Knelangen: Günther holte historisches CDU-Ergebnis

Der klare CDU-Sieg bei der Landtagswahl im Mai ist nach Analyse des Politikwissenschaftlers Prof. Wilhelm Knelangen auf die Zufriedenheit mit der damaligen Jamaika-Koalition und die Popularität von Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) zurückzuführen. «Landespolitische Themen spielten im Wahlkampf allenfalls am Rande eine Rolle», schreibt Knelangen in einer im Internet veröffentlichten Kurzanalyse. Herausforderer Thomas Losse-Müller (SPD) sei es schwergefallen, sein Programm bekannt zu machen. Herausragende Themen habe der Wahlkampf nicht gehabt.
Daniel Günther, Ministerpräsident von Schleswig-Holsteins. © Marcus Brandt/dpa/Archivbild

«Aus der Rückschau scheint es, als ob der Wahlkampf im Norden in einer «Zwischenzeit» stattgefunden hätte - einer Phase nämlich, in der die Corona-Pandemie ihre dominante Rolle überwiegend verloren hatte, die Auswirkungen des Ukraine-Krieges aber noch nicht das landespolitische Tagesgeschäft prägten», analysierte Knelangen. Durch die Zuspitzung der Pandemie in den ersten Monaten des Jahres seien den üblichen Formaten des Wahlkampfes enge Grenzen gesetzt gewesen. «Eine inhaltliche Auseinandersetzung über die Regierungsbilanz und über künftige Prioritäten der Landespolitik entwickelte sich deshalb nur in Ansätzen.»

Zudem seien Versuche der SPD, sich als Alternative zur Regierung zu profilieren, nicht nur bei der CDU, sondern auch bei den potenziellen Koalitionspartnern auf Gegenwehr gestoßen, insbesondere bei den Grünen, schreibt Knelangen. «Ministerpräsident Günther wurde als Garant von «Jamaika» eine herausragende Zustimmung in der Bevölkerung zuteil.»

Mit 43,4 Prozent verfehlte die CDU bei der Wahl am 8. Mai nur um ein Mandat die absolute Mehrheit und regiert seitdem mit den Grünen. Die Union sei nun ein übermächtiger Partner, der statt mit den Grünen auch mit jeder anderen Fraktion koalieren könne, analysierte Knelangen. Die CDU müsse künftig mehr Initiative zeigen. In der Jamaika-Koalition hätten Verteilungskonflikte kaum eine Rolle gespielt. «Das muss nicht so bleiben.»

© dpa
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