Madsen geht nach Kiel: Neuwahlen in Rostock in fünf Monaten

27.06.2022 Als Claus Ruhe Madsen Ende August 2019 seinen Amtseid als Oberbürgermeister der Hansestadt Rostock ablegte, war er mit vielen Vorschusslorbeeren ausgestattet worden. Davon ist nicht viel übrig geblieben.

Der Rostocker Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen lacht. © Jens Büttner/dpa/Archivbild

Nun ist es offiziell: Rostocks Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos) verlässt die Hansestadt und wird Wirtschaftsminister in der schwarz-grünen Landesregierung Schleswig-Holsteins. Er wird im Kabinett von Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) auch für Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus zuständig sein.

Madsen (49) verlässt die Hansestadt, in der laut Gesetz binnen fünf Monaten die Nachfolge geregelt sein muss, in einer kritischen Phase. Erst vergangene Woche hatte die Bürgerschaft die für 2025 geplante Bundesgartenschau abgesagt. Rostock hatte 2018 den Zuschlag für das Großprojekt bekommen, mit dem die Stadtentwicklung vorangetrieben werden sollte. Das Scheitern der Buga war Madsen zur Last gelegt worden, weil er es nach Ansicht seiner Kritiker nicht geschafft habe, die Verwaltung auf die Buga einzuschwören.

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) wünschte Madsen viel Erfolg für seine Aufgabe in der Kieler Landesregierung, mit der ihre Regierung seit vielen Jahren sehr eng zusammenarbeite. «Ich würde mir wünschen, dass die Rostockerinnen und Rostocker schnell über die Nachfolge entscheiden können», sagte sie. Die Landesregierung habe das Ziel, dass sich Rostock als größte Stadt des Landes weiter gut entwickelt. «Dazu müssen die gemeinsamen Projekte von Stadt und Land wieder mehr Fahrt aufnehmen», betonte Schwesig.

Der parteilose Däne Madsen hatte Ende August 2019 sein Amt angetreten. Er war damit der erste Oberbürgermeister einer deutschen Großstadt ohne deutsche Staatsbürgerschaft. Madsen hatte im Wahlkampf mit vielen neuen und vor allem unkonventionellen Ideen gepunktet. Er wollte unter anderem die Digitalisierung der Verwaltung vorantreiben, die Fahrradfahrer fördern, mehr auf die Bedürfnisse der Rostocker eingehen oder die Wohnungsnot in der Stadt mit ihren gut 200.000 Einwohnern beispielsweise mit Tiny Houses bekämpfen.

Doch viel Zeit, in Ruhe seine Pläne umzusetzen, blieb ihm nicht: Nach gut vier Monaten Amtszeit verlangte die Corona-Pandemie dem Politik-Neueinsteiger alles ab. Zunächst konnte er auch hier mit seinem Vorgehen beeindrucken. Als für viele Menschen das Corona-Virus noch nicht zum Alltag gehörte, sagte er ein Konzert in der Stadthalle ab, was vielfach zu Verwirrung und Verärgerung führte.

Sein Ruf als Macher breitete sich rasch aus und Madsen wurde zu einem gern gesehenen Gast in TV-Talkshows. Doch in der Stadt häuften sich die ungelösten Probleme und der Rathaus-Chef sah sich einer ihm immer weniger freundlich gesinnten Verwaltung gegenüber. Seine Ideen, die oft mit dem Vorgehen einer in klaren juristischen Schritten vorgehenden Verwaltung nicht in Einklang zu bringen waren, isolierten ihn zusehends.

Das machte sich bei den inzwischen beerdigten Buga-Plänen deutlich. Das Projekt war angesichts der kurzen Zeitspanne und der vielen teuren Projekte von vornherein hoch ambitioniert. - Geplant waren etwa eine Brücke über die Warnow, ein völlig neues Wohnviertel oder der Ausbau des Stadthafens. Es hätte jeder Anstrengung der Verwaltung bedurft, zumal mit dem Neubau des Volkstheaters oder des Archäologische Landesmuseums weitere Großprojekte auf ihre Vollendung warten.

Doch Madsen, dem in den vergangenen Monaten der Wind immer kräftiger ins Gesicht wehte, musste sich und der Stadt eingestehen, am Projekt Buga 2025 gescheitert zu sein. Auch die Landesregierung wandte sich von ihm ab. Mancherorts war am vergangenen Donnerstag, als die Nachricht von seinem Weggang nach Kiel durchsickerte, Erleichterung zu spüren.

© dpa

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