sich unvermittelt daraus gelöst und an der Bahntrasse des Hamburger Hafens teils mit den Gleisen verklebt.

Bei einer Versammlung mit dem Tenor «Gegen Steinkohle und Erdöl - neokolonialer Extraktivismus stoppen!» hätten hingegen etwa 550 Personen friedlich demonstriert. Aus einem der weiteren Aufzüge habe sich teils die Blockade an der Kattwykbrücke entwickelt.

Das linke Bündnis «...ums Ganze!» kündigte bereits am Morgen Blockadeaktionen an. Man habe unter anderem dazu aufgerufen, Lieferketten im Hamburger Hafen gezielt zu unterbrechen, teilte die Gruppe mit. Man wolle den «Protest in den Hamburger Hafen tragen, denn der ist nicht nur ein Symbolort, sondern auch ein neuralgischer Punkt des Kapitalismus», sagte eine Sprecherin.

© dpa
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